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Arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen: Ansätze, Evidenz und Herausforderungen in der Implementierung
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Symposium-Vorsitz: Prof. Dr. Alfons Hollederer
Einladende Organisation: Deutsche Gesellschaft für Public Health e.V., Fachbereich Gesundheit und Arbeit
Symposium-Vortragende: Prof. Dr. Karsten Paul, Prof. Dr. Heiko J. Jahn, Charlyn Görres, Dennis Mayer, Dr. Monique Faryn-Wewel
Inhalt: Die Gesundheitslage hat sich bei Arbeitslosen im Zeitverlauf in Deutschland verschlechtert. Im EU-SILC-Survey 2022 hat der Anteil der Arbeitslosen, die ihre allgemeine Gesundheit mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“ bewerteten, ein Allzeithoch in Deutschland erreicht. Er übertrifft weit den analogen Anteil der Beschäftigten. Die Entwicklung weist auf einen hohen Bedarf an Prävention und Gesundheitsförderung für Arbeitslose hin. Die Reichweite der Gesundheitsförderung ist bei Arbeitslosen aber sehr gering. Es werden aktuell weniger Arbeitslose als vor der COVID-19-Pandemie von der Gesundheitsförderung in Deutschland erreicht.
In der Wissenschaftsperspektive gibt es jedoch Fortschritte in der Interventionsentwicklung, die in diesem Symposium präsentiert und diskutiert werden. Die Evidenz der Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen ist mittlerweile durch eine internationale Metaanalyse von Paul und Hollederer [1] belegt. Die Hauptergebnisse werden vorgestellt. Die Metaanalyse schließt 34 geeignete Primärstudien ein. Für die psychische Gesundheit waren die durchschnittlichen metaanalytischen Effektgrößen beim Vergleich der gepoolten Studienergebnisse zu den Interventions- und Kontrollgruppen statistisch signifikant, sowohl kurz nach der Intervention als auch bei den Follow-Ups. Da die Effektgrößen meist klein sind, muss der Erreichungsgrad von Arbeitslosen hoch sein, um populationsbezogen Wirkung zu erzielen.
Dafür stehen evaluierte Programme zur Prävention und Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen zur Verfügung. Dazu zählt das vom Michigan Prevention Research Center (MPRC) entwickelte „JOBS Program“. Die Effektivität und Übertragbarkeit von JOBS Program wurde durch eine konfirmatorische Studie [2], [3] für Deutschland vor Kurzem bestätigt. In der Praxis der Gesundheitsförderung gibt es jedoch Herausforderungen im System und Schwierigkeiten bei der Implementierung – trotz Interesse bei Arbeitslosen und Jobcentern.
Es ist außerdem in der Gesundheitsförderung zu beachten, dass es nicht „den Arbeitslosen“ oder „die Arbeitslose“ gibt. Der Arbeitslosenbestand setzt sich aus heterogenen Personengruppen zusammen. Darunter sind auch vulnerable Zielgruppen wie Arbeitslose mit psychischen Erkrankungen. Zu den Wechselwirkungen zwischen Arbeitslosigkeit und Angstsymptomen werden neue Ergebnisse der LIFE-ADULT-Study (s. Beitrag Görres) berichtet. Eine weitere Gruppe mit erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiken stellen Menschen mit amtlich anerkannten (Schwer-)Behinderungen dar. Sie waren in mehrfacher Hinsicht von der COVID-19-Pandemie negativ betroffen [4].
Auf Basis der Ergebnisse werden gemeinsam im Symposium Implikationen für Wissenschaft, Politik und Praxis diskutiert. Von besonderer Bedeutung für die arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung ist der Wissenschaft-Praxis-Transfer.
Symposium:
- Einführung in das Thema (Hollederer, A.)
- Die Effektivität von Gesundheitsförderung und Prävention bei Arbeitslosen–Ergebnisse einer internationalen Metaanalyse (Paul, A. & Hollederer, A.)
- JOBS Program Deutschland: Effekte einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie mit 6-monatigem Follow up (Jahn, H. J. & Hollederer, A.)
- Wie hängen Angstsymptome und Arbeitslosigkeit zusammen? Eine querschnittliche Untersuchung in einer repräsentativen Kohortenstudie in Deutschland (LIFE-ADULT-Study) (Paul, A. & Hollederer, A.) (Görres, C.;Pabst, A.;Riedel-Heller, S. G.;Löbner, M.& LIFE-Adult-Studiengruppe)
- Arbeitslosigkeit und soziale Unterstützung bei Menschen mit Behinderungen während und nach der COVID-19-Pandemie in Deutschland (Mayer, D. & Hollederer, A.)
- Wissenschaft-Praxis-Transfer: Chancen und Herausforderungen? (Faryn-Wewel, M.)
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
Literatur
- 1.
- Paul KI, Hollederer A. The Effectiveness of Health-Oriented Interventions and Health Promotion for Unemployed People — A Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2023;20(19):6028. https://doi.org/10.3390/ijerph20116028
- 2.
- Hollederer A, Jahn HJ. Results from a Nationwide Evaluation Study of Labor Market-Integrative Health Promotion for the Unemployed: Impact of the JOBS Program Germany. Int J Environ Res Public Health. 2023;20(19):6835. DOI: 10.3390/ijerph20196835
- 3.
- Jahn HJ, Hollederer A. The health benefits of the JOBS Program Germany for unemployed people: A 6-month follow-up study. J Public Health. 2024. DOI: 10.1007/s10389-023-02155-1
- 4.
- Paul KI, Hollederer A. Unemployment and Job Search Behavior among People with Disabilities during the First Year of the COVID-19 Pandemic in Germany. Int. J. Environ. Res. Public Health 20, 6036; 2023b. https://doi.org/10.3390/ijerph20116036
- 5.
- Hollederer A, Hrsg. Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen. Frankfurt a.M.: Fachhochschulverlag; 2021.
