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22. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24. - 26.02.2021, digital

Perspektive potentieller Patient*innen auf die „Volume-Outcome“-Beziehung und Mindestmengen für Knie-Totalendoprothesen: Ergebnisse einer qualitativen Studie als Teil einer systematischen Übersichtsarbeit

Meeting Abstract

  • Charlotte Mareike Kugler - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Karina Karolina De Santis - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Kaethe Goossen - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Tanja Rombey - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Jessica Breunig - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Nadja Koensgen - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • Tim Mathes - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland
  • René Burchard - Lahn-Dill-Kliniken, Sport- und Gelenkklinik, Deutschland; Universität Witten/Herdecke, Department für Humanmedizin, Witten, Deutschland
  • Dawid Pieper - Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Deutschland

Who cares? – EbM und Transformation im Gesundheitswesen. 22. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. sine loco [digital], 24.-26.02.2021. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2021. Doc21ebmPS-1-01

doi: 10.3205/21ebm043, urn:nbn:de:0183-21ebm0434

Veröffentlicht: 23. Februar 2021

© 2021 Kugler et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund/Fragestellung: Knie-Totalendoprothesen (Knie-TEP) werden zur Behandlung der Kniearthrose im Endstadium angewandt. In Deutschland trat 2006 eine Mindestmenge von 50 Knie-TEP/Jahr in Kraft. Bisher wurde die Perspektive von Patient*innen bezüglich der Mindestmengenregelung vernachlässigt. Als Teil einer systematischen Übersichtsarbeit (PROSPERO CRD42019131209 [1]) untersucht die Studie die Perspektive potentieller Patient*innen auf eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung (größere Leistungsmenge assoziiert mit besserer Ergebnisqualität) für Knie-TEP und daraus folgende Konsequenzen.

Methoden: Eine Ad-hoc-Stichprobe setzte sich aus Erwachsenen mit Knieproblemen zusammen, die in Bezug auf Geschlecht, Alter, Schulabschluss und eigener Knie-TEP-Erfahrung heterogen waren. Im Vorfeld der systematischen Übersichtsarbeit wurden Daten während einer Fokusgruppe (n = 5 Teilnehmende) erhoben. Nachdem vorläufige Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit vorlagen, wurden individuelle Telefoninterviews (n = 16 Interviewte) durchgeführt. Die Datenauswertung erfolgte jeweils mit qualitativer Inhaltsanalyse.

Ergebnisse: Alle Teilnehmenden (n = 21) nehmen an, dass eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung für Knie-TEP existiert. Dies ist im Einklang mit den Ergebnissen der systematischen Übersichtsarbeit und erklärt sich aus Sicht der Teilnehmenden hauptsächlich durch größere Erfahrung des klinischen Personals. Sie vermuten, dass Fähigkeiten der Operateur*innen und individuelles Verhalten der Patient*innen die Ergebnisqualität ebenfalls beeinflussen können. Die Teilnehmenden würden für eine bessere Behandlungsqualität weitere Strecken fahren. Zudem beeinflussen subjektive Faktoren wie der Ruf, Empfehlungen anderer und die Freundlichkeit des Personals die Krankenhauswahl. Ein Teil der Interviewten würde aufgrund der Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit Krankenhäuser für eine Knie-TEP ausschließen. Die Hälfte der Interviewten befürwortet trotz theoretisch längerer Anfahrt eine Anhebung der Mindestmenge für Knie-TEP.

Schlussfolgerung: Aus der Perspektive von potentiellen Patient*innen existiert eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung für Knie-TEP. Die Ergebnisqualität ist für alle Teilnehmenden wichtiger als der Anfahrtsweg. Politische Entscheidungsträger*innen und Ärzt*innen sollten die Perspektive von Patient*innen berücksichtigen, wenn sie über die Höhe der Mindestmenge entscheiden oder ihnen Krankenhäuser für Knie-TEP empfehlen.

BMBF Förderkennzeichen 01KG1805

Interessenkonflikte: Es liegen keine Interessenkonflikte in Bezug auf die Studie vor.


Literatur

1.
Rombey T, Goossen K, Breuing J, Mathes T, Hess S, Burchard R, Pieper D. Hospital volume-outcome relationship in total knee arthroplasty: protocol for a systematic review and non-linear dose-response meta-analysis. Syst Rev. 2020 Feb 20;9(1):38. DOI: 10.1186/s13643-020-01295-9 Externer Link