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Publikatorischer Niederschlag von Diplomarbeiten aus dem Medizinstudium an der Medizinischen Universität Wien
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| Veröffentlicht: | 30. Juli 2024 |
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Fragestellung/Zielsetzung: Wissenschaftliches Denken und Arbeiten sind akademische Schlüsselkompetenzen auf deren Erwerb in Medizinstudien besonderes Augenmerk gelegt wird [https://nklm.de/zend/menu]. Die Heranführung Medizinstudierender an wissenschaftliches Denken kann als Grundlage für die später von praktizierenden Ärzt*innen geforderte Fertigkeit des klinischen Denkens angesehen werden. Gleichzeitig sollen Medizinstudierende Einblick in die Generierung wissenschaftlicher Erkenntnisse erhalten und die Möglichkeit sich selbst am Erarbeiten derer zu beteiligen.
Um diesem Absolventenprofil gerecht zu werden haben seit der Implementierung der Studienreform im Jahr 2001 alle Medizinstudierenden in Österreich verpflichtend eine Diplomarbeit zu erstellen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Wissenschaftlichkeit der Abschlussarbeiten wurden an der Medizinischen Universität Wien entsprechende qualitätssichernde Maßnahmen etabliert.
Ziel dieser Studie war es in einem ersten Schritt zu untersuchen inwieweit Ergebnisse aus approbierten Diplomarbeiten der Medizinischen Universität Wien Eingang in wissenschaftliche Publikationen gefunden haben.
Methoden: In dieser retrospektiven, deskriptiven Studie wurde bei allen bis Ende September 2018 approbierten Diplomarbeiten überprüft, ob in Publikationsdatenbanken (PubMed und/oder OVID) eine themenkongruente Publikation unter der Autorenschaft von Diplomand*in und Hauptbetreuer*in auffindbar war.
Ergebnisse: Für 1668 der Abschlussarbeiten (27,71%) konnte eine themenkongruente Publikation in den Publikationsdatenbanken identifiziert werden. Bei 274 Publikationen (16,43%) hatte der/die Diplomand*in die Erstautor*innenschaft. 1732 (28,8%) der Diplomand*innen wählten Englisch als Sprache der Arbeit, wobei ein signifikanter Zusammenhang zwischen Sprache der Diplomarbeit und dem Vorliegen einer Publikation (χ2 (1, n=6018)=246,757, p<0,001) festgestellt wurde. Während Ergebnisse aus Diplomarbeiten in deutscher Sprache nur in 21,96% der Fälle Niederschlag in der wissenschaftlichen Literatur fanden, war dies bei englischsprachigen Arbeiten in 41,97% der Fall. Das höchstrangige Journal mit publizierten Daten aus einer Diplomarbeit war „Cell“ (IF aus dem Jahr der Publikation: 32,24).
Diskussion: Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein nennenswerter Anteil der Diplomarbeiten an der Medizinischen Universität Wien zu einem merklichen wissenschaftlichen Output führt. Das Erarbeiten einer Diplomarbeit ist somit ein wichtiges Instrument zur Heranführung der Studierenden zum wissenschaftlichen Arbeiten. Zur forschungsgeleiteten Optimierung des Curriculums zum wissenschaftlichen Arbeiten müssen Erfolgsfaktoren für spätere Publikation von Ergebnissen aus einer Diplomarbeit identifiziert werden.
