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174. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

27.01. - 28.01.2012, Essen

Normosensorisches Spätschielen – Ein strabologischer Notfall?

Meeting Abstract

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  • M. Fischer - Essen
  • J. Esser - Essen
  • A. Eckstein - Essen

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. 174. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. Essen, 27.-28.01.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12rwa65

DOI: 10.3205/12rwa65, URN: urn:nbn:de:0183-12rwa656

Published: January 26, 2012

© 2012 Fischer et al.
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Ziel: Welche klinischen Parameter erlauben eine Prognose hinsichtlich des postoperativ zu erwartenden binokularen Einfachsehens (BES) bei akut aufgetretenem Innenschielen bei Kindern?

Patienten und Methode: Patientendaten von 22 konsekutiven Kindern der Jahre 2001 bis 2010 mit einem akut aufgetretenen normosensorischen Innenschielen wurden ausgewertet (Alter bei Schielbeginn: 4,9 Jahre [Median; min. 2,0, max. 9,1]). Der Fernschielwinkel betrug +15° (Median, min. +8°, max. +22,5). 50% gaben initial Doppelbilder an. 5/22 Patienten waren emmetrop (-0.5 bis +1.0) und 17/22 hyperop. Nach Prismenausgleich konnten bei 73% der Patienten präoperativ Binokularfunktionen nachgewiesen werden.

Ergebnisse: Bei einem Patienten gelang eine komplette Reduktion des Schielwinkels ausschließlich durch Prismenabbau. Die Augenmuskeloperation erfolgte bei den restlichen 21 Patienten 12,8 Monate (Median; min 1,2; max 61,4) nach anamnestischem Schielbeginn. Erfolgte die Operation innerhalb der ersten 12 Monate nach Schielbeginn (n=11), erzielten 73% eine gute Stereopsis (>80“) im Vergleich zu 70% bei den nach 12 Monaten Operierten (n=10). Die Qualität des präoperativen BES nach Prismenausgleich zeigte keinen Einfluss auf die Prognose: sowohl bei den 15 Patienten mit BES als auch bei den 6 Patienten ohne BES hatten jeweils 2/3 einen Stereopsis von >80“. Bei den anderen Dritteln waren in beiden Gruppen jeweils in allen Fällen grobe Streopsis nachweisbar (Fliege, Lang, Titmus-Ringe 1–4) Die präoperative gemessene Refraktion, die initiale Doppelbildwahrnehmung und das Lebensalter bei Schielbeginn waren ohne prognostische Aussagekraft.

Schlussfolgerung: Auch bei mehr als ein Jahr nach Schielbeginn durchgeführten Augenmuskeloperationen wird beim normosensorischen Spätschielen eine gute Stereopsis erzielt, so dass diese Schielform nicht als „strabologischer Notfall“ angesehen werden muss. Bestehende Doppelbilder sind natürlich weiterhin eine Indikation für ein rasches Eingreifen. Der Langzeiterlauf zeigt zudem, dass beim normosensorischen Spätschielen die präoperative Messung des BES das postoperative Ergebnis in vielen Fällen unterschätzt, da fast alle Kinder bei der Nachuntersuchung eine gute Stereopsis aufweisen.