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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Leistungskodierung - Ein Vergleich des Österreichischen Leistungskatalogs mit der Classification Commune des Actes Médicaux (CCAM)

Meeting Abstract

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  • Sabrina Barbara Neururer - Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck
  • Karl-Peter Pfeiffer - Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie, Medizinische Universität Innsbruck und FH Joanneum Gesellschaft mbH, Innsbruck, Graz

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds557

DOI: 10.3205/11gmds557, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5570

Published: September 20, 2011

© 2011 Neururer et al.
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Einleitung: Während die Kodierung von Diagnosen praktisch weltweit auf Basis der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) [1] erfolgt, existiert für die Leistungskodierung derzeit kein international anerkannter Standard [2]. In Österreich wurde zu diesem Zweck der Österreichische Leistungskatalog (ÖLK) konzipiert [3]. In Frankreich hingegen wird die Classification Commune des Actes Médicaux (CCAM) zur Kodierung von Prozeduren für die Leistungsabrechnung herangezogen [4]. Dieser Beitrag beschreibt ein Mapping vom ÖLK auf das zugrundeliegende Kodiersystem der CCAM, um Schwächen des ÖLK zu identifizieren und Verbesserungspotentiale aufzuzeigen.

Material und Methoden: Es wurden die Architektur und die Kodiersysteme des ÖLK in der Version 2010 und der CCAM V0bis verglichen. Beide Klassifikationssysteme verfügen über eine multiaxiale Systematik und ordnen Prozeduren entlang dreier Achsen an. Äquivalent zu den CCAM-Achsen "Anatomische Stellen und Funktionen", "Handlungen" und "Zugangsweise" [5], unterteilt sich der ÖLK in "Anatomie", "Art der Tätigkeit" und "Art des Zugangs" [6]. Im Zuge des Mappings wurde versucht, der Methodik von Hanser et al. [2] folgend, für jede Prozedur des ÖLK eine Zuordnung zu einer Klasse jeder der drei CCAM-Achsen zu finden. Beispielsweise wurde die ÖLK-Prozedur "Tonsillektomie" auf die Klassen "Gaumen- und Rachenmandeln", "Exzisieren" und "offener Zugang" der CCAM gemappt.

Ergebnisse: Die Architektur und die Anzahl der Klassen der jeweiligen Achsen beider Klassifikationssysteme unterscheiden sich kaum. Lediglich die "Art der Tätigkeit" bzw. die "Handlungen" differenzieren stark. Der ÖLK offeriert hierfür 5, die CCAM hingegen 41 detaillierte Prozedurentypen. Komplette Mappings von ÖLK-Prozeduren auf alle drei korrespondierenden CCAM-Achsen waren in 71% (n=1084) der Fälle möglich. 29% der Mappings (n=430) stellen partielle Zurodnungen auf eine oder zwei CCAM-Achsen dar. Lediglich 3 ÖLK-Prozeduren fanden in keiner der CCAM-Achsen eine Entsprechung. Für 1460 (96%) ÖLK-Leistungen konnte eine korrespondierende Klasse in der CCAM-Zugangsweise identifiziert werden.

Diskussion: Beide Klassifikationssysteme profitieren von ihrer Multiaxialität und der dadurch einfachen Erweiterbarkeit. Obwohl sich ihre Architektur stark ähnelt, konnte die CCAM vor allem aufgrund der ausgereifteren Achse für die "Handlungen" punkten. Auch die Kodiersysteme beider Kataloge unterscheiden sich nur geringfügig. Während bei der CCAM die Achsenkodes aller Achsen in den Prozedurenkode aufgenommen werden, spiegelt der ÖLK-Leistungskode lediglich die Anatomie-Achse wider, was die Anzahl der möglichen Kodekombinationen einschränkt. Aufgrund der großen Ähnlichkeit beider Kataloge, mit Ausnahme der Prozedurentypen, gestaltete sich das Mapping relativ einfach. Für die ständige Weiterentwicklung des ÖLK sollte eine Neugestaltung der Achse für die "Art der Tätigkeit", eine Erweiterung der Systematik um zusätzliche Achsen (z.B. Hilfsmittel, Funktionen) sowie des Inhaltes in Betracht gezogen werden.


Literatur

1.
Leiner F, Gaus W, Haux R, Knaup-Gregori P, Pfeiffer K-P. Medizinische Dokumentation: Grundlagen einer qualitätsgesicherten integrierten Krankenversorgung. Lehrbuch und Leitfaden. 5. Aufl. Schattauer; 2006.
2.
Hanser S, Zaiss A, Schulz S. Health care procedures. Methods Inf Med. 2009;48(6):540-545.
3.
Bundesministerium für Gesundheit. Leistungskatalog BMG. 2010.– Tabelle.
4.
Trombert-Paviot B, Rector A, Baud R, Zanstra P, Martin C, van der Haring E, Clavel L, Rodrigues JM. The development of CCAM: the new French coding system of clinical procedures. HIMJ. 2003;31(1):1-11.
5.
Allgemeine Klassifikation medizinischer Prozeduren (CCAM). Lese- und Codieranleitung. Available from: http://www.atih.sante.fr/de/Docs/CCAM_guide_lecture_allemand.pdf External link
6.
Bundesministerium für Gesundheit. Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung –LKF. Leistungskatalog BMG. 2010. Available from: http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/8/6/4/CH1166/CMS1128332460003/leistungskatalog_bmg_2010.pdf. External link