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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Konsum von Energydrinks und kardiovaskuläre Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen: Ergebnisse eines systematischen Reviews

Meeting Abstract

  • Maria Pie - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, Germany; Institute of Social Medicine, Epidemiology and Health Economics, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany
  • Andrea Deichl - German Center for Cardiovascular Research (DZHK), Partner Site Berlin, Berlin, Germany; Department of Cardiology, Angiology and Intensive Care Medicine, Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC) – Medical Heart Center of Charité and German Heart Institute Berlin, Berlin, Germany; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany
  • Anke Ehlers - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, Germany
  • Britta Nagl - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, Germany
  • Frank Edelmann - German Center for Cardiovascular Research (DZHK), Partner Site Berlin, Berlin, Germany; Department of Cardiology, Angiology and Intensive Care Medicine, Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC) – Medical Heart Center of Charité and German Heart Institute Berlin, Berlin, Germany; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany
  • Cornelia Weikert - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, Germany
  • Juliane Menzel - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, Germany; Institute of Social Medicine, Epidemiology and Health Economics, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 158

doi: 10.3205/24gmds608, urn:nbn:de:0183-24gmds6085

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Pie et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Energydrinks (ED) sind koffeinhaltige Getränke mit einem oder mehreren weiteren Inhaltsstoffen wie bspw. Taurin, Glucuronolacton oder Inositol. Vor allem bei Jugendlichen sind sie sehr beliebt, sodass der Konsum von EDs erheblich zugenommen hat. Fallberichte und neuere Studien geben jedoch Anlass zur Besorgnis über mögliche negative Auswirkungen von EDs auf das Herz-Kreislauf-System. Diese Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von EDs und Veränderungen von kardiovaskulären Parametern wie bspw. Herzfrequenz und Blutdruck hin. Ziel dieses systematischen Reviews war es daher, kardiovaskuläre, elektrokardiographische und echokardiographische Parameter in Abhängigkeit von akutem und chronischem ED-Konsum bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen.

Methoden: Die systematische Literaturrecherche wurde in den Datenbanken Pubmed und EMBASE am 6. Juli 2023 mit vordefinierten Suchbegriffen durchgeführt. Es wurde die Veränderung folgender Parameter nach dem Konsum von EDs im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne ED-Konsum bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren untersucht: 1. kardiovaskuläre Parameter (Herzfrequenz, systolischer Blutdruck, diastolischer Blutdruck), 2. elektrokardiographische Parameter (PQ-Intervall, QT-Intervall, QTc-Intervall, ST-Segment) und 3. echokardiographische Parameter (left ventricular ejection fraction LVEF, left ventricular mass index LVMI, mitral/tricuspid annular plane systolic excursion MAPSE/TAPSE, global longitudinal strain GLS, left atrial volume index LAVI, right atrial area RA, E/E‘ ratio). Das Risiko eines Bias wurde mit dem Cochrane Risk of Bias (RoB2) Tool bewertet.

Ergebnisse. Von den 1.054 ursprünglich identifizierten Artikeln wurden fünf Publikationen auf der Grundlage von zwei Interventionsstudien mit 17 bis 81 Teilnehmenden im Alter von 10 bis 18 Jahren in die Auswertung eingeschlossen. Die Publikationen wurden innerhalb der letzten fünf Jahre veröffentlicht und untersuchten Veränderungen von kardiovaskulären, elektrokardiographischen und echokardiographischen Parametern bei akutem ED-Konsum im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. In der ED-Gruppe wurde die noch unbedenkliche Koffeinaufnahmemenge gemäß der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht überschritten. Der chronische ED-Konsum wurde in keiner der beiden eingeschlossenen Studien untersucht. In beiden Studien zeigte sich eine signifikante Erhöhung des systolischen und diastolischen Blutdrucks in der ED-Gruppe nach dem Konsum von EDs im Vergleich zur Kontrollgruppe. In Bezug auf den Parameter Herzfrequenz zeigten sich in beiden Studien keine signifikanten Unterschiede zwischen ED- und Kontrollgruppe, jedoch war die Herzfrequenz nach ED-Konsum tendenziell niedriger. In lediglich einer Publikation wurden Veränderungen der QTc-Intervalle und der linksventrikulären Ejektionsfraktion zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe untersucht und zeigten keine signifikanten Unterschiede. Weitere vordefinierte elektrokardiographische und echokardiographische Parameter wurden in keiner der eingeschlossenen Publikationen untersucht.

Schlussfolgerung. Der vorliegende systematische Review unterstreicht, dass bisher nur wenige Studien den Zusammenhang zwischen akutem ED-Konsum und Veränderungen von kardiovaskulären Parametern bei Kindern und Jugendlichen untersucht haben. In diesem Review konnte gezeigt werden, dass ein akuter ED-Konsum mit einer signifikanten Erhöhung des systolischen und diastolischen Blutdrucks bei Kindern und Jugendlichen assoziiert ist. In Bezug auf die anderen untersuchten elektrokardiographischen und echokardiographischen Parameter konnten keine Unterschiede zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Es ist zu berücksichtigen, dass in den eingeschlossenen Studien Koffeinmengen verabreicht wurden, die die gesundheitlich unbedenkliche Aufnahmemenge von Koffein gemäß EFSA nicht überschritten. Es besteht weiterhin dringender Forschungsbedarf zu den Auswirkungen eines höheren und chronischen ED-Konsums bei Kindern und Jugendlichen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.