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Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen (AGMB)

10. - 12.09.2018, Oldenburg

Krankheit und Erkenntnis – Überlegungen nach Karl Jaspers

Meeting Abstract

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  • Matthias Bormuth - Institut für Philosophie der Universität Oldenburg

Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen (AGMB). Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen (AGMB). Oldenburg, 10.-12.09.2018. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2018. Doc18agmb02

doi: 10.3205/18agmb02, urn:nbn:de:0183-18agmb024

Veröffentlicht: 3. September 2018

© 2018 Bormuth.
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Gliederung

Text

Bekannt wurde Karl Jaspers (1883–1969) als deutscher Existenzphilosoph. Dass er zuvor mit der „Allgemeinen Psychopathologie“ ein bis heute in der Psychiatrie maßgebliches Lehrbuch schrieb, ist weit weniger bekannt. Dabei finden sich die Spuren seines ärztlichen Denkens schon vielfach in seiner Vorstellung der „Existenzerhellung“. Auch hat er zeitlebens wie wenige Mediziner auf den möglichen Nutzen von Krankheiten für menschliche Erkenntnisse hingewiesen.

Seit dem Übergang von der Medizin zur Philosophie beschäftigte sich Jaspers mit den Krankheiten bedeutender Künstler und Denker. Hölderlin, van Gogh, Strindberg und Nietzsche wurden ihm wichtige Medien, um deren positiven Auswirkungen auf das menschliche Erkenntnisvermögen zu beschreiben. Später untersuchte er noch die Psychopathologie, die seinen methodischen Lehrer Max Weber in seinen Einsichten in die Moderne und ihre Kulturen des Wissens beeinflusste.

Der Vortrag skizziert im ersten Teil die Grundzüge von Jaspers’ pathographischem Denken. Wie Krankheit und Erkenntnis verbunden sein können, wird anschließend in seiner Auseinandersetzung mit Leben und Werk Max Webers skizziert. Am Ende stehen Überlegungen zur Rolle, die nach Jaspers der zugespitzte und randständige Blick des Kranken auf die Gesellschaft in vielen Fällen spielt. Gesundheit und Krankheit sind relative Größen, deren Bedeutung auch vom Interesse an Erkenntnis bestimmt ist.

Anmerkung: Der Autor ist Inhaber der Heisenberg-Professur für Vergleichende Ideengeschichte am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg und Leiter des Karl Jaspers Hauses.