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Ruptur der distalen Bizepssehne: Anatomische Refixierung mittels 1 vs. 2 Fadenanker – 1-Jahres-Ergebnisse einer prospektiv randomisierten Studie
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Veröffentlicht: | 23. Oktober 2017 |
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Fragestellung: Die traumatische Ruptur der distalen Sehne des Musculus biceps brachii ist eine seltene Verletzung des muskuloskelettalen Systems. Operative Therapieverfahren mit anatomischer Rekonstruktion der distalen Bizepssehne scheinen hinsichtlich der Flexions-/Supinationskraft einer konservativen Therapie überlegen zu sein. Diese prospektiv randomisierte Studie untersucht erstmalig, ob bei der Refixierung der distalen Bizepssehne im Bereich der Tuberositas radii durch die Verwendung von 2 Fadenankern (FA) (Gruppe 2) vs. 1 FA (Gruppe 1) bessere klinische Ergebnisse, weniger Flexions-/Supinationskraftverluste und eine schnellere Rehabilitation möglich sind.
Methodik: Es wurden 35 Patienten mit frischer distaler Bizepssehnenruptur prospektiv randomisiert (EbM-Level I) erfasst. 18 Pat. (m, Ø 47 J.) wurden mit 1 FA (2-fach armiert) und 17 Pat. (m, Ø 47 J.) mit 2 FA (1-fach armiert) operativ versorgt. Es wurden klinische (T1: präop, T2: 6 Wo. postop, T3: 12 Wo. postop, T4: 24 Wo. postop, T5: 48 Wo. postop) und radiologische Kontrollen (prä- + postop) sowie isokinetische Kraftmessungen (T4, T5) durchgeführt. Die prospektive Datenerhebung erfolgte mittels Mayo-Elbow-Performance- (MEPS), Oxford-Elbow- (OES), DASH- und Andrew-Carson-Score (ACS). Die propsektiv erhobenen Daten wurden mit dem Student's t-Test statistisch ausgewertet.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Es konnten in den verwendeten Scores zu T2, T3, T4 und T5 keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen nachgewiesen werden. Zu T5 ergaben sich folgende Werte: MEPS MW 98 (SD 5) in Gr. 1 und MW 99 (SD 4) in Gr. 2, OES MW 46 (SD 3) in Gr. 1 und MW 46 (SD 5) in Gr. 2, DASH MW 27 (SD 5) in Gr. 1 und MW 27 (SD 7) in Gr. 2, ACS MW 197 (SD 7) in Gr. 1 und MW 198 (SD 6) in Gr. 2. Auch unter Berücksichtigung der Dominanz konnten bei der isokinetischen Flexionskraftmessung zu T4 und T5 keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen nachgewiesen werden. Zu T5: Max. Drehmoment (in NM, Defizit verletzter vs. unverletzter Arm, dominante Seite unberücksichtigt) 9/16 (MW/SD) in Gr. 1, 3/19 in Gr. 2. Arbeitsfähigkeit: keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Komplikationen: 1 heterotope Ossifikation in Gr. 1 und bis zu T4 persistierende Nervus cutaneus antebrachii lateralis-Hypästhesien in 3 Fällen der Gr. 1 und in 2 Fällen der Gr. 2. Rerupturen: weder in Gr. 1 noch in Gr. 2.
In den ersten 12 Monaten postoperativ konnten hinsichtlich der funktionellen Scores, isokinetischen Kraftmessung, Komplikationen und Rehabilitation keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen nachgewiesen werden. In den bisherigen Daten erscheint die 2 FA-Gr. der 1 FA-Gr. nicht überlegen.