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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Langzeitbehandlung mit opioidhaltigen Analgetika bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen – Versorgungssituation, Problemfelder und Handlungsansätze in Deutschland

Meeting Abstract

  • Silke Neusser - Lehrstuhl für Medizinmanagement, Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany
  • Anja Niemann - Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany
  • Nils Schrader - Lehrstuhl für Medizinmanagement, Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany
  • Milena Weitzel - Lehrstuhl für Medizinmanagement, Universität Duisburg-Essen, Essen, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 301

doi: 10.3205/24gmds893, urn:nbn:de:0183-24gmds8930

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Neusser et al.
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Gliederung

Text

Symposium-Vorsitz: Dr. Silke Neusser

Symposium-Vortragende: Dr. Silke Neusser, Anja Niemann, Nils Schrader, Milena Weitzel

Inhalt (inkl. Titel der Einzelbeiträge mit vortragender Person und Co-Autor:innen): Langzeitbehandlung mit opioidhaltigen Analgetika bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen – Versorgungssituation, Problemfelder und Handlungsansätze in Deutschland

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopfverbrauch opioidhaltiger Analgetika (OA). Diese werden insbesondere bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (CNTS) und hier häufig als Langzeithandlung (>3 Monate) eingesetzt. Bei Langzeitbehandlungen mit OA bei CNTS ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis aufgrund der geringen Evidenzlage ungünstiger, als bei Behandlungen über kürzere Zeiträume. Die S3-Leitlinie LONTS gibt Empfehlungen zu Indikationen und Behandlungsabläufen, um Über- und Fehlversorgung sowie die Entstehung von Abhängigkeitserkrankungen zu verhindern. Im Rahmen des Symposiums wird vorgestellt, inwieweit zentrale Empfehlungen in der Praxis umgesetzt werden. Darüber hinaus werden Anpassungsbedarfe im Versorgungskontext herausgearbeitet, sodass die Versorgungsqualität in Deutschland verbessert und eine Über- oder Fehlversorgung mit OA vermieden werden kann.

Die Beiträge basieren auf den Analysen im Rahmen der innovationsfondgeförderten Mixed-Methods Studie „Op-US“, die Langzeitbehandlungen mit OA bei CNTS aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Im Rahmen einer Versorgungsepidemiologie auf Basis von Routinedaten der DAK, wurde das Versorgungsgeschehen von OA Langzeitanwendern mit CNTS (n=113.476) über zwei Jahre analysiert. Darüber hinaus erfasste eine Befragung von Versicherten mit Arthrose und/oder Rückenschmerzen die Versorgungssituation aus der Patientenperspektive (n=661). Die Perspektive der Leistungserbringenden wurde über eine standardisierte Befragung von ÄrztInnen zur Einschätzung der Versorgungssituation und Rahmenbedingungen erfasst (n=422).

Auf dieser Basis wurden fünf Problemfelder der aktuellen OA Langzeitbehandlung aufgrund von CNTS herausgearbeitet: (1) lange Einnahmedauer, (2) Opioid-Abhängigkeit, (3) viele Opioid-Verschreibende, (4) niedrige Versorgungsqualität sowie (5) Besonderheiten im Inanspruchnahme-Verhalten und Opioid-Monotherapie. Diese werden im Rahmen des Symposiums vorgestellt. Abschließend werden die identifizierten gesundheitspolitischen Handlungsbedarfe sowie die entwickelten Lösungsansätze präsentiert und diskutiert.

Über einen Indikator wurde im Rahmen der Versorgungsepidemiologie erfasst, ob die Versicherten mit OA Langzeitanwendungen (>3 Monate), bereits über mindestens ein Jahr vor Studieneinschluss OA Verordnungen erhielten (1).

Häufigkeiten und Risikogruppen für Tendenzen eines abhängigen Verhaltens (2) werden in den drei Datensträngen analysiert. Darüber hinaus wird dargestellt, ob Personen mit diagnostizierten Opioid-Abhängigkeitserkrankungen mehr verordnende Ärzte (3) aufsuchen.

Im Rahmen der Patientenbefragung wird evaluiert, inwiefern die herausfordernde Behandlung von chronischen SchmerzpatientInnen in der ambulanten Versorgung den Prinzipien des Chronic Care Models entspricht, und ob zentrale Elemente eines leitliniengerechten Versorgungsprozesses umgesetzt werden (4).

Im Problemfeld (5) „Opioid-Monotherapie“ wurden zum einen die Einschätzungen zur Relevanz und Realisierbarkeit nicht-pharmazeutischer Therapiemaßnahmen im Rahmen der OA-Langzeitbehandlung aus Sicht verschiedener Fachgruppen eingeholt. Im Anschluss wurde die tatsächliche Inanspruchnahme nicht-pharmazeutischer Therapiemaßnahmen aus der Leitlinie anhand der Routinedaten in unterschiedlichen Subgruppen erhoben und mit den Einschätzungen der Leistungserbringer verglichen.

Aufbauend auf die im Rahmen der Auswertung identifizierten Problemfelder wurden Ansätze zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit OA Langzeitanwendung erarbeitet. Diese wurden in leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen, Leistungserbringern und Vertretern der GKV reflektiert und im Rahmen eines Workshops mit Patienten- und Krankenkassen- und Leistungserbringervertretern hinsichtlich der Umsetzbarkeit diskutiert.

Ansatzpunkte, um die Versorgungssituation von Menschen mit nicht-tumorbedingten Schmerzen im Rahmen einer Langzeittherapie mit Opioiden zu verbessern, variieren in Abhängigkeit vom Problemfeld. Ansätze zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit nicht-tumorbedingten Schmerzen stellen einen wichtigen Schritt dar, um die Patientensicherheit und die Versorgungsqualität in diesem Bereich zu verbessern. Bei jeder Maßnahme existieren verschiede Vor- und Nachteile, die vor der Umsetzung ausführlich diskutiert werden müssen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.