gms | German Medical Science

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Einschränkungen in Aktivtäten des täglichen Lebens bei älteren Menschen mit ausgewählten Staatsangehörigkeiten. Ergebnisse der Studie GEDA Fokus

Meeting Abstract

  • Carmen Koschollek - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Germany
  • Beate Gaertner - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Germany; Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Berlin, Germany
  • Susanne Bartig - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Germany; Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie, Berlin, Germany
  • Judith Fuchs - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Germany
  • Claudia Hövener - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 270

doi: 10.3205/24gmds423, urn:nbn:de:0183-24gmds4230

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Koschollek et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Hintergrund: Im Zuge des demographischen Wandels altert die Bevölkerung, zugleich wird die alternde Bevölkerung diverser. 2022 hatte jede siebte in Deutschland lebende Person ab 55 Jahren eine eigene Zuwanderungsgeschichte (14,2%). Häufig geht das Älterwerden mit einer Reihe gesundheitlicher Herausforderungen einher, die zu einer Zunahme von Einschränkungen im Alltag führen können. Entsprechend nehmen auch Hilfs- und Pflegebedarfe zu. In Deutschland wurde dies bisher primär für ältere Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte oder (Spät-)Aussiedler:innen untersucht. Der Beitrag erweitert die Analysen zum aktuellen Hilfs- und Unterstützungsbedarf auf hierzulande lebende ältere Menschen mit fünf ausgewählten Staatsangehörigkeiten.

Methoden: Die Analyse erfolgte anhand von Daten der mehrsprachigen, multimodalen Befragungsstudie GEDA Fokus (11/2021-05/2022; Einwohnermeldeamtsstichprobe) unter Menschen mit italienischer, kroatischer, polnischer, syrischer oder türkischer Staatsangehörigkeit im Alter von 55 bis 79 Jahren (n=1.089, 45,7% Frauen). Analysiert wurden Einschränkungen in fünf basalen (ADL; z.B. „Essen oder Trinken“, „Toilettenbenutzung“) und sieben instrumentellen (IADL; z.B. „Mahlzeiten zubereiten“, „Einkäufe erledigen“) Aktivitäten des täglichen Lebens. Eine Einschränkung in ADL bzw. IADL wurde angenommen, wenn mindestens einmal „einige“ bzw. „große Schwierigkeiten“ genannt wurden oder wenn die Ausübung „nicht möglich“ war. Mittels Poisson-Regression, adjustiert für Staatsangehörigkeit nach Einwohnermeldeamt, wurden Unterschiede im Vorliegen von Einschränkungen in ADL bzw. IADL nach Geschlecht, Alter und Bildung ermittelt. Für Personen mit Einschränkungen wurde zusätzlich der Erhalt von Hilfe und Unterstützung betrachtet.

Ergebnisse: Insgesamt berichteten 23,2% der Teilnehmenden von einigen oder großen Einschränkungen in ADL und 36,4% in IADL. Die häufigste ADL-Einschränkung bestand beim An- und Ausziehen (17,9%), die häufigste in IADL beim gelegentlichen Erledigen schwerer Hausarbeit (27,9%). Höheres Alter (65-79 Jahre) sowie mittlere und niedrige Bildung waren mit der häufigeren Angabe von Einschränkungen assoziiert, IADL zusätzlich mit dem weiblichen Geschlecht. Bei Einschränkungen in ADL erhielten 44,8% bei mindestens einer Aktivität Hilfe; die Mehrheit (80,5%) durch Personen aus dem Haushalt und 14,0% durch einen ambulanten Pflegedienst. Bei Einschränkungen in IADL erhielten 60,4% Hilfe, auch hier die Mehrheit von Personen aus dem Haushalt (80,3%) und lediglich 5,4% von einem ambulanten Pflegedienst.

Diskussion: In einer großen bundesweiten Stichprobe von Menschen ausgewählter Staatsangehörigkeiten zeigt sich, dass zwischen 55 und 79 Jahren ca. jede vierte Person von ADL- und ca. jede dritte Person von IADL-Einschränkungen betroffen ist. Diese Raten sind damit niedriger als Vergleichsdaten der in Deutschland lebenden gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung (GEDA 2019/2020-EHIS: Einschränkungen in ADL 38,5% und in IADL 59,9%). Darüber hinaus zeigen sich vergleichbare Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Bildung in ADL- bzw. IADL-Einschränkungen. Hilfe erhielten Teilnehmende an GEDA 2019/2020-EHIS hingegen seltener (ADL: 27,5%; IADL: 55,4%). Hinsichtlich der Art der Unterstützung bestätigen die Ergebnisse die aus der Literatur bekannten Befunde, dass sie mehrheitlich durch Personen aus dem eigenen Haushalt erfolgt. Perspektivisch eröffnet sich damit ein wichtiges Forschungsfeld bezüglich möglicher Belastungen pflegender Angehöriger mit Migrationsgeschichte.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.