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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Klimaangst bei Erwachsenen mit Depression respektive Angststörung

Meeting Abstract

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  • Gloria Düllberg - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Germany
  • Michel Rinderhagen - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät OWL, Bielefeld, Germany
  • Timothy McCall - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Germany; Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät OWL, Bielefeld, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 970

doi: 10.3205/24gmds788, urn:nbn:de:0183-24gmds7884

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Düllberg et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Einleitung: Als Klimaängste bezeichnet man Ängste, die mit dem anthropogenen Klimawandel zusammenhängen [1]. Auch wenn zwei Drittel der Deutschen ein hohes Bewusstsein für den Klimawandel besitzen [2], fallen Klimaängste bei Erwachsenen in Deutschland eher niedrig aus [3]. Sowohl das Klimabewusstsein [2] als auch Klimaängste [3] können sich allerdings negativ auf die psychische Gesundheit auswirken, weshalb die Identifikation von vulnerablen Gruppen diesbezüglich von zentraler Bedeutung ist [4]. Bei Erwachsenen in Deutschland besteht etwa ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Klimaangst und allgemeiner Angst und Depressivität [3]. Angststörungen sind mit einer Zwölf-Monats-Prävalenz von 15,3% die am häufigsten auftretende Gruppe psychischer Störungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung, gefolgt von der unipolaren Depression mit 7,7% [5]. Das Ziel der Studie ist es, zu prüfen, ob Erwachsene mit depressiver Störung und/oder Angststörung in Deutschland im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Klimaangstwerte aufweisen, und zu analysieren, wie gut sich die Klimaangst bei dieser Zielgruppe aus ihrem Erkrankungsgrad, ihrem Klimabewusstsein, ihrem Alter und ihrem Geschlecht vorhersagen lässt.

Methodik: Erwachsene mit diagnostizierter Depression und/oder Angststörung in Deutschland werden quantitativ mithilfe von Fragebögen befragt. Zur Erfassung der Klimaangst wird eine deutschsprachige, validierte Klimaangst-Skala verwendet [3]; das Klimabewusstsein wird anhand eines Fragebogens aus der Umweltbewusstseinsstudie erfasst [2], und der Erkrankungsgrad der Proband:innen wird durch ärztliche Einschätzungen ermittelt. Im Rahmen einer Datenanalyse in SPSS wird die Höhe der Klimaangst bei der Stichprobe mit den Daten aus der Allgemeinbevölkerung [3] verglichen. Zudem wird mittels Regressionsanalyse getestet, inwiefern sich die Klimaangst aus dem Klimabewusstsein, dem Erkrankungsgrad bezüglich der Depression/Angststörung, dem Alter und dem Geschlecht vorhersagen lässt.

Erwartete Ergebnisse: Wir erwarten, dass Erwachsene mit depressiver Störung und/oder Angststörung in Deutschland gegenüber der erwachsenen Allgemeinbevölkerung in Deutschland [3] generell erhöhte Klimaangstwerte haben. Außerdem sollte ein ausgeprägteres Klimabewusstsein, ein stärkerer Erkrankungsgrad (bezüglich einer depressiven beziehungsweise Angststörung), das weibliche Geschlecht und ein jüngeres Lebensalter bei der Zielgruppe signifikant mit einer stärkeren Angst vor dem Klimawandel verbunden sein.

Schlussfolgerungen: Es ist zu erwarten, dass Erwachsene mit Depression und/oder Angststörung in Deutschland eine Risikogruppe für Klimaängste darstellen. Daher sollten klimabedingte Ängste, insbesondere bei jungen, weiblichen Patientinnen mit einem hohen Klimabewusstsein, im Rahmen ihrer Therapie thematisiert und berücksichtigt werden. Psychotherapeut:innen sollten in ihrer Ausbildung angemessen auf den Umgang mit der Angst vor dem Klimawandel seitens ihrer Patient:innen vorbereitet werden.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Pihkala P. Anxiety and the Ecological Crisis: An Analysis of Eco-Anxiety and Climate Anxiety. Sustainability. 2020;12(19):7836. DOI: 10.3390/su12197836 Externer Link
2.
Belz J, Follmer R, Hölscher J, Stieß I Sunderer G. Umweltbewusstsein in Deutschland 2020: Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Berlin, Dessau-Roßlau: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Umweltbundesamt; 2022.
3.
Wullenkord MC, Tröger J, Hamann KRS, Loy LS, Reese G. Anxiety and climate change: A validation of the Climate Anxiety Scale in a German-speaking quota sample and an investigation of psychological correlates. Clim Change. 2021;168:1–23. DOI: 10.1007/s10584-021-03234-6 Externer Link
4.
Gebhardt N, Van Bronswijk K, Bunz M, Müller T, Niessen P, Nikendei C. Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland – Direkte und indirekte Auswirkungen, vulnerable Gruppen, Resilienzfaktoren. J Health Monit. 2023;8(S4):132–161. DOI: 10.25646/11650 Externer Link
5.
Jacobi F, Höfler M, Siegert J, Mack S, Gerschler A, Scholl L, et al. Twelve-month prevalence, comorbidity and correlates of mental disorders in Germany: The Mental Health Module of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1-MH). Int J Methods Psychiatr Res. 2014;23(3):304–319. DOI:10.1002/mpr.1439. Externer Link