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31. Jahrestagung der Sachsen-Anhaltisch-Thüringischen Augenärztegesellschaft - SATh 31

Sachsen-Anhaltisch-Thüringische Augenärztegesellschaft e.V.

30.08. - 31.08.2024, Magdeburg

Okuläre Erstmanifestation der Multiplen Sklerose

Meeting Abstract

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  • Tim Zenner - Halle/Saale
  • A. Viestenz - Halle/Saale
  • R. Wienrich - Halle/Saale

Sachsen-Anhaltisch-Thüringische Augenärztegesellschaft. 31. Jahrestagung der Sachsen-Anhaltisch-Thüringischen Augenärztegesellschaft – SATh. Magdeburg, 30.-31.08.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2025. Doc24sath38

doi: 10.3205/24sath38, urn:nbn:de:0183-24sath380

Veröffentlicht: 14. Mai 2025

© 2025 Zenner et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die häufigste ophthalmologische Manifestation einer Multiplen Sklerose ist eine Neuritis nervi optici. Jedoch können auch weiter okuläre Strukturen wie die Netzhaut, muskuläre Innervation oder Glaskörperraum von entzündlichen Veränderungen betroffen sein, so dass sich das Erscheinungsbild vielseitig und komplex gestaltet.

Methodik: Fallbericht zweier Patienten mit intraokulärer Erstmanifestation einer Multiplen Sklerose.

Ergebnisse: Der erste Fall handelt von einer 50-jährigen Patientin mit neu aufgetretenen Glaskörpertrübungen nach stattgehabter Katarakt-Operation am linken Auge. Rechts bestanden hintere Synechien und Fibrinreste, beidseitig ausgeprägte Glaskörpertrübungen und ein sekundäres cMÖ bei Uveitis intermedia. Mittels Fluoreszenzangiographie ließen sich Zeichen einer peripheren Vaskulitis darstellen. In der durchgeführten Labor konnte eine infektiöse Genese ausgeschlossen werden. Bei auffälligen cMRT erfolgte eine Liquorpunktion und die Diagnose einer Multiple Sklerose konnte gesichert werden. Eine Systemmedikation mit Glatirameracetat wurde etabliert. Der zweite Fall handelt von einem 36-jährigen Patienten, bei dem seit 2013 eine beidseitige Uveitis intermedia mit sekundärem cMÖ vorlag. Initial fanden sich in der Labordiagnostik, cMRT und dem Röntgen-Thorax keine grundlegende Systemerkrankung. Der Patient erhielt wiederholt Ozurdex-Injektionen, die eine Besserung des cMÖ mit Visusanstieg auf zwischenzeitlich bis zu 1,0 erbrachten, jedoch wiederholt zu schlecht regulierbaren IOD-Anstiegen führten. Weitere Therapieversuche mittels Mikropuls-Laserung und Azetazolamid systemisch sowie MTX zur Rezidivprophylaxe verliefen frustran. Der Visus fiel rechts auf 0,63 und links auf 0,4 ab. In einer erneuten Ursachenabklärung gelang 2024 der Nachweis einer Multiplen Sklerose, was eine Umstellung der Systemmedikation von MTX auf Terifluomid zur Folge hatte. Darunter stabilisierte sich der Befund.

Schlussfolgerung: Das ophthalmologische Erscheinungsbild der multiplen Sklerose ist vielseitig und komplex, sodass diese bei verschiedenen entzündlichen Prozessen als Differenzialdiagnose bedacht werden sollte.

Der Nachweis der Multiplen Sklerose gelingt manchmal nur zeitverzögert, was die Diagnosestellung zusätzlich erschwert und zum Teil einer wiederholten Abklärung bedarf.

Eine systemische Therapie der Multiplen Sklerose kann auch zum Management ophthalmologischer Komplikationen beitragen, wodurch sich teils nebenwirkungsreiche ophthalmologische Maßnahmen vermeiden lassen.