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Verknüpfung der Doktorarbeit mit einem verpflichtenden wissenschaftlichen Projekt im Medizinstudium. Sinnvoll?
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| Veröffentlicht: | 30. Juli 2024 |
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Fragestellung: Ein Ziel des reformierten Medizinstudiums ist die Stärkung der Wissenschaftskompetenzen. Dazu sieht der Referentenentwurf der neuen ÄApprO [1] ein wissenschaftliches Projekt im Medizinstudium vor. Die zusätzliche Promotion zum Dr. med. ist für die Approbation nicht erforderlich, eine hohe Promotionsquote wird aber angestrebt, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu sichern. An der LMU München kann die 12-wöchige verpflichtende wissenschaftliche Projektarbeit auch für die Promotion genutzt werden. Hier analysieren wir diese Verknüpfbarkeit in Hinsicht auf die Motivation zur Promotion und zur wissenschaftlichen Karriere.
Methoden: Die Studie wurde als Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt. Zunächst wurde für die Studienjahre 2022-2023 analysiert, wie viele der 494 Studierenden bei Antritt des verpflichtenden wissenschaftlichen Projekts eine Promotion anstreben. In einem anschließenden qualitativen Teil wurden bisher 9 Studierende in Einzelinterviews zu ihren Motivationen befragt, ihr wissenschaftliches Projekt mit einer Doktorarbeit zu verknüpfen. Die Auswahl der Studienteilnehmer erfolgte nach dem Maximum Variation Sampling, die Auswertung nach Mayring.
Ergebnisse: In den Studienjahren 2022-2023 zogen ca. 55% der Studierenden die Projektarbeit im Studium vor, 99% davon mit der Absicht diese mit einer Promotion zu verknüpfen. 45% führten ihre Projektarbeit regulär im 10. Semester durch – davon 81% mit Promotionsabsicht. Nur ein kleiner Teil der Studierenden gab in den Interviews wissenschaftliches Interesse als Motivationsgrund an. Viele der Studierenden bestärkte eher, den medizinischen Doktorgrad erlangen zu wollen. Dabei wurde vor Allem die Möglichkeit ohne Bedarf an Freisemestern vor dem Arbeitsbeginn im PJ oder als Assistenzarzt zu promovieren genannt. Einige Studierenden gaben an, ohne das verpflichtende Forschungsmodul, das zur Promotion genutzt werden kann, vielleicht gar nicht promoviert zu haben, zumindest nicht während des Studiums. Andere gaben auch an, sie hätten ohne die Möglichkeit der Verknüpfbarkeit von Projektarbeit und Promotion eine andere, zeitsparendere Art der Promotionsarbeit, wie z.B. eine statistische Arbeit, gewählt.
Diskussion: Unsere Daten zeigen, dass durchschnittlich 91% der Studierenden an der LMU in der Medizin promovieren wollen. Häufig bestehen aber keine Absichten längerfristig in der Wissenschaft zu bleiben.
Take Home Message: Verpflichtende wissenschaftliche Projektarbeiten können die Studierenden bereits während des medizinischen Grundstudiums an die Wissenschaft heranzuführen. Es sollte jedoch kritisch hinterfragt werden ob die Verknüpfbarkeit dieses Wissenschaftsmoduls mit einer Promotion zur nachhaltigen wissenschaftlichen Nachwuchsgewinnung sinnvoll ist oder von vielen Studierenden lediglich als Sprungbrett zum Doktortitel verstanden wird.
Literatur
- 1.
- Bundesministerium für Gesundheit. Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit, Verordnung zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit. Zugänglich unter/available from: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/A/Referentenentwurf_AEApprO.pdf
