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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Rassismus und Diskriminierung als Determinanten der Gesundheit in der Public-Health-Forschung in Deutschland

Meeting Abstract

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  • Katja Kajikhina - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Carmen Koschollek - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
  • Claudia Hövener - Robert Koch-Institut, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 1006

doi: 10.3205/24gmds602, urn:nbn:de:0183-24gmds6023

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Kajikhina et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Rassismus und Diskriminierung werden zunehmend in Europa sowie auch in Deutschland als soziale Determinanten der Gesundheit in der Public Health-Forschung thematisiert. In den USA und Großbritannien hat die Forschung in diesem Bereich bereits eine längere Tradition und eine breite Evidenz hervorgebracht. Zahlreiche Studien belegen Zusammenhänge mit physischer und psychischer Gesundheit bis hin zu Veränderungen auf zellulärer Ebene. Neben den gesundheitsschädigenden Effekten interpersoneller und direkter (rassistischer) Diskriminierung ist die Relevanz des strukturellen und institutionellen Rassismus für die gesundheitliche Ungleichheit bislang nur unzureichend beleuchtet.

Gleichzeitig werden die bislang angewandten Konzepte wie Migrationshintergrund oder Akkulturation einer kritischen Prüfung unterzogen. Darüber hinaus ist zu untersuchen, ob die im angelsächsischen Forschungsraum gängigen Konzepte im Bereich der Forschung zu Rassismus und „race“ auf die deutsche Forschungslandschaft übertragbar sind.

Methode: Im Rahmen einer narrativen Übersichtsarbeit wurden aktuelle Forschungsergebnisse zu Rassismus und Diskriminierung als relevante Determinanten der Gesundheit zusammengestellt und einer kritischen Diskussion unterzogen. Es wurden dabei nicht nur die Effekte direkter Diskriminierung betrachtet, sondern auch die strukturelle Ebene in den Blick genommen. Auf dieser Basis wurden Handlungsempfehlungen für Forschung und Praxis abgeleitet.

Ergebnisse: Rassistische Diskriminierung im Alltag, aber auch struktureller und institutioneller Rassismus sind eng mit der gesundheitlichen Lage assoziiert. So steht die systematische Benachteiligung in den Bereichen Bildung, Arbeit, Einkommen(ssicherheit), Wohnen, soziale Deprivation und soziale Mobilität im Zusammenhang mit der allgemeinen, psychischen und physischen Gesundheit. Auch die Inanspruchnahme von Präventions-, Versorgungs- und Rehabilitationsleistungen sowie das Gesundheitsverhalten sind mit Erfahrungen von (rassistischer) Diskriminierung im Alltag, im Gesundheitswesen sowie mit Rassismus als Determinante auf struktureller und institutioneller Ebene assoziiert. Effekte von (rassistischer) Diskriminierung und strukturellen Ausschlüssen lassen sich bis hin zur (sub)zellulären Ebene nachweisen. Der damit verbundene chronische Stress wirkt auf das Immunsystem, auf Stoffwechsel- und Zellerneuerungsprozesse aus; die damit einhergehenden Veränderungen sind über Generationen hinweg vererbar.

Diskussion: Die Betrachtung von strukturellem Rassismus und die Untersuchung der Verschränkung von Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen sowie des Zugangs zur Gesundheitsversorgung und die damit assoziierte gesundheitlichen Lage von Menschen mit (und ohne) Migrationsgeschichte erscheint notwendig. Mechanismen gesundheitlicher Ungleichheit können so besser verstanden und konkrete Ansatzpunkte für eine nachhaltige Verhältnisprävention identifiziert werden, statt Analysen und Maßnahmen lediglich auf die Beschreibung von Gruppen und ihrer (vermeintlichen) Eigenschaften sowie auf die individuelle Verhaltensprävention zu beschränken. In der Forschung zu Rassismus ist außerdem eine intersektionale Perspektive unabdingbar, um die spezifischen Verschränkungen und Wechselwirkungen von unterschiedlichen und mehrfachen Benachteiligungsdimensionen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit adäquat zu erfassen. Neben praktischen Interventionen, wie Trainings, Aufklärungsarbeit und community-basierten Ansätzen, ist die Weiterentwicklung medizinischer und Public Health-bezogener Lehrinhalte von großer Wichtigkeit. Methodische Aspekte im Bereich der Erhebung und Analyse von Daten sind von entscheidender Bedeutung, um dieser Thematik umfassend in Lehre, Forschung und Praxis gerecht zu werden.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Kajikhina K, Koschollek C, Bozorgmehr K, Sarma N, Hövener C . Rassismus und Diskriminierung im Kontext gesundheitlicher Ungleichheit – ein narratives Review. Bundesgesundheitsbl. 2023;66:1099–1108.