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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Risikofaktoren von Aussiedlern aus der früheren Sowjetunion bei Herz-Kreislauferkrankungen (CVD)

Meeting Abstract

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  • Ema Kuhrs - Institut für Public Health, Heidelberg
  • Heiko Becher - Institut für Public Health, Heidelberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds160

DOI: 10.3205/11gmds160, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1603

Published: September 20, 2011

© 2011 Kuhrs et al.
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Einleitung: Die Krankheiten des Kreislaufsystems (CVD) sind die häufigste Todesursache in Industrieländern. Allerdings zeigen sich große Unterschiede im Ländervergleich, so ist die Mortalität in Russland um ein Vielfaches höher als in Westeuropa. In einer kürzlich durchgeführten retrospektiven Kohorten-Studie ergab sich jedoch, dass die CVD-Mortalität unter Aussiedlern aus der früheren Sowjetunion sogar im Vergleich zu der der deutschen Bevölkerung geringer ist [1]. Da in dieser Kohorten-Studie keine Daten über individuelle Risikofaktoren vorlagen, waren weitergehende Analysen nicht möglich, die dies erklären können.

Ziel des Beitrags: Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, CVD-Risikofaktoren von Aussiedlern zu untersuchen und die Mortalitätsmuster bei Aussiedlern in Deutschland zu interpretieren.

Studiendesign: Es handelt sich um eine Fall-Kontroll-Studie, eingebettet in obige Kohortenstudie. Fälle sind CVD-Todesfälle innerhalb der Kohorte. Zu jedem Fall wurden zwei Kontrollen nach Geburtsjahr, Einreisedatum und Geschlecht gematcht. Über die Lebensgewohnheiten der Fälle wurden die lebenden Verwandten telefonisch mit Hilfe eines Fragebogens befragt. Die Analyse erfolgte deskriptiv und analytisch mit bedingter logistischer Regression.

Ergebnisse und Ausblick: Es wurden insgesamt 98 Fälle (NFall, männlich=70, NFall, weiblich=28) und 250 Kontrollen (NKontrolle, männlich=183, NKontrolle, weiblich=67) erfolgreich interviewt. Der Altersbereich der Fälle liegt bei 31 bis 88 Jahren. Signifikante Unterschiede zwischen Fällen und Kontrollen konnten insbesondere beim Rauchverhalten, dem Alkoholkonsum und der Ernährung festgestellt werden. Der BMI ist relativ einheitlich und liegt im Mittel zwischen 27 (Kontrolle Männer) und 29 kg/m2 (Fälle Frauen). Die multiple logistische Regression ergab signifikante ORs für Alkoholkonsum und Rauchen von 2.77 [95% Konfidenzintervall 1.42-5.41] und 2.88 [1.32-6.25] sowie für Diabetes mellitus von 3.37 [1.50-7.58] und für hohe Cholesterinwerte von 2.26 [1.05-4.87]. Das OR für den weitgehenden Verzicht auf Süßwaren liegt bei 0.34 [0.18-0.64]. Die Prävalenz der Risikofaktoren beträgt für den Alkoholkonsum 20% und für das Rauchen 49% sowie für Diabetes mellitus 13%, Cholesterin 23% und 29% für den täglichen Verzehr von Süßwaren. In der Studie konnten die bereits bekannten Risikofaktoren auch in der Gruppe der Spätaussiedler als die relevanten Faktoren gezeigt werden. Die Prävalenz der Risikofaktoren unterscheidet sich nicht wesentlich von denen in der deutschen Bevölkerung. Hier sind weitere Analysen in der Vorbereitung und werden im Rahmen dieses Vortrags vorgestellt.


Literatur

1.
Becher H, Razum O, Kyobutungy C, Laki J, Ott JJ, Ronellenfitsch U, Winkler V. Mortalität von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion. Ergebnisse einer Kohortenstudie. Deutsches Ärzteblatt. 2007;104(23):A-1655-61.