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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Wie kann die kommunale Bereitschaft zur Prävention von Kinderübergewicht gesteigert werden? Partizipative Entwicklung von Handlungsansätzen in bayerischen Kommunen

Meeting Abstract

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  • Maike Schröder - Universität Osnabrück, Abteilung New Public Health, Osnabrück, Germany; Hochschule Coburg, Fakultät Angewandte Naturwissenschaften und Gesundheit, Coburg, Germany; Pädagogische Hochschule Heidelberg, Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung, Heidelberg, Germany
  • Holger Hassel - Hochschule Coburg, Fakultät Angewandte Naturwissenschaften und Gesundheit, Coburg, Germany; Berliner Institut für Gesundheit und Soziales, Berlin, Germany
  • Birgit Babitsch - Universität Osnabrück, Abteilung New Public Health, Osnabrück, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 89

doi: 10.3205/24gmds299, urn:nbn:de:0183-24gmds2992

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Schröder et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Einleitung: Die hohe Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter weist darauf hin, dass Präventionsbemühungen bisher wenig erfolgsversprechend umgesetzt werden konnten [1], [2]. Ein Grund für das Scheitern von Präventionsmaßnahmen kann eine geringe oder fehlende Handlungsbereitschaft sein. Handlungsbereitschaft (Community Readiness, CR) beschreibt den Grad, zu dem eine Kommune bereit ist, ein Gesundheitsproblem aktiv anzugehen und wird nach dem Community Readiness Model (CRM) in den Dimensionen (i) Wissen über Bemühungen, (ii) Entscheidungstragende, (iii) Gemeinschaftsklima, (iv) Wissen über das Thema und (v) Ressourcen gemessen [3], [4]. Untersuchungen zeigen, dass die Handlungsbereitschaft zur Prävention von Kinderübergewicht in deutschen Kommunen gering ist [5]. Ziel dieser Arbeit ist es daher, Ansätze aufzuzeigen, wie die Handlungsbereitschaft zur Übergewichtsprävention aus kommunaler Sicht gesteigert werden könnte.

Methoden: In fünf bayerischen Kommunen wurde die CR für die Prävention von Kinderübergewicht nach dem CRM erhoben. Darauf aufbauend wurde in den Kommunen jeweils ein moderierter Workshop mit kommunalen Akteur*innen durchgeführt. Dabei wurden (1) die Ergebnisse der Bereitschaftsbewertung reflektiert, (2) daraus Ziele und Strategien zur Bereitschaftssteigerung für die beiden Dimensionen mit den niedrigsten Bereitschaftswerten abgeleitet und (3) eine SWOT-Analyse zur Positionsbestimmung der Kommune hinsichtlich ihrer Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken bezogen auf die Übergewichtsprävention durchgeführt. Die SWOT-Analysen wurden nach Pelz und Döring (2017) ausgewertet und für jede Kommune eine Matrix aus systematischen SWOT-Kombinationen gebildet. Sie stellen mit den Ergebnissen aus Schritt 2 die Grundlage für kommunale Ziele und Strategieansätze (Aktionsplan) zur Steigerung der Handlungsbereitschaft dar, die unter Berücksichtigung der Strategieempfehlungen des CRM für jede Kommune formuliert wurden. Zur Ergebnisdarstellung wurden sie zu kommunalen Handlungsansätzen zusammengefasst.

Ergebnisse: 35 kommunale Akteur*innen u.a. aus Gesundheits- und Verwaltungseinrichtungen, dem medizinischen Bereich, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen sowie (Sport-)Vereinen und Netzwerken nahmen an den Workshops teil. Zentrale Ziele der Kommunen zur Steigerung der Handlungsbereitschaft sind u.a. die Sensibilisierung von Entscheidungstragenden und Gemeinschaftsmitgliedern für die (lokale) Relevanz des Themas und die Wissensvermittlung über Präventionsmaßnahmen sowie die Ursachen und Folgen von Kinderübergewicht. Die zielgruppengerechte niederschwellige Informationsvermittlung (z.B. durch „Mitmach-Homepage“, Multiplikatoren-Konzept), die Gründung lokaler Arbeitsgruppen, die Beteiligung kommunaler Entscheider an Schul- oder Projektstunden sowie moderierte Gesprächsrunden (z.B. „Gemeinde-Picknick“) wurden hier als mögliche kommunale Handlungsstrategien erarbeitet. In den SWOT-Analysen wurde zudem herausgestellt, dass Kommunen häufig der Überblick zu lokalen Strukturen, Ressourcen und Bemühungen fehlt. Eine kommunale Handlungsstrategie ist hier die Durchführung einer Bestandsaufnahme, mit dem Ziel, lokale Maßnahmen, verfügbare Ressourcen, Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie Verantwortlichkeiten und Kooperationsmöglichkeiten strukturiert und transparent an zentraler Stelle (z.B. online Datenbank, Organigramme) bereitzustellen. Die Schnittstellensuche zu Themen, die kommunal bereits angegangen werden (z.B. Sucht- und Gewaltvorbeugung, Medienkonsum) und damit verbunden die Implementierung multidisziplinärer Maßnahmen, wurden zudem als Ansatzpunkte identifiziert, um Ressourcen zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen.

Schlussfolgerung: Durch die Workshops konnten lokale Akteur*innen aus verschiedenen kommunalen Bereichen für einen strukturierten Austausch zusammengebracht werden. Dabei wurden auf lokalen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken basierende Ziele und Strategien zur Steigerung der Handlungsbereitschaft in einem partizipativen Entwicklungsprozess formuliert. Für den Transfer in die Praxis wurden die Ergebnisse in Berichtsform aufbereitet und können so von den Kommunen als Grundlage zur weiteren Planung und Implementierung von Maßnahmen genutzt werden.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.


Literatur

1.
Pigeot I, Walter U. Unsere Kinder: Die Zukunft ist fett. Verlieren wir den Kampf gegen den Speck? Bundesgesundheitsbl. 2016;59:1369-1371.
2.
Babitsch B, Ciupitu-Platz CC. Adipositas bei Kindern und Jugendlichen – Prävalenz, Bedeutung und Implikationen für die Prävention und Gesundheitsförderung. In: Tiemann M, Mohokum M, editors. Prävention und Gesundheitsförderung. Springer-Verlag GmbH; 2021. p. 867-876.
3.
Edwards RW, Jumper-Thurman P, Plested BA, Oetting ER, Swanson L. Community Readiness: Research to Practice. Journal of Community Psychology. 2000;28:291-307.
4.
Stanley L. Community Readiness for Community Change. Tri-Ethnic Center Community Readiness Handbook. 2nd ed. Fort Collins: Tri-Ethnic Center for Prevention Research; 2014 [cited 2024 March 26]. Available from: https://tec.colostate.edu/wp-content/uploads/2018/04/CR_Handbook_8-3-15.pdf Externer Link
5.
Schröder M, Babitsch B, Hassel H. Assessing readiness for childhood obesity prevention in German municipalities: application of the community readiness model. Health Promotion International. 2023;38:1-12.