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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Evaluation des Selektivvertrages Gon-/Coxathrose in Sachsen-Anhalt mittels GKV-Routinedaten der AOK Sachsen-Anhalt

Meeting Abstract

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  • Annemarie Feißel - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Germany
  • Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg, Germany
  • Friederike von Wangenheim - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 519

doi: 10.3205/24gmds651, urn:nbn:de:0183-24gmds6519

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Feißel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen ³ 50 Jahren ist die Arthrose, insbesondere die Hüft-/Kniegelenksarthrose (Cox-/Gonarthrose), deren Prävalenz durch die steigende Lebenserwartung stetig zunimmt. Als Therapie werden häufig gelenkersetzende operative Eingriffe durchgeführt. Laut Statistischem Bundesamtes waren es im Jahr 2022 insgesamt 255.886 Implantationen einer Endoprothese am Hüftgelenk und 199.527 Endoprothesen am Kniegelenk. Der AOK Sachsen-Anhalt (AOK SAN) ist aus Analysen von Krankheitsverläufen mit Cox-/Gonarthrose bekannt, dass ca. 20-25% der Versicherten mit einer Implantation einer Hüft- oder Knieendoprothese vor der Operation KEINEN Kontakt zu einem Facharzt hatte und damit das Potenzial konservativer Behandlung bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Vor diesem Hintergrund hat die AOK SAN ihren Versicherten mit ärztlich diagnostizierter fortgeschrittener Cox- oder Gonarthrose mit persistierenden oder zunehmenden Beschwerden einen „Vertrag über die strukturierte Behandlung von Patienten mit Hüft- bzw. Kniegelenksarthrose auf der Grundlage § 140a SGB V“ angeboten. Wesentliche Bestandteile des Vertrages waren eine fachärztliche, leitliniengerechte Behandlung, eine optimierte medikamentöse Therapie sowie eine intensivierte physiotherapeutische Behandlung.

Methoden: Die Evaluation mittels Kontrollgruppendesign erfolgt u.a. durch eine Sekundärdatenanalyse. Es werden standardisierte Abrechnungsdaten der ambulanten und stationären Versorgung, der Arznei-, Heil-/Hilfsmittelversorgung sowie ergänzende Daten zur Arbeitsunfähigkeit der AOK SAN herangezogen. Per Propensity-Score-Matching werden für jeden Interventionsteilnehmer mehrere Matching-Partner als Kontrollgruppe (KG) identifiziert. Eingeschlossen in die Interventionsgruppe (IG) werden Versicherte mit gesicherter Diagnose ICD10-GM M16/M17 und entsprechendem Schweregrad, dem Wohnort Sachsen-Anhalt und einem durchgängigen Versicherungszeitraum vom 01.01.2019 bis 31.12.2022. Zudem darf vor diesem Zeitraum keine Operation bzgl. der Einschlussdiagnose erfolgt sein. Folgende Arbeitshypothesen werden überprüft: 1. Durch den Selektivvertrag reduziert sich die Anzahl der Operationen zur Implantationen von Hüft- und Kniegelenken gegenüber der KG; 2. Durch den Selektivvertrag erhöht sich der Anteil der Patienten mit leitliniengerechter Diagnostik gegenüber der KG; 3. Durch den Selektivvertrag erhöht sich bei erwerbstätigen Versicherten die Arbeitsfähigkeit; 4. Durch den Selektivvertrag wird die verordnete medikamentöse Therapie mit Schmerzmitteln der IG gegenüber der KG optimiert.

Ergebnisse: Durch den Vergleich der IG und KG lässt sich der Effekt des Vertrages über die strukturierte Behandlung von Patient*innen mit Cox- oder Gonarthrose abbilden. Erste Ergebnisse zeigen bzgl. der primären Hypothesen 1 und 2 keinen ausgeprägten Interventionseffekt bzgl. der Reduzierung von Operationen zur Implantationen von Hüft- und Knieendoprothesen sowie der Optimierung der verordneten medikamentösen Therapie mit Schmerzmitteln. Vertiefende Analysen bzgl. der sekundären Hypothesen und einzelner Subgruppen folgen.

Schlussfolgerungen: Die Evaluation des Selektivvertrages liefert Hinweise darüber, ob eine strukturierte intensivierte Therapie zu einer Vermeidung bzw. Verzögerung von Operationen zur Implantation von Hüft- und Kniegendoprothesen führt. Bei der Evaluation des Selektivvertrages mit Sekundärdaten müssen bestimmte Herausforderungen berücksichtigt werden. In der KG können durch die fehlende Intervention keine trennscharfen Nachbeobachtungszeiträume gebildet werden, die einen direkten Vergleich mit der IG bzgl. Effekten innerhalb eines Jahres nach Intervention ermöglichen würden. Zudem lässt sich eine leitliniengerechte Diagnostik nur begrenzt mit Sekundärdaten analysieren. Auch wenn die vorläufigen Ergebnisse der Sekundärdatenanalyse noch keine eindeutigen Effekte der Intervention zeigen, könnten positive, subjektiv berichtete patientenbezogene Outcomes durch die Intervention wie die gesundheitsbezogene Lebensqualität oder die Funktionsfähigkeit über die zusätzlich durchgeführte Patientenbefragung einen Hinweis auf den versichertenbezogenen Mehrwert der Intervention hinsichtlich ihrer Erkrankung geben.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.