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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Das Risiko schlechter subjektiver Gesundheit in Abhängigkeit von Merkmalen des Wohnumfeldes: eine hierarchische Ereignisanalyse

Meeting Abstract

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  • Sven Voigtländer - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Ursula Berger - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Oliver Razum - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds597

DOI: 10.3205/11gmds597, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5976

Published: September 20, 2011

© 2011 Voigtländer et al.
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Hintergrund: Personen in ressourcenarmen Wohnumfeldern haben einen schlechteren subjektiven Gesundheitszustand als vergleichbare Personen in besser gestellten Wohnumfeldern. Querschnittstudien erlauben es jedoch nicht auf einen ursächlichen Effekt zu schließen. Möglich ist beispielsweise auch, dass es sich um das Ergebnis eines Selektionseffektes handelt, d.h. um die Folge eines vom Sozial- und Gesundheitsstatus geprägten Umzugsverhaltens. Wir untersuchen in einer Längsschnittbetrachtung den Übergang von einem subjektiv guten zu einem subjektiv schlechten Gesundheitszustand und in wieweit das Risiko für schlechte Gesundheit bei Personen in ressourcenarmen Wohnumfeldern erhöht ist.

Methoden: Unsere Untersuchung basiert auf den in Privathaushalten lebenden Befragten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) im Jahr 2004. Gesundheit wurde mittels des selbsteingeschätzten gegenwärtigen Gesundheitszustands als dichotome Variable operationalisiert. Die Qualität des Wohnumfeldes wurde anhand zweier additiver Indizes gemessen (gebaute Umwelt: subjektive Beeinträchtigung durch Lärm, Luftverschmutzung und Mangel an Grünflächen; soziale Umwelt: Kriminalität, Verhältnis der Bewohner untereinander). Zusätzlich wurden demografische und statusbezogene Merkmale der untersuchten Personen, Haushalte und Wohnorte berücksichtigt (z.B. Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, durchschnittliche Kaufkraft im Wohnumfeld). Zunächst wurden alle gesunden SOEP-Befragten in 2004 ausgewählt und über die Jahre 2005 bis 2008 weiterverfolgt. Der Einfluss der gebauten und der sozialen Umwelt auf das Risiko einer Verschlechterung der subjektiven Gesundheit wurde in der Statistik-Software MLwiN v2.22 mittels hierarchischer Ereignismodelle mit latenten haushalts- und regionalspezifischen Effekten modelliert.

Ergebnisse: Bei 3.356 der 15.063 Personen unter Risiko trat im Zeitraum 2005 bis 2008 das Ereignis schlechte subjektive Gesundheit neu ein. In den berechneten Regressionsmodellen zeigt sich, dass sich das Risiko für das Ereignis mit einer schlechter ausgestatteten gebauten Umwelt (Odds Ratio (OR): 1,03; 95%-KI: 1,01-1,05) und auch mit einer geringeren Qualität der sozialen Umwelt (OR: 1,10; 95%-KI: 1,06-1,15) signifikant erhöht (alters- und geschlechtsadjustiert). Die Berücksichtigung statusbezogener Merkmale von Personen, Haushalten sowie des Wohnumfeldes vermindert die Assoziation zwar; die unabhängige Assoziation zwischen der Qualität des Wohnumfeldes und dem Eintritt schlechter subjektiver Gesundheit bleibt jedoch weiter bestehen.

Diskussion: Gebaute und soziale Ressourcen des Wohnumfeldes spielen neben individuellen und haushaltsbezogenen Ressourcen eine Rolle in der Genese schlechter subjektiver Gesundheit.