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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Der Einfluss regionaler Deprivation auf Mortalität und Morbidität in Bayern

Meeting Abstract

  • Werner Maier - Helmholtz Zentrum München, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Neuherberg
  • Laura Kuznetsov - Helmholtz Zentrum München, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Neuherberg
  • Matthias Hunger - Helmholtz Zentrum München, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Neuherberg
  • Jon Fairburn - Staffordshire University, Business School, Centre for Applied Business Research, Stoke on Trent, UK
  • Andreas Mielck - Helmholtz Zentrum München, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Neuherberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds143

DOI: 10.3205/11gmds143, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1431

Published: September 20, 2011

© 2011 Maier et al.
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Hintergrund: Einflüsse des regionalen sozioökonomischen Status auf die Gesundheit der Bevölkerung wurden bisher in Deutschland im Vergleich zu angelsächsischen Ländern relativ wenig untersucht. Das Ziel dieser Analyse bestand darin, unter Verwendung des neugebildeten Bayerischen Index Multipler Deprivation (BIMD) einen möglichen kleinräumigen Zusammenhang zwischen regionalem Deprivationsgrad und allgemeiner Sterblichkeit sowie Tumormortalität und -inzidenz für die Modellregion Bayern zu demonstrieren.

Material und Methoden: Zur Messung des kleinräumigen regionalen Deprivationsstatus verwendeten wir den BIMD, ein mehrdimensionales Konstrukt, welches auf einer britischen Methode basiert. Die Indikatoren dieses Index wurden aus Daten der amtlichen Statistik gebildet. Für jede der gerankten 2.056 Gemeinden und kreisfreien Städte in Bayern wurden Scores für den jeweiligen Deprivationsstatus berechnet und mittels einer GIS-Software (ArcGIS) visualisiert. Wir errechneten auf Gemeindeebene die allgemeine Sterblichkeit, sowie die Mortalität und Inzidenz für Lungen- und Darmkrebs. Auf dieser Grundlage führten wir mittels Poisson-Regression multivariate Analysen durch.

Ergebnisse: Diese Analysen zeigten schrittweise Steigerungen des Gesundheitsrisikos im Zusammenhang mit zunehmender regionaler Deprivation. Gemeinden im Quintil mit der höchsten Deprivation wiesen ein deutlich erhöhtes Risiko für vorzeitige Mortalität (< 65 Jahre) bei allgemeiner Sterblichkeit auf [RR 1,49 (95% KI: 1,42-1,57)]. Auch bei Lungenkrebsinzidenz [z.B. RR 1,39 (95% KI: 1,29-1,49) bei Männern] und Lungenkrebsmortalität [z.B. RR 1,54 (95% KI: 1,41-1,68) bei Männern], sowie bei Darmkrebsinzidenz [z.B. RR 1,30 (95% KI: 1,22-1,38) bei Männern] und bei Darmkrebsmortalität [z.B. RR 1,57 (95% KI: 1,40-1,76) bei Männern] zeigten sich deutliche Zusammenhänge mit dem Grad der kleinräumigen Deprivation.

Schlussfolgerungen: Mit Hilfe des Bayerischen Index Multipler Deprivation konnte ein kleinräumiger Einfluss auf die allgemeine Sterblichkeit, sowie auf Tumormortalität und -inzidenz gezeigt werden. Der BIMD stellt somit ein neues und flexibles Instrument zur Operationalisierung regionaler Effekte auf die Gesundheit der Bevölkerung dar. Er kann in Regressionsmodellen, insbesondere in Multilevel-Analysen, sowie bei fehlenden sozioökonomischen Individualdaten eingesetzt werden.