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Vergleich einer populations-basierten digitalen Kohorte für Gesundheitsforschung (DigiHero) mit niedriger Rücklaufquote und einer bevölkerungsrepräsentativen Mental Health Surveillance
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Hintergrund: Die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Mental Health Surveillance (MHS) wurde durch die COVID-19 Pandemie und nachfolgende Krisen unterstrichen. Am Robert-Koch-Institut (RKI) wird seit 2019 eine nationale MHS durchgeführt, welche auf einer bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung basiert. In der digitalen Kohorte DigiHero wurde psychische Gesundheit bisher vor allem im Rahmen von Krisen (COVID-19 Pandemie und Ukraine-Krieg) erhoben, die Erhebung soll nun verstetigt werden. In Vorbereitung darauf stellt sich die Frage, ob die Indikatoren für psychische Gesundheit in einer digitalen Kohorte mit niedriger Response vergleichbar sind mit einer bevölkerungsrepräsentativen MHS.
Methoden: In DigiHero wurden Teilnehmende im September 2021, März 2021, September 2022 und November 2023 zu Ihrer psychischen Gesundheit befragt. In der MHS des RKI liegen Indikatoren der psychischen Gesundheit von Juni 2019 bis November 2023 in Form von Drei-Monats-Schätzern vor. Als Vergleichswert mit den DigiHero Daten wird jeweils der RKI MHS Drei-Monats-Schätzer des Monats verwendet, der dem Startzeitpunkt der entsprechenden DigiHero-Befragung vorangeht, sodass die DigiHero Befragung in Mitte des Intervalls liegt. In beiden Studien wurden die depressive Symptomatik (PHQ-2) und Angstsymptome (GAD-2) mit jeweils zwei Items, welche zu einem Summenscore von 0 bis 6 aufsummiert werden können, erfasst. Die arithmetischen Mittelwerte (M) der Summenscores und deren 95% Konfidenzintervalle (KI) wurden miteinander verglichen. Um für mögliche Unterschiede in der Alters- und Geschlechtszusammensetzung zu adjustieren, wurden die Schätzer der DigiHero Studie mit Referenz zur Deutschen Gesamtbevölkerung 2021 gewichtet (Geschlecht x Alter 18-29, 30-39, 40-49, 50-59, 60-69, 70-79 und 80+ Jahre).
Ergebnisse: Insgesamt zeigen sich zwischen den beiden Populationen größere Unterschiede in der Angst- als in der depressiven Symptomatik. Die berichtete Angstsymptomatik in der DigiHero Kohorte ist zu allen Zeitpunkten etwas höher, als die der MHS des RKI. Die depressive Symptomatik liegt in der DigiHero Kohorte leicht unter der des MHS des RKI, außer zum 3. Erhebungszeitpunkt (MDigiero: 1.48, 95%-KI: 1.45; 1.50 vs. MRKI: 1.28, 95%-KI: 1.21; 1.34), welcher in DigiHero eine Woche nach Ausbruch des Ukrainekrieges stattfand. Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Unterschied in der Angstsymptomatik zwischen den beiden Populationen am höchsten (MDigiHero: 2.06, 95%-KI: 1.08; 1.15 vs. MRKI: 0.95, 95%-KI: 0.75; 0.91).
Schlussfolgerung: Unterschiede in der psychischen Gesundheit in DigiHero und dem MHS des RKI scheinen vor allem vom Befragungszeitraum abhängig zu sein. Im weiteren Verlauf ist ein Vergleich der individuellen DigiHero Daten mit Individualdaten aus dem MHS des RKI geplant. Dabei können auch weitere potentielle Einflussgrößen (z. B. Bundesland und Bildung) berücksichtigt werden. Dies soll mehr Aufschluss darüber geben, ob die beobachteten Unterschiede in der psychischen Gesundheit auf Unterschiede in der Stichprobenzusammensetzung oder das Studiendesign zurückzuführen sind.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
