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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Wirksame und sichere Implementierungswege von evidenzbasierter Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen: eine systematische Übersichtsarbeit

Meeting Abstract

  • Susanne Unverzagt - Universität Halle/Wittenberg, Halle, Deutschland
  • Kristin Brettschneider - Universität Halle/Wittenberg, Halle, Deutschland
  • Matthias Oemler - Universität Halle/Wittenberg, Halle, Deutschland
  • Andreas Klement - Universität Halle/Wittenberg, Halle, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds195

DOI: 10.3205/12gmds195, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds1957

Published: September 13, 2012

© 2012 Unverzagt et al.
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Einleitung und Fragestellung: Die kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) sind mit einem Anteil von über 30% die häufigste registrierte Todesursache. Im Jahre 2004 verstarben weltweit 17 Millionen Menschen an CVD, mit einer weiteren Zunahme ihrer Inzidenz ist bei weiter alternder Bevölkerung zu rechnen (WHO 2004 [1]).

Der Transfer von Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin in die Praxis niedergelassener Ärzte stellt eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einer höheren Evidenzbasierung der Gesundheitsversorgung dar. Aber nicht nur die methodische Qualität von Leitlinien sondern auch die Kenntnis wirksamer und sicherer Implementierungswege ist ausschlaggebend für den Nutzen am Patienten (Grol 2003 [2]).

Ziel dieser Arbeit ist die Zusammenstellung aller (cluster-) randomisierten klinischen Studien zur Wirksamkeit verschiedener Implementierungsstrategien in allgemeinmedizinischen Praxen zur Prophylaxe (und Behandlung) kardiovaskulärer Erkrankungen.

Material und Methoden: Die methodische Vorgehensweise dieser systematischen Übersichtsarbeit wurde in einem vorab in PROSPERO veröffentlichten Protokoll festgelegt.

Hauptzielkriterium der geplanten Metaanalysen ist die Häufigkeit, in der Therapieempfehlungen und Arzneimittelverordnungen in den Untersuchungsgruppen mit unterschiedlichen Implementierungsstrategien mit den Empfehlungen der untersuchten Leitlinien übereinstimmen (arztorientierte Adhärenz). Eine Nachbeobachtungsperiode von mindestens drei Monaten nach erfolgter Intervention wird als notwendig erachtet um die Nachhaltigkeit der erfolgten Interventionen abschätzen zu können. Die Adhärenz kann in den Studien mit verschiedenen Messmethoden (wie Interviews, Fragebögen, Sekundärdatenanalyse) erhoben worden sein.

Nebenzielkriterien beschreiben die Ergebnisse der Implementierungsstrategien am Patienten über patientenorientierte Endpunkte (Gesamtüberleben und Morbidität und Mortalität durch CVD), Veränderung der Risikofaktoren, Lebensqualität und Kosten.

Die geeigneten Studien werden in elektronischen Datenbanken, Registern laufender und abgeschlossener Studien und wissenschaftlicher Leitlinien, Konferenzbänden, Referenzlisten eingeschlossener Studien und im Kontakt mit Spezialisten gesucht, der Suchverlauf wird in einem Flussdiagramm dokumentiert. Zwei Autoren lesen die Abstracts aller gefundenen und Volltexte der als geeignet aufgenommenen Studien, extrahieren detaillierte Informationen und bewerten die interne Qualität der Studien. Das Verzerrungspotential der geeigneten Studien wird studienbezogen erfasst, wobei in clusterrandomisierten Studien „hierarchische Strukturen“ in der Bewertung des Verzerrungspotentials und Studienauswertung beachtet werden müssen. Aufgrund der zu erwartenden heterogenen Studiendesigns werden die Studienergebnisse in Metaanalysen mit zufälligen Effekten zusammengefasst.

Ergebnisse: Zurzeit screenen wir Titel und Abstracts von 13.401 Referenzen aus der elektronischen Suche. Dabei zeigt sich eine große Heterogenität hinsichtlich der eingeschlossenen Patienten, Versorgungsstrukturen, Implementierungsstrategien, Studiendesigns und erhobenen Endpunkte.

In randomisierten Studien werden Patienten randomisiert, in cluster-randomisierten Studien Praxen. Die untersuchte Patientenpopulation umfasst ausschließlich chronische Krankheitsbilder mit einem breiten Ausprägungsspektrum von einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Diabetes) bis hin zu chronischer Herzschwäche. Implementierungsstrategien für die meist komplexen Interventionen sind ein- oder mehrdimensional, enthalten professionelle Elemente (wie Lehrmaterialien, Kurse oder Workshops), Audits, die Nutzung von Remindern und Softwareunterstützung, Kampagnen über Massenmedien oder finanzielle Anreize. Sie werden von Ärzten in Zusammenarbeit mit Krankenschwestern, Sozialarbeitern und Apothekern umgesetzt und erstrecken sich über unterschiedliche Zeiträume.

Diskussion: Zur Untersuchung der Wirksamkeit der Implementierungsstrategien ist ihre Differenzierung in Teilkomponenten und eine Auswertung in relativ homogenen Subgruppen geplant. Vorgestellt und diskutiert werden sollen sowohl arzt- als auch patientenseitige Effekte der Maßnahmen. Wir erhoffen uns von dieser Übersichtsarbeit Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten der (haus-)ärztlichen Versorgung von Patienten mit CVD mittels effektiver Implementierung evidenzbasierter Behandlungsempfehlungen.


Literatur

1.
WHO (World Health Organization). Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health. 2004. Available from: http://www.who.int/dietphysicalactivity/strategy/eb11344/strategy_english_web.pdf External link
2.
Grol R, Grimshaw JM. From best evidence to best practice: effective implementation of change in patient´s care. Lancet. 2003;362:1225-30.