gms | German Medical Science

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Wie verhält sich die Schrittanzahl von Krebsbetroffenen über 30 Tage im Rahmen des regionalen Informations- und Aktivitätsprogramms „UTA – Unterwegs trotz alledem“?

Meeting Abstract

  • Antje Ullrich - Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Germany
  • Sabine Felser - Universitätsmedizin Rostock, Medizinische Klinik III -Hämatologie, Onkologie, Palliativmedizin, Rostock, Germany
  • Christian Junghanss - Universitätsmedizin Rostock, Medizinische Klinik III -Hämatologie, Onkologie, Palliativmedizin, Rostock, Germany
  • Gunthard Kissinger - Selbsthilfenetzwerk Kopf-Hals-M.U.N.D.-Krebs e. V., Bonn, Germany
  • Ute Kalinowski - Rostocker Selbsthilfegruppe für Tumor im Mund, Kiefer, Gesicht und Hals, Rostock, Germany
  • Sabina Ulbricht - Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 913

doi: 10.3205/24gmds369, urn:nbn:de:0183-24gmds3695

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Ullrich et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Hintergrund: Jährlich erkranken in Deutschland über 13.000 Personen an Kopf-Hals-Tumoren. Tumorlage und Therapien verursachen häufig chronische Folgeerscheinungen, die eine langfristigen Versorgung bedürfen. Interventionelle Ansätze zur Förderung von körperlicher Aktivität (kA) sind positiv mit der physischen und psychischen Gesundheit sowie Lebensqualität assoziiert. Obwohl die Evidenzlage robust erscheint, ist die Teilnahme an entsprechenden Programmen gering und der Alltag der Betroffenen häufig geprägt von einem geringen Ausmaß an kA und hohen Sitzzeiten. Im Rahmen eines regionalen Informations- und Aktionsprogramms („UTA“), organisiert vom Selbsthilfenetzwerk Kopf-Hals-M.U.N.D.-Krebs e. V., wurden folgende Ziele verfolgt: (i) Förderung der kA von Erwachsenen mit und ohne Krebs während eines 30-tägigen Aktionsmonats (=Inklusion) und (ii) Edukation der Bevölkerung, Betroffener sowie Angehöriger über Ursachen und Folgen von Kopf-Hals-Tumoren. Das Ziel dieser Studie ist es, deskriptive Ergebnisse der teilnehmenden Krebsbetroffenen, unabhängig der Entität, darzustellen und die Verläufe der Schrittanzahl über 30 Tage systematisch zu untersuchen.

Methode: Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über verschiedene Kommunikationskanäle wie Selbsthilfegruppen oder soziale Medien. Informationsveranstaltungen begleitet von verschiedenen kA-Angeboten (z. B. Wandern, Radfahren) wurden an verschiedenen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern im Juni 2023 durchgeführt. Begleitend zum Programm des Pilotprojekts „UTA“ wurde ein überregionales Aktivitätstagebuch an Interessierte ausgegeben. Die kA wurde durch das Tragen eines Pedometers zur objektiven Erfassung der Schrittzahl erhoben und von den Teilnehmenden dokumentiert. Weitere soziodemografische Merkmale wurden im Selbstbericht erhoben. Die Analyse der inter- und intraindividuellen Verläufe der Schrittanzahl über die Zeit wurde mit Hilfe eines linearen Mixed-Effects-Modells adjustiert nach Alter, Geschlecht und Schulabschluss berechnet.

Ergebnisse: Von 102 verschickten Tagebüchern wurden 54 (53%) zurückgesendet. 39 Personen (74%) gaben an, dass sie an Krebs erkrankt sind; davon 29 (76%) an einem Kopf-Hals-Tumor. Zwei Personen wurden für die weitere Analyse ausgeschlossen, da sie keine Angaben zur Schrittanzahl aufwiesen. Von den verbliebenen 37 Krebsbetroffenen (Alter: M=62,6 Jahre; SD=8,1) waren 68% Frauen, 70% hatten einen Schulabschluss über 10 Jahren, 66% lebten in einer Partnerschaft und 65% waren Rentner:innen. Im Beobachtungszeitraum wiesen die Teilnehmenden im Mittel 8.511,3 Schritte (SD: 3.085,4) auf. Ergebnisse der linearen Mixed-Effects-Modellierung der Verläufe über die Zeit zeigten mehrheitlich keine signifikanten systematischen Unterschiede von Tag zu Tag; mit Ausnahme einer signifikanten Abnahme der Schrittanzahl von Tag 3 zu Tag 4 (Coef: -1.767,3; 95%CI: -3.361,7;-172,8) und Tag 16 zu Tag 17 (Coef.: -1.744,4; 95%CI: -3.372,7; -116,0). Inter- und intraindividuelle Variabilität leisten ein Beitrag an den Ergebnissen.

Diskussion: Im Rahmen eines regionalen Informations- und Aktivitätsprogramms konnten Personen mit und ohne Krebserkrankung zum Ausfüllen eines überregionalen Aktivitätstagebuchs motiviert werden, wobei hauptsächlich weibliche Krebsbetroffene mit höherem Bildungsstand im Rentenalter erreicht wurden. Die durchschnittliche Schrittanzahl der Teilnehmenden im Erhebungszeitraum erscheint im Vergleich zu Daten aus der Allgemeinbevölkerung und Krebsbetroffener als hoch. Inwiefern die Motivation zur kA und das Bewegungsverhalten im Rahmen eines Aktivitätsprogramms auch über einen längeren Zeitraum im Alltag aufrechterhalten werden kann, sollte Fokus weiterer Forschung sein. Darüber hinaus scheint es „sensible“ Tage im zeitlichen Verlauf (zu Beginn und nach ca. der Hälfte des Aktionsmonats) zu geben, an denen die Schrittanzahl kurzfristig abnimmt. Motivierende Erinnerungen („Reminder“) könnten ggf. Optimierungsoptionen für zukünftige Projekte dieser Art darstellen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.