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Eine regionale Analyse der Versorgungssituation von Personen mit idiopathischem Parkinson-Syndrom in der Rhein-Neckar-Region
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Hintergrund: Weltweit kann das Parkinson-Syndrom als zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung identifiziert werden [1]. In Deutschland sind ca. 380.000 Menschen [2] von einer Parkinson-Erkrankung und ihren motorischen und nicht-motorischen Symptomen betroffen [3], [4]. Somit ergibt sich eine Prävalenz von 53,0 je 10.000 gesetzlich Krankenversicherte [2]. Für Betroffene mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) geht die Erkrankung mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und des Gesundheitszustandes einher. Um die Versorgung von Patient:innen in der Metropolregion Rhein-Neckar zu verbessern, wurde das multiprofessionelle „Parkinsonnetz RheinNeckar+“ (PNRN+) gegründet. Ziel der Studie ist es, die regionale Versorgungssituation von Menschen mit IPS in der Rhein-Neckar-Region zu erfassen. Es soll ermittelt werden, wie sich der Gesundheitszustand und die Lebensqualität der Betroffenen in der Region darstellen und welche medizinischen und nicht-medizinischen Versorgungsleistungen in Anspruch genommen werden. Ebenso wird untersucht, wie Angehörige von Parkinson-Betroffenen ihre Belastung wahrnehmen.
Methode: In der Studie wurde in einer Querschnittserhebung zwischen Oktober 2023 und April 2024 der Gesundheitszustand (WHODAS 2.0), die Lebensqualität (PDQ-39) und die Inanspruchnahme medizinischer und nicht-medizinischer Leistungen (FIMA) erfasst. Die Belastung der Angehörigen wurde mit dem PDCB erhoben. Für die deskriptive Analyse der Daten werden unter anderem Häufigkeiten oder Mittelwerte, sowie Standardabweichungen und Spannweiten gebildet. Bivariate Verfahren werden angewendet, um Zusammenhänge zwischen Variablen zu identifizieren.
Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Einreichung des Abstracts ist die Dateneingabe noch nicht vollständig abgeschlossen. Es liegen 134 Datensätze der Betroffenen und 118 Datensätze der Angehörigen vor (Stand 30.04.2024). Erste deskriptive Analysen zeigen eine Verteilung von 62,4% männlichen und 37,6% weiblichen Betroffenen mit einem durchschnittlichen Alter von 71,4 Jahren (SD=8,6). Der PDQ-39 Summenscore erreicht einen Mittelwert von 33,6 (SD=15,9), wobei ein Wert von 100 einer schlechteren Lebensqualität entspricht. Der höchste durchschnittliche Score mit 42,0 (SD=26,8) liegt in der Dimension „Mobilität“ vor. Der Gesamtscore des WHODAS 2.0 weist einen Mittelwert von 33,5 (SD=19,3) auf, wobei in den Dimensionen „Mobilität“ (MW = 41,0, SD=24,8) und „gesellschaftliche Interaktionen“ (MW=42,8, SD=20,5) die höchsten Einschränkungen aufzeigt. Der FIMA verdeutlicht, dass 88,8% der Patient:innen in den letzten 3 Monaten durchschnittlich 2,0-mal (SD=2,0) Neurolog:innen aufgesucht und 82,1% der Betroffenen durchschnittlich 16,9 Physiotherapie-Termine (SD=9,1) beansprucht haben.
Schlussfolgerung: Da die finalen Analysen der Daten zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht möglich sind, kommt es hier zu Vermutungen. Binder et al. 2018 [5] haben in einer Querschnittserhebung unter Parkinson-Betroffenen aufgezeigt, dass es in der Versorgung der IPS-Patient:innen deutschlandweit, z.B. bei der Physiotherapie, zu Versorgungslücken kommt. Die Ergebnisse dieser Befragung sollen den Versorgungsbedarf in der Rhein-Neckar-Region aufdecken, an denen das PNRN+ ansetzen kann. Langfristig soll das integrierte, multidisziplinäre Versorgungsnetzwerk zu positiven Effekten für die Betroffenen führen.
Interessenkonflikte: A Becker erklärt Honorare für Beratungen, Vorträge etc. von der „AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG“, der „STADA Arzneimittel AG“, der „Abbott GmbH“ und „Jung und Parkinson. Die Selbsthilfe e.V.“ erhalten zu haben.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
Literatur
- 1.
- Ascherio A, Schwarzschild MA. The epidemiology of Parkinson’s disease: risk factors and prevention. Lancet Neurol. 2016 Nov;15(12):1257-1272. DOI: 10.1016/S1474-4422(16)30230-7
- 2.
- Dammertz L, Holstiege J, Ng F, Kohring C, Heuer J, Akmatov MK, et al. Morbus Parkinson in der vertragsärztlichen Versorgung – Regionale Unterschiede der Diagnoseprävalenz und Komorbiditätsanalysen anhand bundesweiter Abrechnungsdaten im Zeitraum 2010 bis 2019. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 22/01. Berlin 2022. DOI: 10.20364/VA-22.01
- 3.
- Parkinson J. An essay on the shaking palsy. 1817. J Neuropsychiatry Clin Neurosci. 2002 Spring;14(2):223-36; discussion 222. DOI: 10.1176/jnp.14.2.223
- 4.
- Chaudhuri KR, Yates L, Martinez-Martin P. The non-motor symptom complex of Parkinson's disease: a comprehensive assessment is essential. Curr Neurol Neurosci Rep. 2005 Jul;5(4):275-83. DOI: 10.1007/s11910-005-0072-6
- 5.
- Binder S, Groppa S, Woitalla D, Müller T, Wellach I, Klucken J, et al. Patientenperspektive auf die Versorgungssituation im Krankheitsbild Morbus Parkinson in Deutschland - eine Querschnittserhebung. Aktuelle Neurologie. 2018 Jul 9;45(10):703-713. DOI: 10.1055/a-0624-1671
