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9. Mitteldeutscher Wundkongress

22.03. - 23.03.2019, Magdeburg

Operative Therapie des Dekubitus

Meeting Abstract

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  • Steffen Schirmer - St. Marien-Krankenhaus Berlin

9. Mitteldeutscher Wundkongress. Magdeburg, 22.-23.03.2019. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; . Doc19mdw30

doi: 10.3205/19mdw30, urn:nbn:de:0183-19mdw301

Veröffentlicht:

©  Schirmer.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der Dekubitus stellt ein Problem in allen Teilen der Gesundheitsversorgung dar. Er entsteht häufig bei immobilen Patienten und ist oft eine Folge einer schweren Grunderkrankung. Die Therapie erfolgt in der Regel im interprofessionellen Setting. Während die konservative Therapie häufig ambulant von Wundtherapeut*Innen durchgeführt wird, sind Plastische Chirurg*Innen in der Regel an einer operativen Sanierung des Defektes beteiligt.

Jegliche Defektdeckung beginnt mit dem Debridement, bei dem abgestorbenes und infiziertes Gewebe abgetragen wird. Dadurch vergrößert sich der Defekt. Eine Einordnung der Kategorie ist dann möglich. Ab der Kategorie 3 ist nicht davon auszugehen, dass eine konservative Therapie zur Abheilung führt. Neben der Kategorie spielen Nebenerkrankungen und Einverständnis der Patient*Innen bzw. der ihrer Betreuer eine Rolle bei der Indikationsstellung zur OP.

Patienten und Methode: Die operative Therapie setzt ein radikales Debridement voraus. Ohne Abtragung der Nekrosen und des infizierten Gewebes lässt sich eine Defektdeckung nicht durchführen. Ich präferiere hier ein einzeitiges Vorgehen, da es sich in aller Regel um Patienten handelt, die sich in einem eingeschränkten Allgemeinzustand befinden. Bei Patienten, die einen systemischen Infekt aufgrund der infizierten Nekrosen aufweisen, ist es auch möglich das erste Debridement ohne Allgemeinanästhesie durchzuführen. Dabei werden die Nekrosen reseziert. Hier sollte jedoch bekannt sein, ob die Patienten mit einem oralen Antikoagulanz behandelt werden. Bei sauberen Wundverhältnissen können verschiedene Methoden zur Deckung angewendet werden. Klassischerweise werden beim Sakraldekubitus M. Gluteus-Lappenplastiken und große Rotationslappenplastiken verwendet. Es ist aber auch möglich, perforatorbasierte Lappenplastiken zu verwenden. Dekubitus am Sitzbein können mit M. Bizeps-Lappenplastik gedeckt werden oder auch mit Perforatorlappenplastiken aus dem Glutealsystem. Defekte über dem Trochanter können mit der M. rectus femoris-Lappenplastik oder der anteriomedialen Perforatorlappenplastik gedeckt werden. Auch Tensor fasciae latae Lappenplastik kann hier zum Einsatz kommen. Bei Dekubitus am Rücken, über der Wirbelsäule können lokale Lappenplastiken angewendet werden.

Schwieriger ist es beim Dekubitus an der Ferse oder über den Malleolen. In der Regel können lokale Lappenplastiken oder regionale Lappenplastiken hier wegen der meist eingeschränkten Perfusion der Extremität nur selten eingesetzt werden. Häufig sind hier freie mikrovaskuläre Lappenplastiken notwendig. Die Indikation sollte jedoch hier vorsichtig gestellt werden und sich an dem Allgemeinzustand des Patienten orientieren.

Die postoperative Lagerung muss auf Spezialmatratzen stattfinden, um die Lappenplastiken zu entlasten.

Schlussfolgerung: Es gibt für jeden Dekubitus eine Möglichkeit der definitiven Defektdeckung. Die Patienten bzw. die Betreuer müssen im Vorfeld über den Eingriff ausführlich aufgeklärt. Die Nachbehandlung und die Prävention eines erneuten Dekubitus haben eine enorme Bedeutung. Sie müssen präoperativ organisiert werden. Die Deckung eines Dekubitus führt zu Schmerzfreiheit und kann die Lebensqualität der Patienten steigern und die Pflegesituation verbessern.