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22. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24. - 26.02.2021, digital

Rollenverständnis von Pflegeexpert*innen in der Primärversorgung

Meeting Abstract

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  • Swantje Seismann-Petersen - Universität zu Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Deutschland
  • Sascha Köpke - Universität zu Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Deutschland
  • Simone Inkrot - Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Sektion Forschung und Lehre in der Pflege, Lübeck, Deutschland

Who cares? – EbM und Transformation im Gesundheitswesen. 22. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. sine loco [digital], 24.-26.02.2021. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2021. Doc21ebmV-1-01

doi: 10.3205/21ebm001, urn:nbn:de:0183-21ebm0014

Veröffentlicht: 23. Februar 2021

© 2021 Seismann-Petersen et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund/Fragestellung: Um die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern, wird der Einsatz akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen im Rahmen einer „erweiterten Pflegepraxis“ diskutiert. In dem Projekt „HandinHand“ führen Pflegeexpert*innen (PE) über einen Zeitraum von 6 Monaten auf der Grundlage eines ärztlich abgestimmten Versorgungsplans Hausbesuche bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen durch und übernehmen erweiterte Aufgaben. Im Rahmen einer Mixed-methods Prozessevaluation wird u.a. das Rollenverständnis der PE untersucht.

Methoden: Die Datenerhebungen erfolgen auf der Grundlage eines logischen Models, dessen Struktur sich am MRC Framework für komplexe Interventionen orientiert. Vor Beginn des ersten Hausbesuchs schätzen die PE mittels eines Fragebogens auf einer Skala von 1-100 ein, inwieweit sie sich in den beschriebenen Rollen einer spezialisierten Pflegefachperson sehen (1=gar nicht, 100=uneingeschränkt). Zudem wird erfragt, inwieweit die PE Aussagen zu Rollenklarheit, Handlungsautonomie, interprofessioneller Zusammenarbeit und Rollenunterschieden zustimmen (5-Punkt-Likert-Skala; 1=trifft nicht zu, 5=trifft voll und ganz zu). Mit Beginn der Hausbesuche wurden leitfadengestützte Interviews mit den PE geführt und mittels inhaltsanalytischer, induktiver Kategorienbildung ausgewertet.

Ergebnisse: Die PE (n=9 von 10) sehen sich weniger in den Rollen der Leitungsperson (Median 48), Forscher*innen (46) und Lehrenden (39), als in denen der Berater*innen (80), Praktiker*innen (78), Fürsprecher*innen (77) und Expert*innen (74). Während sie das Maß ihrer Handlungsautonomie und ihres Einflusses auf die interprofessionelle Zusammenarbeit eher gering einschätzen (jeweils Median 2), geben sie mehrheitlich an zu wissen, welche Rolle sie haben (4), wie sich ihre Rolle von anderen unterscheidet (4), wie sie ihre Rolle erklären (4) und Schnittstellen beschreiben können (4). Die Auswertung der Interviews (n=10) ergab fünf Hauptkategorien: 1. Fähigkeiten, Kompetenzen, Tätigkeiten, 2. Rollenattribute, 3. Unterschiede und 4. Gemeinsamkeiten zu anderen an der Versorgung Beteiligten, 5. unsicheres/unklares Rollenverständnis.

Schlussfolgerung: In Bezug auf das Rollenverständnis der PE zeigen sich Diskrepanzen zwischen quantitativ und qualitativ erhobenen Daten. Aufgrund fehlender Rollenvorbilder eignen sich die PE das Verständnis durch theoretische Grundlagen und die eigene Praxis an. Das Rollenverständnis der PE wird über den Verlauf des Projekts weiter untersucht.

Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenkonflikte.


Literatur

1.
Moore GF, Audrey S, Barker M, Bond L, Bonell C, Hardeman W, Moore L, O'Cathain A, Tinati T, Wight D, Baird J. Process evaluation of complex interventions: Medical Research Council guidance. BMJ. 2015 Mar 19;350:h1258. DOI: 10.1136/bmj.h1258 Externer Link