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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Multiresistene Keime auf der Verbrenungsintensivstation

Meeting Abstract

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  • S. Hellmich - Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrumm, BG-Unfallklinik, Ludwigshafen
  • U. Linhart - Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrumm, BG-Unfallklinik, Ludwigshafen
  • G. Germann - Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrumm, BG-Unfallklinik, Ludwigshafen

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav59

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav59.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Hellmich et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei der Versorgung von Schwerbrandverletzten stellt sich häufig das Problem der Keimbesiedelung der Verbrennungswunden. Ein Hauptproblem ist die ansteigende Resistenzentwicklung der Bakterien. Ein weiteres entsteht durch die zunehmende globale Mobilität und die damit verbundene Möglichkeit der Zuverlegung von Patienten aus weit entfernten Gebieten mit dem dort typischen Keimspektrum. Als besonders kritisch zeigte sich die Entwicklung der Resistenzen von zwei gram-negativen Stäbchen dem Pseudomonas aeroginosa und dem Acinetobacter baumanii.

Material und Methode: Im Zeitraum von Juni 2006 bis Juni 2007 wurden drei Ausbrüche von Pseudomonas aeroginosa und Acinetobacter baumanii- Besiedelung auf der Verbrennungsintensivstation der BG-Unfallklinik Ludwigshafen beobachtet. Prospektiv wurde nach Übertragungswegen gesucht, die hygienischen Standards analysiert und die antibiotische Therapie reevaluiert. Bei dem dritten Ausbruch wurde zusätzlich eine Typisierung der einzelnen Stämme durchgeführt. Bei den dargestellten Ausbrüchen waren beim ersten drei, beim zweiten 12 und beim dritten Ausbruch 11 Patienten betroffen. Bei allen 3 Episoden begannen die Ausbrüche nach Zuverlegung eines Patienten aus einem Krisengebiet mit bei Aufnahme bereits besiedelten Wunden mit multiresistenten Keimen.

Ergebnisse: Bei dem ersten Ausbruch waren ausschließlich Schwerbrandverletzte betroffen mit einer durchschnittlichen VKOF von 50,4%. Bei dem 2. Ausbruch handelte es sich um 7 Brandverletzte, 2 Patienten mit TEN, 1 Patienten mit einer kombinierten thermischen und polytraumatischen Verletzung und 2 Patienten mit chronischen Wunden. Die durchschnittliche VKOF war 40,1%. Einer dieser Patienten wurde nicht auf der Verbrennungsintensivstation behandelt. Bei dem letzten Ausbruch waren 10 Schwerbrandverletzte mit durchschnittlich 46,1% VKOF und eine Patientin mit chronischen Wunden betroffen. Alle wurden auf der Intensivstation behandelt. Es konnte kein sicherer einzelner Übertragungsweg (Therapiebad, Eingriffsraum etc.) nachgewiesen werden. Nach Durchführung der Typisierung zeigte sich, dass nicht in allen Fällen eine reine Übertragung stattgefunden hatte.

Diskussion: Das Management von Keimausbrüchen ist schwierig. Die Auswahl an noch einsetzbaren Antibiotika bei multiresistenten Keimen ist limitiert und hilft in der Krisensituation wenig. Nach Analyse und Ausschluss aller möglichen systematischen Hygienelücken wie Sterilisation, Lüftung und Oberflächenreinigung verbleibt der Übertragungsweg durch die Hände des Personals. Eine forcierte Schulung in Händedesinfektion und Übertragungswegen sowie die Bereitstellung von ausreichenden und leicht erreichbaren Desinfektionsmitteln hilft häufig den Kreislauf zu unterbrechen. Während und nach jeder Episode sollten Strategien der Antibiotikatherapie und beispielsweise der Transportwege überarbeitet werden. Diese werden im Vortrag detailliert vorgestellt.