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83. Versammlung der Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte

Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte

06.11.2010, Ludwigshafen

Aktuelle Strategien zur Therapie der Herpes-Keratitis

Meeting Abstract

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  • Berthold Seitz - Homburg/Saar, Deutschland

Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte. 83. Versammlung der Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte. Ludwigshafen, 06.-06.11.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10rma42

DOI: 10.3205/10rma42, URN: urn:nbn:de:0183-10rma421

Published: November 4, 2010

© 2010 Seitz.
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Durch den Einsatz von lokalem und systemischem Acyclovir hat „die Herpes-Keratitis“ in den letzten Jahren ihren Schrecken verloren. Diagnostisch entscheidend sind die Einseitigkeit, die geringen Schmerzen, die reduzierte Hornhautsensibilität, der geringe Bindehautbefund und das initial fehlende Hypopyon bei Keratouveitis.

Im Detail hängt die Therapie von den unterschiedlichen Ausprägungsformen der Keratitis ab: (1) Die epitheliale Keratitis (der typische Dendrit) wird mit Acyclovir AS oder TFT Tropfen OHNE Einsatz von lokalen Steroiden behandelt. Eine Abrasio corneae ist typischerweise nicht nötig. (2) Bei der disziformen Keratitis („Endotheliitis“) sind neben lokalem und systemischem Acyclovir auch oral und systemisch Steroide für den Therapieerfolg unerlässlich. Eine zusätzliche herpetische „Trabekulitis“ mit sekundärer okulärer Hypertension wird medikamentös antiglaukomatös behandelt. Prostaglandinanaloga sind hierbei kontraindiziert. (3) Die ulzerierende nekrotisierende stromale Keratitis („Ulcus“) wird mit Acyclovir und Antibiotika behandelt. Auf Steroide wird zumindest initial verzichtet. Bei persistierendem Epithedefekt hat sich die Amnionmembrantransplantation (bevorzugt wird die Sandwichtechnik = ein- oder mehrlagiger Graft + Patch) als sehr erfolgreich erwiesen. (4) Die interstitielle Keratitis braucht Steroide und Acyclovir lokal (ggf. systemisch). (5) Die sog. metaherpetische Keratitis bedarf analog der neurotrophen Keratopathie bevorzugt pflegender Therapie. Sollten hyaluronsäurehaltige Präparate nicht ausreichen, wäre an die lokale Applikation von autologen Serum AT zu denken. Die chirurgische Therapie der Wahl bei Hornhautnarben herpetischer Genes ist die perforierende Keratoplastik, weil das Virus nicht nur im Ganglion Gasseri sondern auch im kornealen Endothel persistiert. Bei lamellärer oder ipsilateraler autologer Roatationskeratoplastik ist somit die Redizivgefahr deutlich größer. Zur Rezidivprophylaxe nach perforierender Keratoplastik hat sich die Applikation vom Acyclovir AS zur Nacht und die systemische Gabe von 2x400 mg Acyclovir für mindestens 1 Jahr bewährt. Steroide sollten nie ohne Acyclovirschutz gegeben werden. Ananlog werden Immunreaktionen nach Keratoplastik, die oft in der Praxis nicht sicher von einem Herpesrezidiv („Präzipitate nicht auf das Transplantat beschränkt“) unterschieden werden können, grundsätzlich kombiniert (Acyclovir + Steroide) behandelt. Schlußfolgernd lässt sich sagen, dass die herpetische Keratitis heute gut behandelt werden kann, wenn man die verschiedenen Gesichter dieser Krankheit („Chamäleon“) kennt und das Therapieschema bewusst drauf abstimmt.