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Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ)

30.09. - 03.10.2015, Leipzig

Alter zum Anfassen in der zahnmedizinischen Lehre

Meeting Abstract

  • author presenting/speaker Ina Nitschke - Universität Leipzig, Leipzig, Deutschland
  • corresponding author Kerstin Gross - Universität Zürich, Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin am ZZM, Zürich, Schweiz
  • author presenting/speaker Angela Stillhart - Universität Zürich, Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin am ZZM, Zürich, Schweiz
  • author presenting/speaker Monika Bucher - Universität Zürich, Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin am ZZM, Zürich, Schweiz
  • author presenting/speaker Mohammad Houshmand - Universität Zürich, Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin am ZZM, Zürich, Schweiz

Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ). Leipzig, 30.09.-03.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. DocP11-149

doi: 10.3205/15gma290, urn:nbn:de:0183-15gma2907

Veröffentlicht: 31. August 2015

© 2015 Nitschke et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung/Einleitung: Mit der Zunahme der Lebenserwartung und der Zahnzahl ist der Anteil der Betagten und Hochbetagten, die eine gute zahnmedizinische Betreuung benötigen, gestiegen. Dieser Entwicklung sollte auch in der Ausbildung der Zahnmedizin-Studierenden Rechnung getragen werden. Neben fundiertem Fachwissen ist ein hohes Maß an Empathie für die Bedürfnisse dieser heterogenen Patientengruppe unabdingbar. In der Schweiz muss das Fach Seniorenzahnmedizin gelehrt sowie geprüft werden, in Deutschland erfolgt die Lehre an vier Universitäten bisher fakultativ.

Methoden: 46 Zürcher Studierende des vierten Studienjahres durchliefen einen Gero-Parcours mit 14 Stationen. Innerhalb der Themenkomplexe der Betreuung und des Umgangs mit Senioren setzten sich die Studierenden mit ethischen Aspekten auseinander, übten die Kommunikation mit der betreuenden Pflege anhand eines konkreten Behandlungsfalls, entwarfen ein geeignetes Prophylaxekonzept für den älteren Patienten oder schulten ihr Augenmerk für die Erkennung sowie Deutung von Emotionen. Der Themenkomplex zu Veränderungen der Sinneswahrnehmungen verdeutlichte den Studierenden, welche Anstrengungen es für einen Patienten bedeutet, mit eingeschränktem Visus die Telefonnummer eines Zahnarztes herauszufinden oder einen Anamnesebogen auszufüllen. Auch der erschwerte Umgang mit Mundhygieneprodukten bei vorhandenem Tremor konnte anhand eines Tremorhandschuhs eindrücklich nachempfunden werden. Das Tragen von speziellen Brillen, Hörschutz und eines Altersanzuges vermittelte den Studierenden am eigenen Körper, wie beschwerlich alltägliche Abläufe wie Anziehen oder Treppensteigen bei versteiften Gelenken, eingeschränktem Hör- und Sehvermögen sowie reduzierter Muskelkraft sind. Transferübungen vom Roll- auf den Behandlungsstuhl, das Kennenlernen diverser Hilfsmittel zur angenehmeren Patientenlagerung und –behandlung sowie das Einüben einer adäquaten Fremdputztechnik waren gleichfalls Bestandteil des Parcours.

Ergebnisse: Vor allem die Stationen des Parcours, welche sich mit den Alternsveränderungen befassten, bezeichneten die Studierenden als besonders eindrücklich. Das Verständnis für die Befindlichkeiten des älteren Patienten wurde deutlich gesteigert. Dies gipfelt laut Aussage der Studierenden in einem rücksichtsvolleren und geduldigeren Umgang mit den älteren Patienten. Unsicherheiten beim Umgang mit dem mobilitätseingeschränkten Patienten konnten durch Einübung geeigneter Umsetz- und Haltetechniken am Behandlungsstuhl reduziert werden.

Diskussion/Schlussfolgerung: Die Behandlung der betagten Patienten stellt gerade den jungen Zahnmediziner vor große Herausforderungen. Studierende sollten für die Komplexität der Alternsveränderungen sensibilisiert werden, was mit einer guten gerostomatologischen Ausbildung erfolgen kann. Durch frühzeitiges und gezieltes Heranführen der Studierenden an diese heterogene Patienengruppe können Behandlungsängste abgebaut sowie langfristig die Qualität im Umgang und in der Versorgung der älteren Patienten sichergestellt werden [1], [2], [3].


Literatur

1.
Nitschke I, Kunze J, Reiber T, Sobotta BA. Development of undergraduate gerodontology courses in Austria, Switzerland, and Germany from 2004 to 2009. J Dent Educ. 2013;77(5):630-639.
2.
Nitschke I, Clarenbach-Tran TH, Schlegel D, Reiber T, Sobotta BA. Attitudes of German undergraduate dental students towards the aged. Gerodontology. 2015;32(1):3-12. DOI: 10.1111/ger.12043 Externer Link
3.
Nitschke I, Reiber T, Sobotta BA. Undergraduate teaching in gerodontology in Leipzig and Zürich - a comparison of different approaches. Gerodontology. 2009;26(3):172-178. DOI: 10.1111/j.1741-2358.2009.00277.x Externer Link