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Psychische Gesundheit Studierender: Assoziationen zwischen Dimensionen sozialer Ungleichheit und Diskriminierungserfahrungen an deutschen Hochschulen – eine quantitative intersektionale Analyse
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Einleitung: Diskriminierung beeinträchtigt die Gesundheit und das Wohlbefinden Studierender, besonders jener, die von sozialer Ungleichheit betroffen sind. Es besteht jedoch noch deutlicher Forschungsbedarf zu intersektionalen Diskriminierungserfahrungen im Hochschulkontext und ihrem Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit Studierender. Ziel dieser Studie ist es, die Dimensionen sozialer Ungleichheit und Diskriminierungserfahrungen von Studierenden in Deutschland zu untersuchen, um Unterschiede in der psychischen Gesundheit von Menschen festzustellen, die intersektional von Ungleichheit betroffen sind.
Methoden: Anhand von Daten aus der Querschnittsstudie „Studienbedingungen und psychische Gesundheit Studierender“ (StudiBiFra), die zwischen Juni 2021 und März 2023 mit dem „Bielefelder Fragebogen zu Studienbedingungen und psychischer Gesundheit“ an 13 deutschen Hochschulen erhoben wurden, führten wir eine Multilevel Analysis of Individual Heterogeneity and Discriminatory Accuracy (MAIHDA) durch.
????Aspekte der psychischen Gesundheit Studierender (depressive Verstimmung, kognitive Stresssymptome und Erschöpfung) wurden mittels Einzelitems erfasst. Diese wurden für die Analyse anschließend zu Scores zusammengefasst und anhand eines Terzil-Cut-Offs dichotomisiert. Die teilnehmenden Studierenden wurden in 48 intersektionale Strata eingeteilt, die durch Kombinationen von Geschlecht, Familienaufgaben, erste Generation an der Hochschule und wahrgenommenen Diskriminierungserfahrungen durch Dozierende, durch Mitstudierende und durch beide definiert wurden. Adjustiert für Alter und Hochschule wurden Variationen der drei psychischen Gesundheitsoutcomes zwischen den intersektionalen Strata untersucht.
Ergebnisse: Von den 14.592 eingeschlossenen Teilnehmenden identifizierten sich 66,92 % als weiblich und 1,82 % als gender-divers. Zusätzlich gaben 37,94 % an, der ersten Hochschulgeneration ihrer Familie anzugehören, und 13,35 % hatten Familienaufgaben neben dem Studium. In Bezug auf wahrgenommene Diskriminierung berichteten 10,11 % über Diskriminierung durch Dozierende, 5,40 % durch Mitstudierende und 5,17 % durch beide Personengruppen.
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Der Anteil der Gesamtvarianz, der durch die Stratazugehörigkeit erklärt wurde, betrug 5,92 % für depressive Verstimmung, 6,20 % für kognitive Stresssymptome und 5,71 % für Erschöpfung. Unterschiede in den psychischen Gesundheitsoutcomes über intersektionale Strata hinweg wurden vollständig durch additive Effekte der einbezogenen sozialen Dimensionen erklärt.
Besonders doppelte Diskriminierung, also durch Dozierende und Mitstudierende, war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für depressive Verstimmung (OR: 2,65; 95% KI: 2,20-3,20), kognitive Stresssymptome (OR: 2,65; 95% KI: 2,20-3,19) und Erschöpfung (OR: 2,40; 95% KI: 2,00-2,90) im Vergleich zu keiner Diskriminierungserfahrung assoziiert.
Studierende, die sich als gender-divers identifizierten, hatten höhere Chancen für depressive Verstimmung (OR: 2,53; 95% KI: 1,83-3,49), kognitive Stresssymptome (OR: 2,95; 95% KI: 2,15-4,05) und Erschöpfung (OR: 2,42; 95% KI: 1,76-3,32) im Vergleich zu männlichen Studierenden. Auch Studierende der ersten Hochschulgeneration hatten im Vergleich zu Studierenden aus akademischen Haushalten erhöhte Wahrscheinlichkeiten für alle drei psychischen Gesundheitsoutcomes (depressive Symptome: OR = 1,23; 95% KI: 1,13-1,35; kognitive Stresssymptome: OR = 1,17; 95% KI: 1,08-1,28; Erschöpfung: OR = 1,25; 95% KI: 1,15-1,37). Für Erschöpfung zeigten Studierende mit Familienaufgaben erhöhte Odds Ratios von 1,35 (95% KI: 1,19-1,55) im Vergleich zu ihren Mitstudierenden ohne Familienaufgaben.
Schlussfolgerung: Diese Studie zeigt deutliche Assoziationen zwischen Diskriminierungserfahrungen und der psychischen Gesundheit Studierender an deutschen Hochschulen aus intersektionaler Perspektive. Daraus ergibt sich der dringende Handlungsbedarf an Hochschulen, strukturelle und intersektionale Benachteiligungen abzubauen, um ein unterstützendes und inklusives Umfeld für alle Studierenden zu schaffen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
