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Phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 2020

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

26.09.2020, digital

Therapieerfolg von Protonenpumpeninhibitoren in einfacher und doppelter Standarddosis bei der Therapie von Kontaktgranulomen – eine Pilotstudie

Meeting Abstract

  • author presenting/speaker Adrienne Heyduck - Universitätsmedizin Göttingen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Göttingen, Deutschland
  • author Thomas Hoffmann - Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
  • author Arno Olthoff - Universitätsmedizin Göttingen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Göttingen, Deutschland
  • author Sibylle Brosch - Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Ulm, Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie, Ulm, Deutschland
  • corresponding author Rudolf Reiter - Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Ulm, Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie, Ulm, Deutschland

Phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 2020. sine loco [digital], 26.-26.09.2020. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2020. Doc03

doi: 10.3205/20dgpp03, urn:nbn:de:0183-20dgpp036

Veröffentlicht: 2. November 2020

© 2020 Heyduck et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit (engl. GERD)“ von 10/2015 wird bei der extraösophagealen GERD-Manifestation (z.B. mit Ausbildung von einem Kontakgranulom, KG) eine Protonenpumpeninhibitor (PPI)-Therapie in doppelter Standarddosis (z.B. Pantoprazol 40mg 2x/Tag) über 8 Wochen angeraten. Valide Studiendaten existieren hierzu jedoch nicht [1].

Material und Methoden: Im Rahmen einer prospektiven Studie von 05.2015 bis 12.2019 erhielten 39 Patienten mit endoskopisch nachgewiesenem KG und konsekutiv randomisiert PPIs in einfacher (1xPPI, n=22) bzw. doppelter Standarddosis (2xPPI, n=17) für 8 Wochen lang. Es wurden bei Erstvorstellung und bei der Kontrolle nach 3–4 Monaten ein möglicher gastrolaryngealer Reflux sowie Halssensationen, Räusperneigung oder Heiserkeit erfasst und eine Videolaryngo-Stroboskopie durchgeführt, um die Befundentwicklung des Granuloms zu beurteilen (Progredienz, gleichbleibend, Remission <50%, >50% oder komplett). Die beiden Gruppen wurden miteinander verglichen.

Ergebnisse: Das Granulom war in 40% der Fälle nach der Therapie mit 1xPPIs und in 77% der Fälle mit 2xPPIs verschwunden bzw. regredient (p<0.05). Bei Kontrolle waren 23% der Patienten mit 1xPPIs völlig symptomlos und 77% der Patienten mit 2xPPIs. Halssensationen wurde bei Erstvorstellung mit 64% als häufigstes Symptom angegeben. Bei der Kontrolle nach PPI-Therapie in einfacher bzw. doppelter Standarddosis waren Halssensationen nur noch in 33% bzw. 15% der Fälle bei Granulomremission nachweisbar und bei Persistenz in 50% bzw. 62%.

Diskussion: Die Therapie eines KG mit PPIs in doppelter Standarddosis war bei unserem kleinen Kollektiv effektiver als in einfacher Standarddosis. Diese Ergebnisse müssen an einem größeren Kollektiv überprüft werden.


Text

Hintergrund

Kontaktgranulome (KG) sind ein häufige Ursache für eine Vorstellung in der phoniatrischen Sprechstunde. Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit (engl. GERD)“ von 10/2015 wird bei der extraösophagealen GERD-Manifestation (z.B. mit Ausbildung von einem KG) eine Protonenpumpeninhibitor (PPI)-Therapie in doppelter Standarddosis (z.B. Pantoprazol 40mg 2x/Tag) über 8 Wochen angeraten. Valide Studiendaten existieren hierzu jedoch nicht [1].

Material und Methoden

Im Rahmen einer prospektiven Studie an der Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsklinik Ulm von 05.2015 bis 12.2019 erhielten 39 Patienten mit endoskopisch nachgewiesenem KG und konsekutiv randomisiert PPIs in einfacher (1xPPI, n=22) bzw. doppelter Standarddosis (2xPPI, n=17) für 8 Wochen lang. Es wurden bei Erstvorstellung und bei der Kontrolle nach 3–4 Monaten ein möglicher gastrolaryngealer Reflux sowie Halssensationen, Räusperneigung oder Heiserkeit erfasst und eine Videolaryngo-Stroboskopie durchgeführt, um die Befundentwicklung des Granuloms zu beurteilen (Progredienz, gleichbleibend, Remission <50%, >50% oder komplett). Die beiden Gruppen wurden miteinander verglichen und mögliche Nebenwirkungen der PPI-Therapie erfasst.

Ergebnisse

Das Granulom war in 40% der Fälle nach der Therapie mit 1xPPIs und in 77% der Fälle mit 2xPPIs verschwunden bzw. regredient (p<0.05). Bei Kontrolle waren 23% der Patienten mit 1xPPIs völlig symptomlos und 77% der Patienten mit 2xPPIs. Halssensationen wurde bei Erstvorstellung mit 64% als häufigstes Symptom angegeben. Bei der Kontrolle nach PPI-Therapie in einfacher bzw. doppelter Standarddosis waren Halssensationen nur noch in 33% bzw. 15% der Fälle bei Granulomremission nachweisbar und bei Persistenz in 50% bzw. 62%. Ein Patient entwickelte nach 14 Tagen Einnahme von Pantoprazol in doppelter Standarddosis (40 mg 1-0-1) Gelenkschmerzen, weshalb Pantoprazol durch Esomeprazol ersetzt wurde, worunter die Beschwerden verschwanden.

Diskussion

Die Therapie eines KG mit PPIs in doppelter Standarddosis war bei unserem kleinen Kollektiv effektiver als in einfacher Standarddosis. Diese Ergebnisse müssen an einem größeren Kollektiv überprüft werden.


Literatur

1.
Koop H, Labenz J, Bittinger M, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit. Bayerisches Ärzteblatt 10/2015.