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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Elektive Kaiserschnitte – nicht ohne eine zweite Meinung? Eine Online-Befragung von medizinischem Fachpersonal

Meeting Abstract

  • Barbara Prediger - Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Anke Kaulbert - Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Nadja Könsgen - Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Dawid Pieper - Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, Rüdersdorf bei Berlin, Germany
  • Katja Stahl - Universität zu Lübeck, Lübeck, Germany
  • Sven Schiermeier - Universität Witten/Herdecke, Witten, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 367

doi: 10.3205/24gmds508, urn:nbn:de:0183-24gmds5080

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Prediger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Seit Jahrzehnten steigt weltweit die Kaiserschnitt-(KS) Rate an. In Deutschland ist diese von 15,3% (1991) auf 30,9% (2021) gestiegen. Neben populationsbedingten Faktoren (z.B. Altersanstieg der Schwangeren) hängen auch nicht-medizinisch indizierte Faktoren (z.B. strukturelle Faktoren) mit dem Anstieg zusammen.

Ein Ansatz zur Begrenzung der nicht-medizinisch indizierten KS-Geburten ist die Einholung einer Zweitmeinung (ZM).

In Deutschland haben Versicherte bei ausgewählten Indikationen nach § 27b SGB V einen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche ZM. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) prüfte 2021, ob die Indikation zum elektiven KS aufgrund einer möglichen Überversorgung und der Mengendynamik in die ZM-Richtlinie aufgenommen werden sollte. Zweifel an der Umsetzbarkeit eines geordneten ZM-Verfahrens aufgrund der Dynamik der Indikation führten dazu, dass die Aufnahme in die Richtlinie nicht empfohlen wurde. Ziel dieser Studie war es, durch Online-Befragungen von Gynäkolog:innen (Niedergelassen und Kliniker:innen) und Hebammen neue Erkenntnisse über die fachliche Sicht auf die Relevanz und Umsetzbarkeit der ZM-Einholung bei elektiven KS zu gewinnen.

Methodik: Für alle Berufsgruppen wurde auf Grundlage der aktuellen Literatur und durch die Konsultation von Expert:innen jeweils ein Fragebogen erstellt und ein Pretest durchgeführt. Die Befragungen wurden im Januar (Niedergelassene) und Februar (Hebammen) 2023 und Januar 2024 (Kliniker:innen) mit LimeSurvey online gestellt. Einladungen wurden über verschiedene Wege (u.a. E-Mail Verteiler, Berufsverbände, Social Media) gestreut. Die Fragebögen beinhalten die Themengebiete Erfahrungen mit ZM im Kontext des elektiven KS, Einschätzungen zur Durchführbarkeit und soziodemographische Merkmale. Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: Die Fragebögen von 177 Niedergelassenen, von 32 Kliniker:innen und 297 Hebammen wurden ausgewertet. Von den Niedergelassenen wurden 52,7% (88/177), von den Kliniker:innen 78,1% (25/32) und von den Hebammen 58,2% (173/297) bereits für eine ZM zu Rate gezogen. 28,2% (50/206) der Niedergelassenen, 34,4 % (11/38) der Kliniker:innen und 35,4% (105/301) der Hebammen verneinten die Frage, ob etwas gegen die Einholung einer ZM spräche (Mehrfachantworten). Es waren jedoch 23,7 % (42/205) der Antworten der Niedergelassenen, 43,8 % (14/38) der Kliniker:innen und 33% (98/297) der Hebammen ungültig, da sowohl ein Grund gegen die Einholung einer ZM als auch die Antwort „Es spricht nichts dagegen“ angegeben wurden. 23,2 % (41/194) der Niedergelassenen, 18,8 % (6/33) der Kliniker:innen und 37 % (110/440) der Hebammen hielten ein strukturiertes ZM-Verfahren nach der ZM-Richtlinie bei elektiven KS für ein sinnvolles Instrument, um vermeidbare Eingriffe zu reduzieren (Mehrfachantworten). Die Dynamik der Indikation sahen 26 % (46/305) der Niedergelassenen, 31,3 % (10/57) der Kliniker:innen und 18,9 % (56/447) der Hebammen als Hinderungsgrund an (Mehrfachantworten).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass ZM bei Indikation zum KS bereits eingeholt werden. Insgesamt herrschen jedoch heterogene Meinungen zum Thema ZM und elektiver KS bei den unterschiedlichen Berufsgruppen. Möglicherweise ist die ZM-Richtlinie, die u.a. die Hysterektomie betrifft, bei den Gynäkolog:innen bekannter als bei den Hebammen.

Ein Drittel der Leistungserbringenden haben keine Einwände gegen die Einholung einer ZM, ob dies nach der ZM-Richtlinie erfolgen sollte, bleibt unklar.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.

Der Beitrag wurde bereits publiziert: Deutscher Kongress für Versorgungsforschung [1], International Conference of the German Society of Midwifery Science (DGHWi) and 1st Midwifery Education Conference (HEBA-Paed) [2]


Literatur

1.
Kaulbert A, et al. Befragung von medizinischem Fachpersonal zu Zweitmeinungen bei der Indikation zum elektiven Kaiserschnitt in Deutschland. In: 22. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF). Berlin, 04.-06.10.2023. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2023. Doc23dkvf129. DOI: 10.3205/23dkvf129 Externer Link
2.
Kaulbert A, et al. Befragung von Fachpersonen zu Zweitmeinungen bei der Indikation zum elektiven Kaiserschnitt [Survey among professionals on second opinions in indication of elective cesarean sections]. In: Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft. 7. Internationale Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi), Heba-Päd – 1. Konferenz zur pädagogischen Arbeit im Hebammenstudium der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) und des Deutschen Hebammenverbands (DHV). Berlin, 08.-10.02.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocIK-V09. DOI: 10.3205/24dghwi39 Externer Link