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Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH)

08.09. - 13.09.2024, Dresden

Einsatz von passiven Exoskeletten in der ambulanten Pflege. Eine Pilotstudie zur sozio-emotionalen und ethischen Betrachtung sowie möglichen Perspektiven für die Unternehmensentwicklung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft

Meeting Abstract

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  • Sascha Roder - Hochschule Bielefeld – University of Applied Sciences and Arts, Bielefeld, Germany
  • thomas Altenhöner - Hochschule Bielefeld – University of Applied Sciences and Arts, Bielefeld, Germany
  • Ellen Schack - v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Bielefeld, Germany

Gesundheit – gemeinsam. Kooperationstagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Dresden, 08.-13.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocAbstr. 83

doi: 10.3205/24gmds292, urn:nbn:de:0183-24gmds2925

Veröffentlicht: 6. September 2024

© 2024 Roder et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der berufliche Alltag von Pflegekräften ist in vielen Bereichen von häufigen länger andauernden körperlichen Belastungen geprägt. Damit in Verbindung steht ein häufigeres Auftreten von Muskel- und Skeletterkrankungen sowie erhöhte Fehlzeiten [1]. Aus dem auch in der Zukunft zu erwartenden Anstieg multimorbider und mobilitätsbeeinträchtigter Pflegebedürftiger bei einem gleichzeitig akut bestehenden Fachkräftemangel [2] resultiert ein dringender Handlungsbedarf. Der systematische Einsatz assistiver Unterstützungssysteme, zu denen passive Exoskelette gehören, könnte hierbei eine Möglichkeit zur Verbesserung der Pflegesituation bieten, mit denen Pflegekräfte befähigt werden könnten, bestimmte Tätigkeiten mit geringerem Risiko zu vollziehen. In vielen Fällen steht dem Einsatz von Technologien jedoch fehlendes Vertrauen in deren Funktionalität sowie keine passende Gebrauchstauglichkeit für den täglichen Einsatz gegenüber [3].

Methoden: Zwischen Januar und März 2024 wurden im Rahmen einer Pilotstudie fünf qualitative, leitfadenorientierte Interviews zum sozio-emotionalen Erleben der Nutzung passiver Exoskelette durch Pflegefachkräften an zwei Standorten eines ambulanten Pflegedienstes in Ostwestfalen geführt. Die Daten wurden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Erhebungen wurden über teilnehmende Beobachtungen in der Pflegesituation ergänzt.

Ergebnisse: Das Exoskelett wird mit der Vision eines „Metall-Menschen“ verbunden, der in der ambulanten Pflegesituation eine zweite Fachkraft ersetzen könnte. Zwei von fünf Pflegekräften berichteten von einem gesundheitlichen Nutzen über eine Reduktion von Schmerzsituationen durch eine Verbesserung der Aufrichtbewegung bzw. der Körper-Haltung in der Arbeit mit Patient*innen. Dennoch wird der regelmäßige Einsatz in der ambulanten Pflege skeptisch gesehen. Das An- und Ausziehen sowie Desinfizieren des Exoskeletts bei einer gleichzeitig engen Zeittaktung Setting ambulanter Pflege bildet dabei einen der Kritikpunkte. Ebenso führt ein fehlender Nutzen bei kurzen Pflegeinsätzen mit „einfachen“ Aufgabenstellungen wir Kathederwechsel, Blutzuckermessen oder Spritzen eher zu einer ablehnenden Haltung der Pflegefachkräfte gegenüber einem routinemäßigen Einsatz.

Schlussfolgerung: Die Verwendung von passiven Exoskeletten in ambulanten Pflegesituationen wird von dem Fachpersonal lediglich bei „schwierigen“, mit hohem Pflegeaufwand verbundenen Patient*innen als sinnvoll erachtet. Die kurzfristige Erleichterung von Schmerzsituationen im Rückenbereich werden durch den Einsatz der Unterstützungstechnologie bei den Fachkräften als positiv erlebt, insgesamt überwiegt aber der Zweifel, ob eine Alltags- und Gebrauchstauglichkeit für den untersuchten Bereich in ambulanten Versorgungssituationen gegeben ist. Für die systematische Einführung von passiven Exoskeletten in der ambulanten Pflege muss geklärt werden, ob mit dieser Technologie langfristig eine verbesserte gesundheitliche Situation bei Pflegefachkräften erreicht und gegebenenfalls für bestimmte Patient*innen auf eine zweite Hilfskraft verzichtet werden kann. Die Durchführung einer Langzeit-Studie mit passiven Exoskeletten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen der ambulanten und stationären Pflege könnte hierbei Perspektiven für mögliche Einsatzfelder und eine Steigerung der Akzeptanz bei den Pflegekräften aufzeigen.

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.


Literatur

1.
Fachinger U, Mähs M. Digitalisierung und Pflege. In: Klauber J, Geraedts M, Friedrich J, Wasem J, editors. Krankenhaus-Report 2019. Berlin, Heidelberg: Springer; 2019. p.115-128.
2.
Strube-Lahmann S, Müller F, Naumann B, Müller-Werdan U, Lahmann NA. Pilotierung eines aktiven Exoskelettes in der stationären Akut- und Langzeitpflege. Neurol Rehabil. 2023;29(1):56-61.
3.
Vetter M, Cerullo L. Die tatsächliche Nutzung digitaler Assistenzsysteme in der Altenpflege. Ein Scoping Review. In: Frommeld D, Scorna U, Haug S, Weber K, editors. Gute Technik für ein gutes Leben im Alter? Bielefeld: transcript; 2021. p. 161-184.