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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

„Erinnerungs_reich – Museen als Medizin für Menschen mit Demenz“: Schulung zur Verbreitung eines demenzsensiblen Museumsangebots

Meeting Abstract

  • Annika Rettich - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Germany
  • Martina Bothur - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Germany
  • Karen Voigt - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Germany
  • Jenny Petermann - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Germany
  • Michael Wächter - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 342

doi: 10.3205/24gmds748, urn:nbn:de:0183-24gmds7487

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Rettich et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Für viele Betroffene von Demenz ist es nur eingeschränkt möglich, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Nicht nur die primären demenzspezifischen Symptome, sondern auch die mangelhafte Anpassung von Lebens- und Kulturwelten an Menschen mit Demenz erschweren deren soziale Teilhabe. Neben der Belastung der Menschen mit Demenz sind pflegende Angehörige ihrerseits dem „caregiver burden“ und einem erhöhten Krankheitsrisiko ausgesetzt [1]. Um Museen stärker an die Bedürfnisse von Demenzbetroffenen anzupassen, wurden im Projekt „Erinnerungs_reich – Museen als Medizin für Menschen mit Demenz“ Schulungen für Museumspersonal mit dem Ziel entwickelt, die Teilnehmenden zur Durchführung demenzsensibler Museumsangebote zu befähigen. Dabei standen neben der Einführung in Diagnose, Ursachen und Prophylaxe die bio-psycho-sozialen Folgen der Erkrankung und Möglichkeiten der Anpassung von Museumsangeboten an betroffene Besucher:innen im Zentrum. Übergreifendes Ziel von Erinnerungs_reich ist es, Museen als Lebenswelten für Menschen mit Demenz unter Beachtung deren besonderer Bedürfnisse niedrigschwellig und flächendeckend zugänglich zu machen und dadurch die soziale Teilhabe dieser Zielgruppe zu fördern. Wie zufrieden waren die Teilnehmenden mit den Schulungen? Welche Änderungen wurden vorgenommen, um die Schulungen passfähiger zu gestalten?

Methoden: Die Schulungen wurden in vier verschiedenen Museen (Standorte: Dresden, Freiberg, Görlitz, Leipzig) durchgeführt. Es erfolgte eine formative Evaluation (digitaler oder analoger Fragebogen) durch die Teilnehmenden, d.h. nach jeder Evaluation wurden die Schulungen gemäß den Ergebnissen angepasst. Die Teilnehmenden konnten verschiedene Schulungsaspekte (Kompetenzzuwachs, Beteiligungsmöglichkeiten, Informationsgehalt, Seminargestaltung/Didaktik, Praxisnähe/Relevanz, kollegialer Austausch, Arbeitsatmosphäre, Organisation) auf einer sechsstufigen Likertskala von „sehr zufrieden“ bis „sehr unzufrieden“ bewerten sowie Freitextantworten abgeben.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 51 Mitarbeitende aus 31 verschiedenen Museen und kulturellen Einrichtungen teil. Davon waren 74,5% weiblich und alle zwischen 22 und 71 Jahren alt (M = 41,13 Jahre). Die Mehrheit gab als Beruf Museumspädagog:in (48,9%) oder Museumsmitarbeiter:in (25,5%) an. Der Großteil kam aus dem groß- oder mittelstädtischen Raum (46%), gefolgt von Kleinstädten (28%) und dem Land (5%).

Die Schulungen wurden in allen Bewertungsaspekten mit großer Mehrheit positiv beurteilt (Bewertungsoptionen „sehr zufrieden“, „zufrieden“ oder „eher zufrieden“). Die fachlichen Aspekte Kompetenzzuwachs und Informationsgehalt wurden am besten bewertet (je 74% „sehr zufrieden“). Den größten Verbesserungsbedarf sahen die Teilnehmenden im kollegialen Austausch (49% „sehr zufrieden“, 32% „zufrieden“, 6% „eher zufrieden“, 2% „eher unzufrieden“). Zudem wurde der Wunsch nach einer Erhöhung des Praxisanteils deutlich. Im Sinne einer formativen Evaluation wurden sowohl die Möglichkeiten zum kollegialen Austausch als auch interaktive und praktische Anteile für die darauffolgenden drei Schulungen angepasst. In den Schulungen 2-4 zeigte sich eine verbesserte Bewertung des kollegialen Austauschs (im Mittel von „zufrieden“ auf „sehr zufrieden“). Zudem wurde der Wunsch nach einer Erhöhung des Praxisanteils nach der Anpassung nur noch einmal geäußert, einzelne Teilnehmende hoben den Praxisanteil sogar explizit positiv hervor.

Schlussfolgerungen: Die Schulungen wurden von den Teilnehmenden positiv angenommen und bieten einen Ansatz, Museumspersonal für die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu sensibilisieren und zur Durchführung demenzangepasster Museumsangebote zu befähigen. Das Schulungskonzept ist durch die formative Evaluation und den interaktiven und praxisnahen Ansatz angepasst und überregional auf andere Kultureinrichtungen übertragbar.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Brodaty H, Green A, Koschera A. Meta-analysis of psychosocial interventions for caregivers of people with dementia. Journal of the American Geriatrics Society. 2003;51(5):657–64. DOI: 10.1034/j.1600-0579.2003.00210.x Externer Link