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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Delegation statt Substitution: Ein möglicher Lösungsansatz für den Ärztemangel in der Arbeitsmedizin

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  • corresponding author presenting/speaker Silvester Siegmann - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin, Düsseldorf, Deutschland
  • Andreas Meyer-Falcke - Gesundheitscampus NRW, Strategiezentrum Gesundheit, Bochum, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma118

DOI: 10.3205/10gma118, URN: urn:nbn:de:0183-10gma1189

Published: August 5, 2010

© 2010 Siegmann et al.
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Der Ärztemangel in Deutschland ist ein generelles Problem, das sich in besonderem Maße in den kleineren Gebieten wie der Arbeitsmedizin bemerkbar macht.

Aktuell versorgen zwischen 10.000 und 12.000 Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde die Beschäftigten in den Betrieben. Diese betriebsmedizinische Betreuung der Mitarbeiter ist gesetzlich vorgeschrieben. 47,2 Prozent aller Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sind nach Angaben der Bundesärztekammer 60 Jahre oder älter und es ist abzusehen, dass sie demnächst dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Es stellt sich also die Frage, wie vor diesem Hintergrund das derzeitiges Niveau in der betriebsärztlichen Betreuung gehalten werden kann. Spezielle finanzielle Anreize zu schaffen, um Ärzte für die Arbeits- und Betriebsmedizin zu gewinnen, ginge zu Lasten der Versorgung der Allgemeinbevölkerung und ist nicht zu verantworten.

Das zukünftig auf dem Markt immer schwieriger zu bekommende Gut der betriebsärztlichen Einsatzstunde muss folglich gezielter eingesetzt werden als bisher. Dann verbleibt dem Betriebsarzt auch genug Zeit, sich um die Fälle intensiv zu kümmern, die wirklich seine ärztliche Kunst benötigen.

Neben der laufenden Diskussion zur Substitution durch andere Berufsgruppen „auf Augenhöhe (Betriebliche Gesundheitsmanager, Arbeitswissenschaftler, Psychologen, Ergonomen etc.) werden auch Delegationsmodelle diskutiert. Ein Blick über die Grenzen hinweg in die europäischen Nachbarländer und die USA zeigt, dass diese Modelle sehr vielversprechend sind: So wird zum Beispiel seit über 10 Jahren an inzwischen sieben französischen Unis (u.a. in Strasbourg) sehr erfolgreich die Ausbildung zum Diplôme Inter-Universitaire de Santé au Travail (DIUST) angeboten, durch das sich Krankenschwestern berufsbegleitend qualifizieren können. Ebenso könnte das Modell der WHO „Basic Occupational Health Services (BOHS) eine Lösung bieten. Große Firmen im internationalen Raum (Roche, DuPont, aber auch die CIA) bieten schon seit langem Jobs für Occupational Health Nurses an. Krankenschwestern, Arzthelferinnen etc. könnten in einem berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang hochwertig qualifiziert werden und anschließend Tätigkeiten delegiert bekommen, die bis dato Ärzten vorbehalten sind. Ein geeignetes Curriculum sollte zusammen mit praxiserprobten Betriebsärzten unter der intensiven Beteiligung der arbeitsmedizinischen Lehrstühle und Akademien entwickelt werden. Der sich daraus ergebende Bachelor-Studiengang könnte sich als Modell-Studiengang etablieren.

Im Rahmen dieses Beitrages sollen Lösungsansätze und auch neue Kooperationsformen diskutiert werden, die helfen auch in Zukunft die betriebsärztliche Versorgung der Beschäftigten in den Betrieben sicherzustellen [1], [2], [3], [4], [5].


Literatur

1.
ILO. A Global Strategy on Occupational Safety and Health. Geneva: International Labour Organisation, the 91st session of the International Labour Conference; 2003.
2.
Rantanen J. Basic Occupational Health Services. A WHO/ILO/ICOH. 2 nd ed. Helsinki: Finnish Institute of Occupational Health; 2005.
3.
Ricken U. Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin - für viele Jahre unverzichtbar. Prakt Arbeitsmed. 2005;1:6-7.
4.
Schoeller A. Arbeitsmedizin: Nachwuchsmangel zu befürchten. Dtsch Arztebl. 2008;105(30):A1600-1602.
5.
WHO. The Global Plan of Action on Workers Health 2008-2017. Geneva: World Health Organisation, the 60th World Health Assembly; 2007.