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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Typ 2 Diabetes in Deutschland: Ergebnisse einer Meta-Analyse mit Primärdaten aus Kohortenstudien

Meeting Abstract

  • Michaela Schunk - Helmholz Zentrum, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, München / Neuherberg
  • Peter Reitmeir - Helmholz Zentrum, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, München / Neuherberg
  • Sabine Schipf - Ernst Moritz Arndt Universität, Greifswald
  • Henry Völzke - Ernst Moritz Arndt Universität, Greifswald
  • Christine Meisinger - Helmholz Zentrum, Institut für Epidemiologie II, München / Neuherberg
  • Barbara Thorand - Helmholz Zentrum, Institut für Epidemiologie II, München / Neuherberg
  • Alexander Kluttig - Martin-Luther-Universität, Halle Wittenberg
  • Karin-H. Greiser - Deutsches Krebsforschungsinstitut, Heidelberg
  • Klaus Berger - Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Münster
  • Grit Müller - Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Münster
  • Ute Ellert - Robert Koch Institut, Berlin
  • Hannelore Neuhauser - Robert Koch Institut, Berlin
  • Teresa Tamayo - Deutsches Diabetes Zentrum, Düsseldorf
  • Wolfgang Rathmann - Deutsches Diabetes Zentrum, Düsseldorf
  • Rolf Holle - Helmholz Zentrum, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, München / Neuherberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds574

DOI: 10.3205/11gmds574, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5748

Published: September 20, 2011

© 2011 Schunk et al.
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Einleitung/Hintergrund: Gesundheitsbezogene Lebensqualität ist eine zentrale Messgröße zur Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen von Diabetes und eine wichtige patientenorientierte Zielgröße für die klinische Praxis. In dem vorliegenden Beitrag wird untersucht, in wel-chem Ausmaß das Vorliegen von Typ 2 Diabetes die gesundheitsbezogene Lebensquali-tät im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung einschränkt. Weitergehend wird die Bedeu-tung allgemeiner und diabetes-spezifischer Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Komorbiditäten auf die Lebensqualität bestimmter Gruppen von Personen mit Typ 2 Diabetes analysiert.

Material & Methoden: Im Kompetenznetz Diabetes mellitus wurden im Rahmen des DIAB-CORE Verbundes Individualdaten aus mehreren großen bevölkerungsbezogenen Studien aus verschiede-nen Regionen Deutschlands gemeinsam analysiert. Für die hier beschriebenen Auswer-tungen stehen Daten von 9579 Personen im Alter zwischen 45 und 74 Jahren aus vier regionalen Surveys und dem überregionalen Bundesgesundheitssurvey 1998 zur Verfü-gung. Davon sind 8,8% nach eigenen Angaben an einem Diabetes erkrankt oder erhal-ten eine anti-diabetische Medikation. Als generische Instrumente stehen entweder der SF-36 oder die Kurzversion SF-12 zur Verfügung. Zur Auswertung wurden die körperli-che und die psychische Summenskala des SF-12 berechnet. Die Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und weiterer möglicher Einflussvariablen erfolgte mittels multivariater Regressionsmodelle.

Ergebnisse: Für Personen mit Typ 2 Diabetes lässt sich eine deutliche Verringerung der körperlichen, gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Vergleich zu Personen ohne Typ 2 Diabetes feststellen (-4,1 Punkte auf der körperlichen Summenskala [95%KI: -4,8; -3,4]). Dies entspricht in etwa der Abnahme von körperlicher Lebensqualität für Personen ohne Diabetes im Alter von 45 Jahren im Vergleich zu 65 jährigen Personen. Nur bei Frauen zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Personen mit und ohne Typ 2 Diabetes auch auf der psychischen Summenskala (-2,6 Punkte [95%KI: -3,5; -1,7]). Auch unter Berücksichtigung von Komorbiditäten wie Herzinfarkt und Schlaganfall bleiben diese Unterschiede signifikant. Personen mit Typ 2 Diabetes, die mit Insulin behandelt werden, haben im Vergleich zu Personen ohne Insulintherapie eine um 2,8 Punkte geringere körperliche Lebensqualität [95%KI: -4,1; -1,4]. Statistisch signifikante Abstufungen auf der Summenskala der psychischen Lebensqualität in Abhängigkeit von Insulineinnahme zeigen sich wiederum nur für Frauen.

Diskussion/Schlussfolgerung: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Erkrankung an Typ 2 Diabetes mit einer beträchtlichen Verringerung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität im körperlichen Bereich einhergeht. Der zusätzliche Unterstützungsbedarf von Frauen mit Typ 2 Diabe-tes im Bereich der psychischen Lebensqualität sollte in Versorgungsmodellen verstärkt berücksichtigt werden.

Die Arbeit wurde unterstützt durch das „Kompetenznetz Diabetes mellitus“, gefördert vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01GI0815).