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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Anforderungen an die Gestaltung der Wohnumgebung und aktive Mobilität – Entscheidungsbaumanalysen zur Identifizierung relevanter Subgruppen älterer Erwachsener in der Metropolregion Bremen-Oldenburg

Meeting Abstract

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  • Sophie Horstmann - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Abteilung Sozialepidemiologie, Bremen, Germany
  • Sabine Baumgart - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Abteilung Sozialepidemiologie, Bremen, Germany
  • Gabriele Bolte - Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Abteilung Sozialepidemiologie, Bremen, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 209

doi: 10.3205/24gmds422, urn:nbn:de:0183-24gmds4223

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Horstmann et al.
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Gliederung

Text

Körperliche Aktivität ist bedeutend für ein gesundes und aktives Altern. Aktive Mobilität, das heißt das Zufußgehen und Radfahren zu Alltagszielen, ist hierbei eine einfache Möglichkeit, um körperliche Aktivität in das tägliche Leben zu integrieren [1]. Studien zeigten, dass die Gestaltung der Wohnumgebung maßgeblich beeinflusst, ob und in welchem Umfang ältere Menschen aktiv mobil sind [1], [2]. Allerdings werden ältere Menschen in diesen Zusammenhang häufig als homogene Gruppe mit einheitlichen Bedürfnissen behandelt und somit die große Heterogenität innerhalb der Mitglieder dieser Gruppe in Bezug auf ihre Gesundheit, ihre soziodemographischen Charakteristika und ihre gesammelten Erfahrungen übersehen [3]. Diese Heterogenität zeigt sich auch in Bewegungsmustern, den genutzten Fortbewegungsmethoden und den Präferenzen in Bezug auf die Gestaltung der Wohnumgebung [4]. Eine alternsgerechte und bewegungsfördernde Stadtplanung, die möglichst viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen erreicht, erfordert somit die Identifikation dieser unterschiedlichen Bedarfe auch über die üblicherweise einbezogenen demographischen Daten der amtlichen Statistik hinausgehend.

Mit dem Ziel, die Bedarfe an die Gestaltung der Wohnumgebung von unterschiedlichen Subgruppen zu identifizieren, wurden die Daten von 2148 Teilnehmenden, 47% Frauen und 53% Männer im Alter von 65 bis 99 Jahren, des Forschungsprojektes „Alternd zu Fuß oder mit Fahrrad – urban mobil ohne Stress“ (AFOOT) genutzt. Im Rahmen einer Querschnittserhebung wurden hier ältere Erwachsene aus Klein- und Mittelstädten der Metropolregion Bremen-Oldenburg zum Zufußgehen, Radfahren und ihrer Wohnumgebung befragt [2]. Für die aktuellen Analysen wurden Entscheidungsbäume genutzt, um die Teilnehmenden anhand der Häufigkeit, mit der sie verschiedene Transportmittel zur Erreichung von Alltagszielen nutzen, in Subgruppen zu unterteilen. Für jede der identifizierten Subgruppen wurden im Anschluss die Bedarfe an die Gestaltung der Wohnumgebung und Gründe für die Wahl der Fortbewegungsmethode ermittelt.

Es konnten insgesamt acht unterschiedliche Subgruppen identifiziert werden, die sich deutlich in Bezug auf die Häufigkeit unterscheiden, mit der sie verschiedene Transportmöglichkeiten nutzen. Als wichtige Variablen zur Bildung der Subgruppen zeigten sich hierbei neben der Vielfalt von Alltagszielen in der Wohnumgebung, Mobilitätseinschränkungen, der Gesundheitszustand und das Geschlecht der Teilnehmenden. Die identifizierten Gruppen wiesen Unterschiede in ihrer Einschätzung der Bedeutung verschiedener Eigenschaften der Wohnumgebung sowie der Gründe auf, die sie in der Wahl ihrer Fortbewegungsmethode beeinflussen. So zeigten Frauen mit Mobilitätseinschränkungen einen großen Bedarf nach Sicherheit in Bezug auf Verkehr, Kriminalität und vor Stürzen. Sowohl Männer als auch Frauen mit Einschränkungen in ihrer Mobilität bewerteten eine kurze und vorhersehbare Dauer zur Bewältigung der Strecken als wichtig für die Wahl der Fortbewegungsmethode.

Solche Analysen können zu einer alternsgerechten Gestaltung von Städten beitragen. Untersuchungen zu subgruppenspezifischen Anforderungen unterstützen die frühzeitige Berücksichtigung verschiedener Bedarfe und erreichen hierbei potenziell auch vulnerable Gruppen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Nguyen LM, Mertens L. Psychosocial and Social Environmental Factors as Moderators in the Relation between the Objective Environment and Older Adults’ Active Transport. Int J Environ Res Public Health. 2021;18(5):2647.
2.
Brüchert T, Hasselder P, Quentin P, Bolte G. Walking for Transport among Older Adults: A Cross-Sectional Study on the Role of the Built Environment in Less Densely Populated Areas in Northern Germany. Int J Environ Res Public Health. 2020;17(24):9479.
3.
Weßel M. Feminist approach to geriatric care: comprehensive geriatric assessment, diversity and intersectionality. Med Health Care Philos. 2022;25(1):87–97.
4.
Oxley J, Whelan M. It Cannot Be All about Safety: The Benefits of Prolonged Mobility. Traffic Inj Prev. 2008;9(4):367–78.