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Bodennahes Ozon und körperliche Aktivität im Freien: Eine qualitative Literaturrecherche zu Gesundheitsrisiken in der Allgemeinbevölkerung
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Einleitung: Bodennahes Ozon (O3) ist ein sekundärer Luftschadstoff, der bei intensiver Sonneneinstrahlung und warmen Lufttemperaturen aus Vorgängermolekülen wie Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen gebildet wird. Der Klimawandel begünstigt die Entstehung vom bodennahen Ozon. Dieses ist ein bedeutsamer Risikofaktor für die menschliche Gesundheit, weil hohe Konzentrationen von Ozon zu gesundheitlichen Schäden wie Kopfschmerzen oder Reizerscheinungen an Augen, Nase und Rachen führen können. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Ozon können während der körperlichen Aktivität aufgrund der erhöhten Atemfrequenz noch verstärkt sein. Es existieren bisher nur vereinzelte Studien zu den Auswirkungen von bodennahem Ozon auf die Gesundheit während körperlicher Aktivität. Das Ziel dieser Arbeit war es, diese Studien mittels einer Literaturrecherche zu identifizieren und im qualitativen Pilotreview zusammenzufassen. Diese Arbeit ist im Rahmen einer studentischen Bachelorarbeit entstanden.
Methoden: Mittels qualitativer Literaturrecherche wurde in der wissenschaftlichen Datenbank PubMed nach relevanter Literatur gesucht. Die Verlagsdatenbank SpringerLink diente als unterstützende Recherche. Wir haben Veröffentlichungen ab dem Jahr 2010 eingeschlossen. Die Recherche, Sichtung und Auswahl der Studien erfolgten anhand der PRISMA-Leitlinien. Mittels aufgestellter Suchterme konnten essenzielle Publikationen erfasst werden. Von 89 nicht-duplizierten Veröffentlichungen wurden 10 in das Review einbezogen. Sechs Studien haben ein Beobachtungsdesign verwendet, darunter eine Kohortenstudie (N=1090), drei Studien mit Zeitreihenanalysen (57-461 Teilnehmer) und zwei Querschnittsuntersuchungen mit 1.791.972 Marathonläufern und 120 jungen Männern. Vier Studien verwendeten experimentelle Designs (N=10 bis 120). In drei Experimenten wurde eine Randomisierung durchgeführt, und in zwei Studien wurde zusätzlich eine Verblindungstechnik eingesetzt. Sieben der 10 Studien untersuchten die Auswirkungen einer kurzfristigen (2 Stunden bis 1 Tag) O3-Exposition bei körperlicher Aktivität, während drei Studien eine langfristige Exposition (6-12 Monate) untersuchten. Neun Studien wurden mit einer gesunden erwachsenen Bevölkerung durchgeführt (zwei davon mit älteren Erwachsenen), während eine experimentelle Studie mit einer Gruppe von stabilen COPD-Patienten durchgeführt wurde.
Das Spektrum der untersuchten Ergebnisse war recht heterogen und reichte von der Lungenfunktion und den Atemwegssymptomen (4 Studien) über die körperliche Leistungsfähigkeit (N=4) bis hin zu anderen Ergebnissen (N=4) wie Entzündungsmarkern und dem Auftreten von Typ-2-Diabetes.
Ergebnisse: Höhere Konzentrationen von bodennahem Ozon wirkten sich in sieben Studien (4 über kurzfristige und 3 über langfristige Auswirkungen) nachteilig auf die untersuchten gesundheitlichen Outcomes aus, wobei in einer Studie eine Beeinflussung durch hohe Temperaturen nicht ausgeschlossen werden konnte. In drei von vier Studien, die diesen Parameter untersuchten, wurde ein negativer Zusammenhang zwischen erhöhtem Ozon und einer Verschlechterung der Lungenfunktion festgestellt, während für die körperliche Leistungsfähigkeit in drei von vier Studien ein Zusammenhang gefunden wurde.
Schlussfolgerungen: In dieser qualitativen Pilotuntersuchung fanden wir den ersten Hinweis darauf, dass eine Exposition gegenüber erhöhten Konzentrationen von bodennahem Ozon während körperlicher Aktivität negative Auswirkungen auf die Lunge und die körperliche Leistungsfähigkeit haben könnte. Die Ergebnisse der Literaturrecherche müssen kritisch betrachtet werden. Eine zentrale Limitation stellt die Verwendung von SpringerLink dar. Die Verlagsdatenbank ist keine wissenschaftliche Datenbank. Die Studien definieren sich durch unterschiedliche methodische Vorgehensweisen sowie variierende Ozonkonzentrationen, wodurch sie schwer vergleichbar sind und Homogenität nicht bewiesen werden kann. Weitere Forschung ist unerlässlich, um effektive Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. Eine Meta-Analyse könnte zu einer besseren Forschungslage beitragen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
