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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Die Kosten des kolorektalen Karzinoms in Deutschland: Eine Excess-Kosten-Analyse aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

Meeting Abstract

  • Kathrin Krüger - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany; Center for Health Economics Research Hannover (CHERH), Hannover, Germany
  • Melissa Hemmerling - AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen, Hannover, Germany
  • Kristina Schaubert - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Melanie Brinkmann - Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Siegbert Rossol - Medizinische Klinik, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main, Germany
  • Jona Stahmeyer - AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen, Hannover, Germany
  • Maren Dreier - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany
  • Christian Krauth - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany; Center for Health Economics Research Hannover (CHERH), Hannover, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 586

doi: 10.3205/24gmds509, urn:nbn:de:0183-24gmds5093

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Krüger et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Kolorektale Karzinome (KRK) gehören weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen und stellen eine erhebliche finanzielle Belastung für Gesundheitssysteme dar [1], [2], [3]. Im Rahmen des vom Innovationsfonds geförderten Projektes SIGMO wurde eine Excess-Kosten-Analyse durchgeführt mit dem Ziel, die spezifischen Ausgaben für KRK in verschiedenen Erkrankungsphasen, Leistungsbereichen und Subgruppen aus der Perspektive der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu ermitteln.

Methoden: Die Berechnung der Excess-Kosten von KRK erfolgte auf Basis von Routinedaten der AOK Niedersachsen (AOKN). Es wurden drei Phasen definiert: (P1) erstes Jahr nach Diagnosestellung, (P2) Jahr 2 und 3 nach Diagnosestellung und (P3) letztes Jahr vor dem Tod. Für P1 sowie P2 wurden an KRK-Erkrankte (E) und Nicht-Erkrankte (NE) selektiert. Für die E-Gruppe galten folgende Einschlusskriterien: inzidente Diagnose im Jahr 2017 (ICD C18-C20); Alter ab 50 Jahren; durchgängige Versicherung im Beobachtungszeitraum (BZ; 2016-2020) oder bis zum Tod. Die NE-Gruppe bildeten Personen ab 50 Jahren ohne KRK-Diagnose im BZ. Für P3 wurden im Jahr 2019 Verstorbene aufgegriffen und dahingehend unterschieden, ob eine KRK-Diagnose vorlag. Die E- und NE-Gruppen wurden anhand von Alter und Geschlecht im Verhältnis 1:2 für P1 sowie P2 und im Verhältnis 1:3 für P3 gematcht. Die Kosten wurden stratifiziert nach Alter (<70; 70-80; >80), Geschlecht (weiblich; männlich) und Erkrankungsstadium (UICC I-IV) für verschiedene Leistungsbereiche (stationär; ambulant; Arzneimittel (AM)) und insgesamt kalkuliert. Zur Berechnung der Excess-Kosten durch KRK wurden die Kosten der E- und NE-Gruppe voneinander subtrahiert.

Ergebnisse: Für P1 konnten n=1.909 (n=3.818 NE), für P2 n=1.578 (n=3.156 NE) und für P3 n=1.659 Fälle (n=4.977 NE) in die Analysen einbezogen werden. Die durchschnittlichen jährlichen Excess-Kosten pro Fall betragen 12.289 € für P1, 4.949 € für P2 und 8.429 € für P3. Sie variieren in allen drei Phasen stark zwischen den Leistungsbereichen und Subgruppen, sind jedoch in der E-Gruppe durchgängig höher als in der NE-Gruppe. Während die Excess-Kosten in P1 (stat.: 6.845 €; amb.: 1.420 €; AM: 4.024 €) im stationären Bereich am höchsten sind; sind sie in P2 (stat.: 1.608 €; amb.: 712 €; AM: 2.629 €) bei den AM am höchsten und in P3 (stat.: 3.514 €; amb.: 516 €; AM: 3.635 €) im Hinblick auf den stationären Bereich und AM ähnlich hoch. Tendenziell sind die Excess-Kosten mit höherem Alter und geringerem Erkrankungsstadium niedriger. Geschlechtsspezifisch sind die Excess-Kosten in P1 (W: 11.157 €; M: 13.468 €; p=0,009) unter Männern signifikant höher.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse verdeutlichen die gesundheitsökonomische Relevanz von KRK und ermöglichen einen detaillierten Überblick der finanziellen Belastung von KRK über den Verlauf der Erkrankung hinweg. Es wird deutlich, dass die durch KRK verursachten Excess-Kosten zu Beginn der Erkrankung am höchsten sind, was überwiegend auf stationäre Kosten durch u.a. Operationen wie Tumorresektionen zurückzuführen ist. Erwartungsgemäß nehmen die Excess-Kosten mit zunehmendem Alter ab, da auch in der NE-Gruppe im Alter höhere Kosten anfallen, und steigen mit zunehmendem Erkrankungsstadium aufgrund der Schwere der Erkrankung und der damit verbundenen höheren Inanspruchnahme von Leistungen, insbesondere kostenintensiver AM-Therapien, im Vergleich zur NE-Gruppe an. Im Hinblick auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der initialen Phase zeigt eine Analyse von Heisser et al. vergleichbare Ergebnisse [4].

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Favoriti P, Carbone G, Greco M, Pirozz F, Pirozzi REM, Corcione F. Worldwide burden of colorectal cancer: a review. Updates in surgery. 2016;68:7-11.
2.
Arnold M, Sierra MS, Laversanne M, Soerjomataram I, Jemal A, Bray F. Global patterns and trends in colorectal cancer incidence and mortality. Gut. 2017;66(4):683-691.
3.
Klimeck L, Heisser T, Hoffmeister M, Brenner, H. Colorectal cancer: A health and economic problem. Best Practice & Research Clinical Gastroenterology. 2023:101839.
4.
Heisser T, Simon A, Hapfelmeier J, Hoffmeister M, Brenner H. Treatment costs of colorectal cancer by sex and age: population-based study on health insurance data from Germany. Cancers. 2022;14(15):3836.