gms | German Medical Science

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Kommunale Gesundheitskompetenz und kommunale Kapazitätsentwicklung – Ergebnisse der CTC-EFF-Studie zur Ausprägung kommunaler Kapazität für Prävention und Gesundheitsförderung (PGF) in Deutschland

Meeting Abstract

  • Isabell von Holt - Medizinische Hochschule Hannover - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Germany
  • Dominik Röding - Medizinische Hochschule Hannover - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Germany
  • Lea Decker - Medizinische Hochschule Hannover - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Germany
  • Sibel Ünlü - Medizinische Hochschule Hannover - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Germany
  • Ulla Walter - Medizinische Hochschule Hannover - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 718

doi: 10.3205/24gmds302, urn:nbn:de:0183-24gmds3024

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 von Holt et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Hintergrund: Aus Sicht kritischer Gesundheitskompetenz (KGK) sollten Kommunen die notwendige Kapazität haben, um vor Ort die gesellschaftlichen Determinanten der Gesundheit zu gestalten [1]. KGK ist eng mit dem Konzept der kommunalen Kapazitätsentwicklung (engl. Capacity Building) verwoben. Dieses zielt darauf ab, Kommunen zu befähigen, sich selbst zu organisieren, zu mobilisieren und zu koordinieren, um präventive Maßnahmen zu implementieren und gesundheitliche Probleme oder soziale Herausforderungen in der Kommune zu adressieren. Dabei umfasst Capacity Building den Aufbau von Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen innerhalb einer Kommune, um PGF-Maßnahmen erfolgreich umzusetzen und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Obwohl sich in der kommunalen PGF zunehmend Ansätze zur Kapazitätsentwicklung z. B. in Form von Präventionsketten oder dem weltweiten Programm Communities That Care (CTC) verbreiten, sind diese in Deutschland noch kaum erforscht. Der Beitrag geht der Frage nach, wie verschiedene Facetten kommunaler Kapazität für PGF in ausgewählten deutschen Städten und Gemeinden ausgeprägt sind und ob die COVID-Pandemie die kommunale PGF beeinflusste.

Methoden: Die von 4/2020 bis 12/2023 BMBF-geförderte CTC-EFF-Studie [2], [3] ist eine konzeptuelle Replikationsstudie der Community Youth Development Study (CYDS) [4]. Für diese nicht-randomisierte cluster-kontrollierte Studie wurden zu Studienbeginn je 21 CTC- und a-priori gematchte Vergleichskommunen aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz rekrutiert. Aufgrund hoher und selektiver Drop-outs wurde das 1:1-Matching der Kommunen ex-post aufgehoben. Datenbasis für diese Analyse ist die von 06/2023 bis 12/2023 durchgeführte zweite Welle einer Befragung kommunaler Schlüsselpersonen (z. B. Bürgermeister:innen, Schulleitungen, Jugendhilfeeinrichtungen). Mittels telefonischer und Onlinebefragungen wurden Daten zu den lokalen Rahmenbedingungen und der kommunalen Kapazität für PGF erhoben. Das verwendete Erhebungsinstrument wurde von der CYDS entwickelt und im Rahmen der CTC-EFF-Studie für Deutschland übersetzt, adaptiert und validiert [5]. Die Daten wurden deskriptiv analysiert.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 235 lokale Schlüsselpersonen aus 30 Städten und Gemeinden in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg an der Befragung teil. Kapazitätsaspekte, die in den meisten Kommunen ein gutes Level haben, sind Problemlösefähigkeit der Kommune, interorganisationaler Informationsaustausch sowie Rückhalt seitens der Bürger:innen. Defizite weisen Kommunen in der strategischen PGF-Planung, Verknüpfung und Koordination von PGF-Maßnahmen, Ressourcenausstattung, interorganisationales Teilen von Ressourcen, evidenzbasiertes Vorgehen sowie Öffentlichkeitsarbeit zu den lokalen Angeboten auf. Die Corona-Pandemie hatte in den meisten Kommunen einen großen Einfluss auf die PGF-Arbeit. Es finden sich Hinweise auf Nachholeffekte in der Umsetzung von PGF-Maßnahmen.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse offenbaren einige Stärken und viele Schwächen in der kommunalen Kapazität für PGF. Um die kritische Gesundheitskompetenz der Kommunen zu steigern, sollten wirksame Ansätze zur Kapazitätsentwicklung genutzt werden. Es sollte insbesondere der systematische Ausbau integrierter Gesamtstrategien kommunaler PGF in Deutschland gefördert werden. Die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ist limitiert, da die Ergebnisse nicht auf einem für Deutschland repräsentativen Kommunen-Sample basieren und sich inhaltlich auf den Bereich der PGF bei Heranwachsenden fokussieren. Es besteht daher weiterhin Forschungsbedarf zur untersuchten Thematik.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Nutbeam D. Health literacy as a public health goal: a challenge for contemporary health education and communication strategies into the 21st century. Health Promot Int. 2000;15:259–67. DOI: 10.1093/heapro/15.3.259 Externer Link
2.
Röding D, Soellner R, Reder M, Birgel V, Kleiner C, Stolz M, et al. Study protocol: a non-randomised community trial to evaluate the effectiveness of the communities that care prevention system in Germany. BMC Public Health. 2021;21:1927. DOI: 10.1186/s12889-021-11935-x Externer Link
3.
Röding D, Reder M, Soellner R, Birgel V, Stolz M, Groeger-Roth F, Walter U. Evaluation des wissenschaftsbasierten kommunalen Präventionssystems Communities That Care: Studiendesign und Baseline-Äquivalenz intermediärer Outcomes. Präv Gesundheitsf. 2023;18:316–26. DOI: 10.1007/s11553-022-00972-y Externer Link
4.
Hawkins JD, Catalano RF, Arthur MW, Egan E, Brown EC, Abbott RD, Murray DM. Testing Communities That Care: The Rationale, Design and Behavioral Baseline Equivalence of the Community Youth Development Study. Prev Sci. 2008;9:178–90. DOI: 10.1007/s11121-008-0092-y Externer Link
5.
Röding D, Birgel V, Walter U. Validation of an instrument to measure community capacity building for prevention. J Public Health (Berl.) 2023. DOI: 10.1007/s10389-023-01905-5 Externer Link