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Sexuelle und reproduktive Gesundheit in Deutschland
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Vorsitz: Dr. Sara Scharmanski
Einladende Instution: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Vortragende: Angelika Hessling, Dr. Sara Scharmanski, Prof. Dr. Nicola Döring, Tilmann Knittel, Laura Olejniczak, Dr. Ursula von Rüden, Dr. Johannes Breuer
Beiträge:
- Verhütungsverhalten Erwachsener 2023. Ergebnisse einer repräsentativen Wiederholungsbefragung (Hessling, Scharmanski)
- Verhütung in Sozialen Medien - eine kommunikationswissenschaftliche Analyse (Döring)
- Ungewollte Schwangerschaften im Lebenslauf – Ergebnisse der Studie „frauen leben 3“ (Knittel, Olejniczak)
- LIEBESLEBEN - Studie ‚Sexuelle Gesundheit und sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland‘ (Breuer, von Rüden)
Zusammenfassung: Die Förderung und Sicherstellung von sexueller und reproduktiver Gesundheit ist eines der Kernziele der „Sustainable Development Goals“ (SDG) der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Ziel 3.7 strebt die Sicherstellung des Zugangs zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung sowie zu Informationen und Aufklärung für alle Menschen an. Dieses Ziel unterstreicht die Notwendigkeit, dass alle Menschen unabhängig von Geschlechtern, Altersgruppen, Merkmalen des sozialen Status, Beeinträchtigungen oder geografischer Lage umfassende Informationen, Beratung und Versorgung erhalten. Dies ermöglicht selbstbestimmte reproduktive Entscheidungen und die Förderung der sexuellen Gesundheit.
Vor diesem gesundheitspolitischen Hintergrund zielt das Symposium darauf ab, verschiedene Aspekte der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in Deutschland zu beleuchten und einen interdisziplinären Austausch zu fördern.
Zu Beginn wird das aktuelle Verhütungsverhalten von sexuell aktiven Erwachsenen in Deutschland an Hand der repräsentativen Wiederholungsbefragung „Verhütungsverhalten Erwachsener 2023“ dargestellt. Zentrales Ergebnis der vorliegenden Erhebungswelle ist ein grundlegender Wandel im Verhütungsverhalten Erwachsener: Aufgrund zunehmender Skepsis gegenüber hormoneller Verhütung ist die Nutzung der Pille deutlichen rückläufig während Kondome parallel an Bedeutung gewinnen. Der Beitrag schafft einen übergeordneten Rahmen, der das aktuelle Gesundheits- und Informationsverhalten sowie Einstellungsmerkmale im Kontext sexueller und reproduktiver Gesundheit beschreibt.
Dem digitalen Informationsverhalten der Bevölkerung trägt der zweite Beitrag Rechnung: Informationssuche im Internet und speziell in Sozialen Medien wird auch im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit immer bedeutsamer. Im Rahmen einer kommunikationswissenschaftlichen Analyse wird die Informationsqualität von verhütungsbezogenen Gesundheitsinformationen auf den Plattformen TikTok, YouTube und Instagram beleuchtet. Ergänzend wird analysiert, wer die Urheber der Inhalte sind und wie diese von den von den Social-Media-Nutzenden rezipiert und diskutiert werden.
Ungewollte Schwangerschaften stehen im dritten Beitrag im Mittelpunkt. In der Studie »frauen leben 3« wurden in den zurückliegenden zehn Jahren über 19.000 Frauen im gesamten Bundesgebiet befragt. Die nunmehr vorliegenden, in Umfang und Tiefe deutschlandweit einzigartigen Daten ermöglichen, ein detailliertes Bild der Familienplanung und – als Schwerpunktthema der Studie – zu den Hintergründen ungewollter Schwangerschaften zu zeichnen.
Der letzte Beitrag widmet sich der Thematik „Sexuelle Gesundheit“. Es werden aktuelle Ergebnisse der repräsentativen LIEBESLEBEN-Befragung ‚Sexuelle Gesundheit und sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland‘ zur Informiertheit und dem Informationsverhalten hinsichtlich sexuell übertragbarer Erkrankungen (STI) vorgestellt und insbesondere im Hinblick auf das Schutzverhalten erläutert. Hierbei zeigt sich eine relative hohe Schutzmotivation in Form von Kondomnutzung. Zugleich bestehen dennoch weiterhin Unsicherheiten im Hinblick auf die persönliche Kommunikation zu STI.
Angesichts der Komplexität des Themas und der Kontroversen rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit ist eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Soziales und Politik von entscheidender Bedeutung. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller beteiligten Akteurinnen und Akteure kann sichergestellt werden, dass jeder Mensch in Deutschland die Möglichkeit hat, ein gesundes und erfülltes Sexualleben zu führen, Sexualität ohne Diskriminierung, Zwang und Gewalt zu leben und reproduktive Entscheidungen frei und selbstbestimmt zu treffen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
