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Soziale Ungleichheit in der sozialen Teilhabe von Brustkrebsüberlebenden?
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Einleitung: Studien deuten darauf hin, dass soziale Teilhabe die Krankheitsbewältigung fördern kann und sozial aktive Personen insgesamt ein geringeres Mortalitätsrisiko aufweisen. Bislang wurde die soziale Teilhabe nach einer Brustkrebsdiagnose vor allem im Hinblick auf die Rückkehr in den Beruf untersucht, während Langzeitstudien zur Ausübung sozialer Freizeitaktivitäten von Brustkrebsüberlebenden bislang selten sind. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie den Einfluss soziodemografischer und sozioökonomischer Faktoren auf die soziale Teilhabe in Form von Freizeitaktivitäten von Brustkrebsüberlebenden im Durchschnitt 5 Jahre nach Erstoperation. Darüber hinaus zielt die Studie darauf, Subgruppen von Frauen zu identifizieren, die am stärksten von einer geringen sozialen Teilhabe betroffen sind.
Methoden: Die Studienpopulation basiert auf einer multizentrischen Längsschnittstudie mit der originären Zielsetzung der Analyse von Determinanten der Rückkehr in den Beruf nach Brustkrebs. Für die vorliegende Untersuchung wurden Daten der dritten Folgestudie mit n=372 Brustkrebsüberlebenden ausgewertet, die 4 bis 6 Jahre (Mittel: 5.2 Jahre) nach der Erstoperation erhoben wurden (Rücklaufquote von 82,2 % bezogen auf Erststichprobe). Die soziale Teilhabe umfasst die Dimensionen ‘soziokulturelle Teilhabe‘ (z.B. Besuch von Cafés und Restaurants, Kino, Theater, Museum, Tagesausflüge und Kurzreisen), ‘soziale Teilhabe in Institutionen‘ (z.B. ehrenamtliche Aktivitäten in Vereinen und Verbänden, Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen) und ‘soziale Teilhabe im privaten Bereich‘ (gegenseitige Besuche zu Hause z.B. von Freunden, Nachbarn, Familie). Anhand von logistischen Regressionsanalysen und CHAID-Entscheidungsbaumanalysen wurden der Einfluss von soziodemografischen (Familienstand, Erwerbsstatus und -umfang, Migrationsstatus) und sozioökonomischen Faktoren (Schulbildung, Einkommen und berufliche Position) auf die soziale Teilhabe analysiert.
Ergebnisse: Soziodemografische Faktoren hatten eine untergeordnete Bedeutung für die soziale Teilhabe an Freizeitaktivitäten. Demgegenüber waren alle drei sozioökonomischen Faktoren signifikant mit der soziokulturellen Teilhabe und der Teilhabe in Institutionen, nicht jedoch mit der sozialen Teilhabe im privaten Bereich assoziiert. Keine mindestens monatliche Teilhabe in Institutionen wiesen vor allem berufstätige Frauen mit einem niedrigeren Bildungsniveau auf. Keine mindestens monatliche Teilhabe an soziokulturellen Aktivitäten waren am häufigsten bei Frauen mit einem geringen Einkommen, die zusätzlich mehr als zwei brustkrebsbezogene Beschwerden hatten.
Schlussfolgerungen: Die vorliegende Studie liefert Hinweise auf die Existenz sozioökonomischer Ungleichheit in der sozialen Teilhabe bezüglich sozialer Freizeitaktivitäten bei Brustkrebsüberlebenden. Insbesondere Frauen mit einem geringen Einkommen, die weiterhin unter krebsbedingten Beschwerden leiden, stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass frühzeitige Interventionen erforderlich sind, um langfristige Einschränkungen der sozialen Teilhabe zu verhindern, insbesondere bei sozial benachteiligten Brustkrebsüberlebenden.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
