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46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 20. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC)

01.10. - 03.10.2015, Berlin

Chirurgische Rekonstruktion der Klitoris nach genitaler Mutilation (FGM)

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Thomas Gohla - Praxisklinik für Plastische Chirurgie, Deutschland

Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 20. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). Berlin, 01.-03.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. Doc040

doi: 10.3205/15dgpraec040, urn:nbn:de:0183-15dgpraec0407

Veröffentlicht: 28. September 2015

© 2015 Gohla.
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Gliederung

Text

Zusammenfassung: 150 Millionen Frauen sind weltweit von genitaler Mutilation betroffen. Vorgestellt wird eine einfache, verlässliche und reproduzierbare chirurgische Technik zur Wiederherstellung der Klitoris, die von Pierre Foldes, einem französischen Urologen zuerst beschrieben wurde.

Chirurgische Technik: Der Eingriff kann ambulant in Allgemeinnarkose erfolgen. In Steinschnittlage wird zuerst ein 3cm langer Längsschnitt über dem os pubis durchgeführt; Anschliessend Exzision des Nabengewebes in die Tiefe entlang des Korpus bis zum genu clitoridis. Anschliessend kommt die Schlüsselstelle des Eingriffs mit Aufsuchen des Ligamentum suspensorium und Abtrennen an der Anhaftungsstelle am os pubis. Danach gelingt die mühelose Mobilisation mit Entfernung des vernarbten Gewebes unter Schonung des dorsalen Gefäß-Nervenbündels. Nach vollständiger Mobilisation wird der Musculus bulbocavernosus aufgesucht. Nun erfolgt die Fixation des befreiten Korpus der Klitoris mit je einer Naht an den Muskel. Wir verwenden hierfür einen geflochtenen Faden der Stärke 4-0.

Anschliessend werden die Muskelbäuche mit einander vernäht um ein Zurückgleiten der Klitoris zu vermeiden. Weiteres Narbengewebe kann nun entfernt werden. Die Neo-glans wird ebenfalls mit einem Faden an den Korpus und zusätzlich an die Haut. Es wird als wichtig erachtet, dass die Neoglans mindestens eine Projektion von 5 mm aufweist. Dies geschieht um eine stattfindende Verminderung der Projektion in den ersten Wochen zu kompensieren. Die subpubische Hautinzision wird ebenfalls mit resorbierbaren Fäden verschlossen. Postoperativ lässt man die Neoglans sekundär verheilen, was in der Regel 2 Wochen dauert.

Schlussfolgerung: Bei Berücksichtigung der folgenden Schlüsselpunkte erreicht man in der grossen Mehrzahl der Fälle gute bis sehr gute Ergebnisse:

  • Befreiung der unvernarbten Strukturen und Durchtrennung des Ligamentum suspensorium
  • Dissektion in der Tiefe bis auf dos os pubis unter Schonung des Gefäß-Nervenbündels
  • Resektion von schmerzhaften unsensiblen Narbengewebe

Die hier beschriebene Klitorisplastik, vor 25 Jahren das erste Mal beschrieben, ist eine weiterhin recht unbekannte Technik. Sie ist eine einfache, reproduzierbare und verlässliche Technik, die von jedem, mit dem plastisch-chirurgischen Grundprinzipien vertauten, Chirurgen erlernt werden kann.