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Pflegende Angehörige in Deutschland: Wirksamkeit gesundheitsfördernder Interventionen – ein systematisches Review und Metaanalysen
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Einleitung: Die Pflege eines Angehörigen ist mit psychischen Erkrankungen und verminderter Lebensqualität der Pflegenden assoziiert. Für die Planung präventiver Interventionen für pflegende Angehörige in Deutschland existiert keine Zusammenfassung von Interventionsstudien mit Qualitätsbewertungen. Daher war es das Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit, die Ergebnisse methodisch guter Interventionsstudien zur Wirkung präventiver Strategien für pflegende Angehörige in Deutschland zusammenzufassen.
Methodik: In drei großen medizinischen Literaturdatenbanken suchten wir, internationalen Empfehlungen (Cochrane Handbook für systematische Reviews, PRISMA 2020) folgend, nach Interventionsstudien mit Kontrollgruppe zur Wirksamkeit von nicht-pharmakologischen Interventionen für pflegende Angehörige in Deutschland und bewerteten anschließend deren Biasrisiko (PROSPERO Registrierungsnr.: CRD42022314008).
Ergebnisse: Unter 4.376 überprüften Publikationen wurden 10 Interventionsstudien mit guter methodischer Qualität identifiziert. Diese untersuchten kognitive Verhaltenstherapie bzw. Mehrkomponenteninterventionen für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz (8 Studien), Schlaganfall (1 Studie) und mit allgemeiner Pflegebedürftigkeit (1 Studie). Die Kontrollgruppen erhielten Informationsmaterial als Minimalintervention oder die übliche Standardversorgung.
In Metaanalysen zeigte sich 3-6 Monate nach Studienbeginn eine statistisch signifikante leichte Reduktion depressiver Symptome durch eine kognitive Verhaltenstherapie (Standardisierte Mittelwertedifferenz -0,27; 95%-Konfidenzintervall -0,44 – -0,10), die jedoch nach 9-12 Monaten keine statistische Signifikanz mehr erreichte (-0,21; -0,51 – 0,09). Mehrkomponenteninterventionen zeigten weder nach 3-6 noch nach 9-12 Monaten Veränderungen depressiver Symptome (-0,18; -0,40 – 0,03 bzw. -0,14; -0,47 – 0.14).
Dagegen besserte sich die psychische Lebensqualität der pflegenden Angehörigen in den Mehrkomponenteninterventionsgruppen statistisch signifikant im Vergleich zu den Kontrollgruppen: nach 3-6 Monaten leicht (0,28; 0,01 – 0,56) und nach 9-12 Monaten moderat (0,45; 0,09 – 0,82). Auf die körperliche Lebensqualität hatten die Interventionen keinen Einfluss.
Schlussfolgerung: Die Reduktion depressiver Symptome durch verhaltenstherapeutische Interventionen für pflegende Angehörige scheint nur gering und nicht nachhaltig zu sein. Durch Mehrkomponenteninterventionen konnte nur die psychische Lebensqualität der Betroffenen längerfristig verbessert werden. Bisher gängige Modelle präventiver und gesundheitsfördernder Interventionen für pflegende Angehörige scheinen deren Gesundheit nicht ausreichend und nachhaltig zu verbessern. Größere Effekte könnten möglicherweise durch aufwändigere verhaltenspräventive Interventionen oder verhältnispräventive Maßnahmen erzielt werden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
