gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Lernen die Studierenden was wir sie lehren? Analyse der Wissensentwicklung in der Konservativen Medizin im Medizinischen Curriculums München (MeCuM) mit Hilfe des Progress Tests Medizin

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Matthias Holzer - LMU München, Medizinische Klinik Innenstadt, Schwerpunkt Medizindidaktik, München, Deutschland; Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • Ralf Schmidmaier - LMU München, Medizinische Klinik Innenstadt, Schwerpunkt Medizindidaktik, München, Deutschland
  • Matthias Angstwurm - LMU München, Medizinische Klinik Innenstadt, Schwerpunkt Medizindidaktik, München, Deutschland
  • Martin Reincke - LMU München, Medizinische Klinik Innenstadt, Schwerpunkt Medizindidaktik, München, Deutschland
  • author Martin R. Fischer - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma27

DOI: 10.3205/10gma027, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0274

Published: August 5, 2010

© 2010 Holzer et al.
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Outline

Text

Fragestellung: Fakultätsinterne, scheinrelevante Prüfungen im Medizinstudium erheben in der Regel den Wissensstand nach einer Phase intensiver Auseinandersetzung mit dem betreffenden Fach. Entscheidend für die Tätigkeit als Arzt ist jedoch die Summe aus explizit gelerntem Fachwissen plus "beiläufig" in anderen Studienabschnitten erworbenem Fachwissen minus vergessenem Wissen. Der Progresstest Medizin (PTM) der Charité an der Medizinischen Fakultät der LMU soll nicht nur den Studierenden detailliertes formatives Feedback zu ihrem aktuellen Leistungsstand [1] geben, sondern ermöglicht auch die Untersuchung folgender Fragen:

1.
Ist der PTM hilfreich für die Evaluation eines medizinischen Curriculums? (Zum Einsatz des PTM für interfakultäre Vergleiche von Curricula siehe [2])
2.
Wie entwickelt sich das Wissen zur "Konservativen Medizin" bei Studierenden der LMU im Verlauf des Studiums?Welche Faktoren führen dazu, dass das Wissen zu bestimmten Lernzielen hinter den Erwartungen der Lehrenden zurückbleibt?

Methodik: Im Rahmen des vorliegenden Projektes an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wurde eine Querschnittanalyse durchgeführt und die Wissensentwicklung einzelner Fachgebiete vor Modul 2 ("Konservative Medizin", 2. oder 3. klin. Semester je nach Kohorte), vor Modul 4 (4. oder 5. klin. Sem.) sowie vor und während des PJ gemessen. Insgesamt nahmen an den Tests im Wintersemester 2008/2009 und im Sommersemester 2009 1065 Studierende teil. Die Ergebnisse der PTM wurden nach Subdisziplinen der Konservativen Medizin und Semestern zusammengefasst, um den Wissenszuwachs in Summe und je Subdisziplin während des Moduls Konservative Medizin (2. klinisches Semester) und im weiteren Verlauf bis zum PJ zu analysieren. Zudem wurden einzelne Aufgaben identifiziert, zu denen durch die betreffenden Lehrveranstaltungen nur unzureichendes Wissen vermittelt wurde und die Gründe hierfür untersucht.

Ergebnisse: Die gepoolten Ergebnisse der beiden Semester zeigen, dass sowohl im Modul 2 ("Konservative Medizin") als auch im Modul 3. ("Operative Fächer") ein signifikanter Wissenszuwachs bzgl. "Konservativer Medizin" erfolgt und sich das Wissen der beiden Kohorten, die diese Module in entgegengesetzter Reihenfolge passieren, danach auf gleichem Niveau befindet. Zudem wurden auch Unterschiede im Wissenszuwachs zwischen einzelnen Subspezialitäten der Inneren Medizin untersucht. Es zeigte sich, dass es Fächer mit höheren Wissenszuwachs (z.B. Kardiologie und Rheumatologie) gibt und solche, bei denen sich das Wissen bezüglich der im PTM abgefragten Lernziele nicht signifikant ändert (z.B. Infektiologie und Nephrologie).

In den letztgenannten Fächern holen die Studierenden das mangelnde Wissen im Verlauf des Studiums auf. Bei einem Querschnittfach wie Infektiologie ist dies gut nachzuvollziehen. Im Falle der Nephrologie scheinen die Studierenden das komplexe Handlungswissen erst im weiteren Verlauf mit mehr Patientenkontakt und praktischer Erfahrung zu erwerben.

Schlussfolgerungen: Der Progresstest ist ein geeignetes Werkzeug zur Analyse der Qualität eines Curriculums. Die gewonnenen Ergebnisse werden zur überprüfung von Lehrformen sowie –inhalten im aktuellen Curriculum zu genutzt und dienen als Bezugsgröße zur Kontrolle von Auswirkungen der Reorganisation des Curriculums.


Literatur

1.
Blake JM, Norman GR, Keane DR, Mueller CB, Cunnington J, Didyk N. Introducing progress testing in McMaster University's problem-based medical curriculum: psychometric properties and effect on learning. Acad Med. 1996;71(9):1002-1007. DOI: 10.1097/00001888-199609000-00016 External link
2.
Nouns ZM, Brauns K, Hanfler S. Der Progress Test Medizin als Evaluationsinstrument. GMS Z Med Ausbild. 2005;22(4):Doc132. Zugänglich unter: http://www.egms.de/static/de/journals/zma/2005-22/zma000132.shtml External link