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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Validierte Archetypen für das Multiple Sclerosis Functional Composite

Meeting Abstract

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  • Michael Braun - Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Deutschland
  • Alexander U. Brandt - gfnmediber GmbH, Berlin, Deutschland
  • Martin Boeker - Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds068

DOI: 10.3205/12gmds068, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0685

Published: September 13, 2012

© 2012 Braun et al.
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Einleitung und Fragestellung: Eine wachsende Anzahl von OpenEHR-Archetypen ist verfügbar. Die breiten Einsatzmöglichkeiten dieser Informationsmodelle sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sowie Basis klinischer Anwendungen. Wenig betrachtet wurde dabei bisher die Frage nach der Qualität der verfügbaren Modelle. Die meisten freierhältlichen Archetypen (aus umfangreichen Online-Repositorien wie dem Clinical Knowledge Manager, CKM) befinden sich lediglich in einem Entwurfsstadium.

In dieser Arbeit wird ein Weg zur Qualitätssicherung von OpenEHR-Archetypen dargestellt. Hierzu wird der Review-Prozess des CKM hinsichtlich seiner Praktikabilität beleuchtet. In diesem standardisierten Verfahren kommentieren internationale Experten eingereichte Archetypen mit der Zielsetzung einer Konsensfindung.

Material und Methoden: Mit dem zweischichtigen OpenEHR-Ansatz werden einzelne klinische Konzepte (wie Blutdruck, Labortests) in voneinander unabhängigen Informationsmodellen, sogenannten Archetypen abgebildet. Die Grundlage dafür bildet ein stabiles Referenzmodell [1], [2]. Der Clinical Knowledge Manager (http://www.openehr.org/knowledge/) ist eines der größten Online-Portale, das Archetypen frei zur Verfügung stellt. Dieses Repositorium bietet die Möglichkeit, Archetypen in einem Team-Review-Prozess durch internationale Domänenexperten beurteilen zu lassen. Jeder Aspekt eines Modells kann dabei kommentiert werden. Diese Anmerkungen bilden die Basis für Verbesserungen der Modelle. Am Ende des Prozesses soll ein breiter Konsens stehen und der Archetyp den Status „published“ erhalten. Dies ist sichtbares Zeichen einer breiten Akzeptanz des Modells und der Erfüllung der Anforderungen des klinischen Alltags.

Ergebnisse: Als Szenario dient das Multiple Sclerosis Functional Composite (MSFC), eine klinisch bedeutsame Testreihe zur Verlaufsdokumentation der Multiplen Sklerose, entwickelt für den Einsatz in klinischen Studien [3]. Das MSFC besteht aus drei heterogenen Tests, die kognitive und motorische Fähigkeiten von Patienten erfassen. Jeder Test wurde in einem eigenen Archetyp repräsentiert, hinzu kam ein vierter für das gesamte MSFC. Die Modelle wurden angelehnt an ein beschriebenes Verfahren [4] von einer kleinen Gruppe bestehend aus Ärzten und (Medizin-) Informatikern entwickelt.

Der Review-Prozess wurde über den CKM mit einem Team von Domänenexperten ausgeführt. Jeder Teilnehmer konnte dabei über mehrere Review-Runden in einem iterativen Prozess Änderungswünsche und Verbesserungsvorschläge zu einem Archetyp sowie ein Gesamturteil abgeben („Reject“, „Minor Revision“, „Major Revision“ oder „Accept“). Abschließend erhielten die akzeptierten Archetypen den Status published.

Diskussion: Die Entwicklung der Modelle und der Review der Archetypen sind gleichermaßen zeitaufwändige Prozesse. Für die formale Sprache (Archetype Definition Language, ADL [5]) und die generelle Architektur sind umfangreiche Spezifikationen verfügbar. Für den Entwicklungsprozess gibt es jedoch nur wenig Hilfestellung. Dies ist für ein Basismodell ausreichend, für das Design qualitativ hochwertiger Archetypen ist die Abstimmung mit Modellierungsexperten und klinischen Experten jedoch essentiell. Verschiedene Modellierungsparadigmen und Praktiken sind erst durch Experten vermittelbar, da fraglich ist, ob sie überhaupt sinnvoll beschreibbar oder formal definierbar sind. Das aufgezeigte pragmatische Modellierungskonzept ist erfolgsversprechend, da es auch nichtformale Entscheidungen und Konventionen berücksichtigt, die aus langjähriger Modellierungserfahrung entstanden sind.

Der Review-Prozess der Archetypen verlief geradlinig, wobei der CKM gute Unterstützung bot. Die resultierenden Modelle sind nicht vollkommen oder können als dauerhaft unveränderbar angesehen werden. Sie sind jedoch eine einvernehmliche Abbildung aktueller klinischer Praxis, wobei die Beurteilung durch Domänenexperten die Qualität der Modelle stark verbessert. Für den OpenEHR-Ansatz ist es bedeutend, die Zahl validierter Archetypen zu erhöhen, da bisher nur wenige Archetypen mit dem Status published existieren (<5% im CKM).


Literatur

1.
Beale T. Archetypes, Constraint-based Domain Models for Future-proof Information Systems. In: Baclawski K, Kilov H, editors. Eleventh OOPSLA Workshop on Behavioral Semantics, Serving the Customer. Boston: Northeastern University; 2002. p. 16-32.
2.
The openEHR Foundation. Architecture Overview OpenEHR Release 1.0.2. 2008.
3.
Fischer JS, Jak AJ, Kniker JE, Rudick RA, Cutter G; National Multiple Sclerosis Society. Multiple Sclerosis Functional Composite (MSFC), Administration and Scoring Manual. 2001.
4.
Leslie H, Heard S. Building an archetype. Ocean Informatics. 2008. Available from: http://www.oceaninformatics.com/Media/docs/2008-06-Building-Archetypes-5c9eaef0-62de-47c6-a155-2ff853e0045f.pdf [cited 25.04.2012] External link
5.
The openEHR Foundation. Archetype Definition Language, ADL 1.4 OpenEHR Release 1.0.2. 2008.