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60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ)

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.

13.05. - 15.05.2011, Braunschweig

Toxisches Lyell-Syndrom nach Behandlung mit Levetiracetam

Meeting Abstract

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  • A. Mey - Neuropädiatrie , Klinikum Braunschweig, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Braunschweig
  • P. Sprung - Neuropädiatrie , Klinikum Braunschweig, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Braunschweig

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Braunschweig, 13.-15.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ndgkjPO-18

DOI: 10.3205/11ndgkj20, URN: urn:nbn:de:0183-11ndgkj201

Published: May 2, 2011

© 2011 Mey et al.
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Einleitung: In der antikonvulsiven Therapie von fokalen Anfällen bei Neugeborenen hat Levetiracetam (Keppra®) seinen Stellenwert und ist in der Regel gut verträglich. Bei einem Säugling mit fokalen Krampfanfällen nach akutem Infarkt trat nach Behandlung mit Levetiracetam ein toxisches Lyell-Syndrom und eine Agranulozytose auf.

Kasuistik: Der Patient wurde im Alter von 6 Wochen mit spontan aufgetretenen, ausgeprägten fokalen Krampfanfällen in der Kinderklinik vorgestellt. In der zerebralen Bildgebung zeigte sich ein akuter Infarkt im hinteren Versorgungsgebiet der Art. cerebri media rechts. Im aEEG waren rechtsseitig epileptiforme Potentiale nachweisbar, klinisch immer wieder Zuckungen des linken Armes und der linken Gesichtshälfte. Die initiale Therapie mit Phenobarbital wurde bei Status epilepticus durch Lidocain erweitert. Bei unzureichender Wirkung wurde die Therapie mit hochdosiert Levetiracetam intravenös begonnen und der Status epilepticus durchbrochen. Die weitere antikonvulsive Therapie wurde mit einer Monotherapie Levetiracetam fortgeführt. Am 10. Tag nach Therapiebeginn zeigte der Junge ein ausgeprägtes Arzneimittelexanthem, so dass die antikonvulsive Therapie gestoppt wurde. Der Junge entwickelte Fieber und leicht ansteigende Entzündungsparameter, so dass bei Sepsisverdacht eine antibiotische Therapie mit Gentamycin und Imipenem eingeleitet wurde. Außer einen einmalig positiven Keimnachweis von Noroviren im Stuhl wurde keine infektiöse Ursache gefunden. Der dermatologische Befund wandelte sich in eine flächige Rötung mit Blasenbildung, und folgender Ablösung der Dermis. Bei begleitender Agranulozytose wurde Lenograstim s.c. vorübergehend verabreicht. Die Haut wurde offen behandelt. Nach insgesamt 4 Wochen stationären Aufenthalt konnten wir den Jungen in gutem Allgemeinzustand mit intakter Haut und vollständig regenerierter Neutropoese nach Hause entlassen.

Schlussfolgerung: Wenngleich als Nebenwirkung von Levetiracetam (Keppra®) selten ein Exanthem beobachtet wird, so wurde ein toxisches Lyell-Syndrom mit Agranulocytose bislang nicht beschrieben. Die zeitliche Assoziation mit der medikamentösen Behandlung und das Fehlen anderer Ursachen legt die Kausalität nahe. Diese Beobachtung sollte bei Einsatz von Levetiracetam berücksichtigt werden, relativiert jedoch nicht grundsätzlich die Anwendung dieses Medikamentes, das für die gegebene Indikation und das Alter des Kindes durchaus zugelassen ist.