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Analyse der Notaufnahmevorstellungen während der Jahreswechsel von 2019 bis 2023 – Identifizierung Pyrotechnik-bedingter Aufnahmen
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| Veröffentlicht: | 21. Oktober 2024 |
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Fragestellung: Die Diskussion über die Auslastung von Notaufnahmen (NA) an Silvester und Neujahr aufgrund vermeidbarer Notfälle in Verbindung mit einem möglichen „Böllerverbot“ ist jährlich präsent. Insbesondere die Medienberichterstattung über schwere Verletzungen an Händen (einschließlich schwerer Verbrennungen und Amputationen), Augenverletzungen und sogar Todesfälle suggeriert zusätzliche Belastungen für die Notaufnahmen aufgrund unsachgemäßer Handhabung von Feuerwerkskörpern. Allerdings ist die Datenlage bezüglich der Belastung von Notaufnahmen und der Häufigkeit bestimmter Verletzungsmuster begrenzt. Ziel dieser Studie war es, die Notaufnahmefälle aufgrund von Feuerwerksunfällen rund um den Jahreswechsel zu untersuchen.
Methodik: Es erfolgte eine Analyse von Daten des AKTIN-Notaufnahmeregisters der Jahre 2019 bis 2023 (jeweils vom 28.12. bis 28.02.). Betrachtet wurden die absoluten Fallzahlen, die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme (Length of Stay, LOS), die Vorstellunggründe (basierend auf CEDIS-PCL), die Dringlichkeit der Behandlung sowie die Notaufnahmediagnosen nach ICD-10 an Silvester im Vergleich zu Samstagen und Neujahr im Vergleich zu Sonntagen der jeweils folgenden zwei Monate gemittelt. Die Daten wurden stratifiziert nach Jahreswechseln betrachtet.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: In dem untersuchten Zeitraum wurden 234.622 Fälle aus 28 verschiedenen Notaufnahmen analysiert. Die absoluten Fallzahlen sind an Silvester tendenziell geringer und an Neujahr höher als an Samstagen bzw. Sonntagen. Die LOS an Silvester und Neujahr ist im Vergleich zu Samstagen bzw. Sonntagen geringer. Am Neujahrstag kommen tendenziell mehr Patienten mit Gründen aus den CEDIS-Oberkategorien Haut, Hals-Nasen-Ohren oder Orthopädie/Unfallchirurgie in die Notaufnahme als an Sonntagen. Bei Betrachtung spezifischer Vorstellungsgründe werden tendenziell mehr Menschen mit Trauma-spezifischen Vorstellungsgründen (428 ± 119,3 vs. 344 ± 76,7) oder Verletzungen der oberen Extremitäten (142 ± 24,2 vs. 112 ± 21,9) an Neujahr in den Notaufnahmen vorstellig als an Sonntagen. Eine Zunahme der Dringlichkeit der Behandlungsfälle war nicht zu beobachten. Tendenziell werden an Neujahr mehr Notaufnahmediagnosen der ICD-10-Kategorie Verletzungen des Kopfes gestellt als an Sonntagen (121 ± 25,9 vs. 98 ± 27,2). Die Auswertung über die einzelnen Jahreswechsel, unter Berücksichtigung der Coronapandemie-bedingten Böller- und Versammlungsverbote, zeigte keinen Effekt.
Die Fallzahlen und die dokumentierte Behandlungsdringlichkeit lassen nicht auf eine höhere Belastung der Notaufnahmen zum Jahreswechsel schließen. Ein leicht verändertes Muster an Vorstellungsgründen und Notaufnahmediagnosen an Neujahr im Vergleich zu entsprechenden Sonntagen kann allerdings auf einen Effekt eventueller Feuerwerksunfälle auf die Notaufnahmekontakte weisen. Ein pandemiebedingtes Böllerverbot zeigte in unseren Analysen keine Effekte auf die Inanspruchnahme der Notaufnahmen.
