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Grüne und Blaue Landschaften: Entwicklung einer Methode zur Bewertung des gesundheitlichen Potentials unterschiedlicher Landschaftsräume
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| Veröffentlicht: | 6. September 2024 |
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Einleitung: Aufenthalte in der Natur, insbesondere im Wald oder am Wasser, haben vielfältige positive Wirkungen auf die menschliche Gesundheit. Viele Kommunen oder Gesundheitseinrichtungen sind deshalb daran interessiert, Grüne und Blaue Landschaftsräume für eine gesundheitliche Nutzung zu erschließen und präventive, rehabilitative oder therapeutische Programme für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Für die Entwicklung spezifischer Gesundheitsangebote ist es wesentlich, das Gesundheitspotential der vorhandenen Landschaft zu kennen. Im Rahmen eines EU-INTEREG-Projekts (BA0100027) der PMU Salzburg und LMU München wurde eine Bewertungsmethode erarbeitet, die das Gesundheitspotential unterschiedlicher Landschaftsräume anhand der wesentlichen Einflussfaktoren qualitativ erfasst. In diesem Beitrag wird das methodische Vorgehen zur Entwicklung dieser Bewertungsmethode dargestellt.
Methodik: In dem mehrstufigen Bewertungsverfahren wurden zunächst die wesentlichen Einflussfaktoren mit einer positiven Wirkung auf die menschliche Gesundheit aus der Literatur abgeleitet und in vier unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Darauf aufbauend wurden anhand von Literaturrecherchen und den Ergebnissen eines vorangegangenen Forschungsprojektes jeder Kategorie die wesentlichen Bewertungskriterien zugeordnet. Die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung in Bayern und Österreich (2360 Teilnehmer) bestätigten die getroffene Auswahl der Kriterien. Für jedes Kriterium wurde eine dreistufige Bewertungsskala erstellt, die einen geringen, mäßigen oder hohen Wert beschreibt. Abschließend kann der Gesamtwert für jede Kategorie ermittelt werden. Mithilfe dieser Bewertungsmatrix wurde das gesundheitsförderliche Potential ausgewählter Landschaftsräume in drei Projektgemeinden beurteilt. Darüber hinaus wurde auf vorhandene Konflikte hingewiesen und die Eignung für unterschiedliche Zielgruppen erfasst.
Ergebnisse: Die vier Kategorien, die die wesentlichen Einflussfaktoren auf das Gesundheitspotential eines Landschaftsraums abbilden, sind das „Vorkommen von Wald“, das „Vorhandensein von Wasser“, der „Erlebniswert des Landschaftsraums“ sowie „Allgemeine Gesundheitsfaktoren“. Die Kategorie „Wald“ wird anhand der Kriterien (1) vorhandenes Waldbild, (2) Kronenschluss/Waldklima, (3) Betretbarkeit des Waldareals sowie (4) Vorkommen von biogenen volatilen Kohlenwasserstoff-verbindungen bewertet. Zur Beschreibung des Gesundheitspotentials der Kategorie „Wasser“ werden als Kriterien (1) das Erscheinungsbild des Gewässers, (2) das Vorkommen von Ufervegetation und (3) die Erlebbarkeit (Zugänglichkeit) des Gewässers herangezogen. Der „Erlebniswert“ (3. Kategorie) wird über die Kriterien (1) Topografie, (2) das Vorkommen von Highlights sowie (3) die allgemeine Strukturvielfalt im Landschaftsraum ermittelt. Die „Allgemeinen Gesundheitsfaktoren“ werden anhand der Kriterien (1) Ruhe im Landschaftsraum, (2) Vorkommen von Gesundheits-Infrastruktur und (3) anhand der Ausprägung spezieller klimatischer Faktoren vergleichend bewertet. Die jeweilige dreistufige Bewertungsskala erlaubt eine grobe qualitative Erfassung des „Wertes“ der einzelnen Kriterien. Eine zusammenfassende Bewertungsskala ermöglicht die Bildung eines Gesamtwerts für jeden Einflussfaktor.
Zur Erprobung der Bewertungsmethode wurde diese in drei unterschiedlichen Gemeinden umgesetzt. Dabei wurden innerhalb der Gemeindegebiete verschiedene, in sich möglichst homogene Landschaftsräume nach topografischen und nutzungsbedingten Gegebenheiten zusammengefasst, vor Ort untersucht und anhand der entwickelten Methode vergleichend bewertet.
Schlussfolgerung: Die vorgestellte Bewertungsmethode ist geeignet, um das Gesundheitspotential einer Landschaft auf Gemeindeebene zu analysieren. Anhand der Bewertungsergebnisse können Karten erstellt werden, die das Gesundheits-potential unterschiedlicher Gemeindebereiche detailliert abbilden und zusätzlich auf Konflikte und Zielgruppen hinweisen. So ist es möglich, Stärken und Schwächen zu erkennen und gezielt Gesundheitsangebote für unterschiedliche Zielgruppen in den dafür am besten geeigneten Bereichen zu entwickeln. Darüber hinaus können Vorschläge bzw. Maßnahmen abgeleitet werden, mit denen das Gesundheitspotential der vorhandenen Landschaft weiter erhöht werden kann.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
