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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Disparitäten von Durchimpfungsraten in Neuseeland: eine geographische Perspektive

Meeting Abstract

  • Steffen Müller - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), Bremen, Deutschland
  • Daniel Exeter - Epidemiology & Biostatistics, School of Population Health, The University of Auckland, Auckland, Neuseeland
  • Helen Petousis-Harris - Immunisation Advisory Centre The University of Auckland, Auckland, Neuseeland
  • Nikki Turner - Immunisation Advisory Centre The University of Auckland, Auckland, Neuseeland

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds144

DOI: 10.3205/11gmds144, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1443

Published: September 20, 2011

© 2011 Müller et al.
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Hintergrund: Neuseeland hat in den letzten 20 Jahren niedrige Durchimpfungsraten aufgewiesen. Der 2005 durchgeführte National Immunisation Survey ergab, dass 77,4% der unter einjährigen Kinder einen vollen Impfschutz besaßen. Das National Immunisation Register (NIR) wurde im Jahre 2005 mit dem Ziel eingeführt die allgemeinen Durchimpfungsraten im Zuge neuer technischer Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten zu verbessern. Das NIR bietet die Möglichkeit schnelle Informationen über den Durchimpfungsstatus für bestimmte Risikopopulationen, einzelne Geburtskohorten und für verschiedene geographische Einheiten auszuwerten.

Ziele/Methoden:

  • Untersuchung der Durchimpfungsraten 12-Monate alter Kinder in Neuseeland zwischen 2007 und 2009 mit Hilfe des National Immunisation Register, stratifiziert nach den 21 District Health Boards (DHB) in Neuseeland
  • Modellierung des Zusammenhangs zwischen Durchimpfungsrate und Risikofaktoren wie sozioökonomischem Status/relativer Armut (NZ Deprivation Index), ethnischer Herkunft, Haushaltsmerkmalen sowie Zugang zur Gesundheitsversorgung

161,230 individuelle Impf-Eintragungen wurden aus dem NIR für diese Studie genutzt. Die nationale Durchimpfungsrate sowie Durchimpfungsraten der bestehenden 21 DHBs wurden berechnet und zusätzlich für sozioökonomischen Status und ethnische Herkunft stratifiziert. Zudem wurden mittels Logistischer Regression die Zusammenhänge zwischen Durchimpfungsrate und Risikofaktoren berechnet.

Ergebnisse: Die nationale Durchimpfrate für 12-Monate alte Kinder in Neuseeland (2007-2009) war 82%. Signifikante Variationen wurden zwischen den 21 DHBs in Neuseeland beobachtet (Spannweite:71-91%). Signifikant niedrigere Durchimpfungsraten wurden in DHBs mit großen Anteilen hoher relativer Armut (NZ Deprivation Index) beobachtet. Faktoren, die Durchimpfungsraten beeinflussen sind „Maori“ (indigene Bevölkerung) oder „Andere“ Bevölkerungsgruppen; eine hohe Anzahl an Haushaltsmitglieder und ein niedriges Haushaltseinkommen.

Zusammenfassung: Es existieren markante Unterschiede in der Durchimpfungsrate bei 12-Monate alten Kindern in Neuseeland; jedoch wird eine mögliche Untererfassungsproblematik im Register vermutet. Zukünftige Strategien für Impfprogramme sollten die Personengruppen mit einem erhöhten Risiko für niedrige Durchimpfungsraten beachten und ihre Arbeit gezielt auf diese Gruppen ausrichten. Ansätze sind die Übernahme von „good-practice“ Beispielen erfolgreicher DHBs und die mögliche Aufstockung von finanziellen Mitteln für DHBs/Gebiete mit Bevölkerungsgruppen, die in hoher relativer Armut leben.