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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Ergebnisse eines Scoping Reviews zu Wirkungen der Beteiligung und Partizipation von Bürger:innen in Erkenntnisprozessen der integrierten kommunalen Gesundheitsförderung

Meeting Abstract

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  • Susanne Hartung - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany
  • Stefanie Houwaart - Hochschule Neubrandenburg, Neubrandenburg, Germany
  • Ina Schaefer - Alice Salomon Hochschule Berlin, Berlin, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 741

doi: 10.3205/24gmds303, urn:nbn:de:0183-24gmds3030

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Hartung et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Einleitung: In der Gesundheitsförderung und Prävention sind Partizipation und Beteiligung anerkannte Anforderungen für gelingende Prozesse. Partizipation ist im Präventionsgesetz verankert und ein wichtiges Qualitätskriterium soziallagenbezogener Gesundheitsförderung. Die förderlichen und hinderlichen Bedingungen für die Partizipation von Zielgruppen, Ansprache und Formate für Beteiligung sowie Wirkungen untersucht die Partizipative Gesundheitsforschung [1]. Basierend auf dem Verständnis von Partizipation in der Partizipativen Gesundheitsforschung [2] wurde mittels eines Scoping Reviews die Frage untersucht, welche Veränderungen im Sinne von Wirkungen im Feld der kommunalen Gesundheitsförderung durch Beteiligung und Partizipation von Bürger:innen (Zielgruppen und (Schlüssel-)Akteuren) in der Literatur beschrieben werden. Dazu wurde ein Analyseraster der Wirkungen von Partizipation in Erkenntnisprozessen kommunaler Gesundheitsförderung erarbeitet. Dieses basiert zum einen auf dem Modell für Partizipative Gesundheitsforschung [3], in dem zwischen kurz-/mittelfristigen (individueller, gruppenbezogener und organisational-struktureller Ebene) und langfristigen Wirkungen (systemischer Ebene) partizipativer Forschung unterschieden wird. Zum anderen wurde die Wirkungsdifferenzierung der Phineo-Wirkungstreppe [4] aufgenommen und für die Verhältnisebene ergänzt.

Methoden: Die systematische Literaturrecherche (Juni bis Oktober 2023) in vier Datenbanken (PubMed, PsycINFO, LIVIVO und Web of Science), ergänzt durch eine umfassende Handrecherche. Die Ergebnisse sind anhand des PRISMA-Flussdiagramms dargestellt [5]. Ausgehend von 1277 Treffern aus der Datenbank- und Handrecherche wurden 34 Volltexte analysiert, die sich insgesamt drei Forschungsverbünden und ihren Teilprojekten sowie sieben weiteren Forschungsprojekten zuordnen ließen. Ergänzend wurden 17 internationale Publikationen gesichtet. Die Publikationen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse in MAXQDA ausgewertet. Die Ergebnisse wurden in Tabellen und narrativen Beschreibungen zusammenfassend und für die recherchierten Projekte einzeln dargestellt.

Ergebnisse: Die eingeschlossenen Studien bilden partizipative Forschungsprojekte in verschiedenen Handlungsfeldern der Prävention und Gesundheitsförderung im kommunalen Setting ab und können auf einzelne Glieder der Präventionskette bezogen werden. Der Großteil der beschriebenen Wirkungen, die überwiegend qualitativ erhoben wurden, bezieht sich auf Bewusstsein/ Fähigkeiten sowie auf strukturelle Veränderungen auf der Ebene der direkt an Erkenntnisprozessen Beteiligten (Bürger:innen, Fachkräfte aus Praxiseinrichtungen und Verwaltung). Die beschriebenen Veränderungen im Handeln der direkt beteiligten Bürger:innen beziehen sich größtenteils auf die Umsetzung der neuen Kompetenzen. Die Veränderungen in den Verhältnissen und Strukturen auf kommunaler Ebene sind oft Konsequenzen aus den Veränderungen im Bewusstsein und Handeln der Praktiker:innen und Verwaltungsfachkräfte. Wirkungen auf die Stärkung bzw. den Aufbau von Netzwerken wurden vielfältig gezeigt. Nur wenige der recherchierten Projekte beschreiben Veränderungen auf der gruppenbezogenen Ebene der nicht direkt Beteiligten sowie auf der organisational-strukturellen Ebene. In den analysierten Publikationen wurden keine Wirkungen aufgezeigt, die der langfristigen systemischen Ebene zugeordnet werden können.

Schlussfolgerungen: Die Handlungsempfehlungen sind an die Forschungsförderung, nationale Akteure sowie an die kommunale Ebene der Gesundheitsförderung und Prävention adressiert. Zentral dafür ist das Ergebnis, dass je breiter die angesprochene Ebene im Sinne von direkt und indirekt Beteiligten verschiedener Gruppen ist, desto weniger wurde über Veränderungen berichtet. Im Wesentlichen konnte nur von den langfristig angelegten Forschungsverbünden, die teilweise direkt mit dem Ansatz der Partizipativen Gesundheitsforschung arbeiteten, Wirkungen gezeigt werden, die über die Ebene der direkt Beteiligten hinausgehen. Für die Schließung der Erkenntnislücken zu Wirkungen der Partizipation von Bürger:innen in integrierten kommunalen Strategien der Gesundheitsförderung sind insbesondere langfristig angelegte Evaluationen und Forschung notwendig.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Hartung S, Wihofszky P, Wright MT. Partizipative Forschung: Ein Forschungsansatz für Gesundheit und seine Methoden. Wiesbaden, Heidelberg: Springer VS; 2020. (Research).
2.
PartNet – Netzwerk Partizipative Gesundheitsforschung. Partizipative Gesundheitsforschung – eine Definition. 2015. Available from: http://partnet-gesundheit.de/ueber-uns/partnet-definition/ Externer Link
3.
Schaefer I, Allweiss T, Dresen A, Amort FM, Wright MT, Krieger T. PartNet-Methodenpapier: Modell für Partizipative Gesundheitsforschung (PGF-Modell). 2022. (PartNet Perspektiven. Beiträge zur partizipativen Forschung; 02/2022). DOI: 10.17883/2762 Externer Link
4.
PHINEO. Kursbuch Wirkungen – Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen. 6. Aufl. Berlin: PHINEO gemeinnützige AG; 2021.
5.
Ziegler A, Antes G, König I. Bevorzugte Report Items für systematische Übersichten und Meta-Analysen: Das PRISMA-Statement. Dtsch Med Wochenschr. 2011;136(08):e9-e15. DOI: 10.1055/s-0031-1272978 Externer Link